Interview mit Hardy Krüger jun.

Im rtv-Interview spricht Hardy Krüger jun. über Kitsch, Kochen und darüber, was das neue „Forsthaus Falkenau“ mit der „Bill Cosby Show“ zu tun hat

Über 6 Millionen Zuschauer schalten freitags „Forsthaus Falkenau“ ein – das ist ein Riesenerfolg. Viele tun die Serie dennoch als Kitsch ab. Was ist für Sie „Kitsch“?

Hardy Krüger jun.: Kitsch ist für mich, wenn man den Menschen etwas vorgaukelt, das perfekt ist. Ein zuviel von allem: zu heil, zu bunt, zu schön. Wir sind einfach authentisch.

Das Beste am neuen „Forsthaus“ ist …

Hardy Krüger jun.: Ich wohne nur 2 Minuten davon entfernt. Im Ernst: Es hat ein ganz neues tolles Flair - mit dem Bootssteg und dem See. Was mir für die Serie vorschwebte war eine Mischung aus „Unsere kleine Farm“, „Bill Cosby Show“ und den „Waltons“. Ich finde, das haben wir gut hingekriegt. Durch die Serie haben wir ein Sprachrohr. Uns sehen immerhin 6 Millionen Zuschauer. Da können wir über Dinge sprechen, die uns wichtig sind : Es geht um Ökologie. Um Dinge, die, die für unseren Planeten wichtig sind, über den Ammersee hinaus.

Die Serie läuft bestens – warum also die Veränderungen?

Hardy Krüger jun.: Es kommt der Zeitpunkt, da muss man einen Schritt nach vorne gehen. Das haben wir getan, durch eine neue Umgebung, neue Charaktere. Die Serie ist moderner, menschlicher, lustiger geworden.

Wird Ihr Vater irgendwann in einer Gastrolle zu sehen sein?

Hardy Krüger jun.: Im „Forsthaus“ sicherlich nicht. Aber es gibt schon lange den Plan, dass wir beide was zusammen machen. Wir arbeiten daran.

Die Rolle des Stefan Leitner ist für Sie …

Hardy Krüger jun.: ... eine Rolle, die mir Spaß macht. Aber gleichzeitig viel mehr als das: Sie spiegelt das wider, was mir in meinem Leben wichtig ist. Das ist eine tolle Kombination

In der neuen Staffel gibt es Zoff, weil Sie eine wichtige Entscheidung im Alleingang treffen. Gibt es da Parallelen zwischen Ihnen und der Serienfigur?

Hardy Krüger jun.: Bei den wirklich wichtigen Entscheidungen war ich nie allein. Aber ich wollte schon früh auf eigenen Beinen stehen, damit ich niemandem Rechenschaft ablegen muss. Ich habe eine Ausbildung als Koch und als Barkeeper. So habe ich mir mein Leben und mein Studium verdient.

Wie kamen Sie von der Gastronomie zur Schauspielerei?

Hardy Krüger jun.: Ich habe schon mit 8 Jahren mein erstes Stück gespielt. Das habe ich während der ganzen Schulzeit gemacht. Aber ich dachte mir: Davon leben wirst du wahrscheinlich nicht können. Und bei dem Vater wird das ohnehin schwierig. Also lernst du erst mal was Anständiges. In unserer Familie waren es übrigens schon immer die Männer, die in der Küche gestanden haben.

Und Sie kochen auch am Set …

Stimmt. Das ist eine Leidenschaft von mir. So kam es auch, dass Stefan Leitner in der Serie kocht. Und zwar immer dann, wenn er Probleme hat.

Woher kommt diese Begeisterung?

Hardy Krüger jun.: Auch Peter Finch, mein großes Vorbild, ist ein wunderbarer Koch. Ich dachte mir immer, wenn ich einmal so ein großartiger Mensch wie Peter Finch werden will, muss ich wahrscheinlich genauso gut kochen können wie er.

Ihre ersten Lebensjahre haben Sie in Afrika verbracht. Was verbinden Sie damit?

Hardy Krüger jun.: Ich war nur bis zu meinem sechsten Lebensjahr da. Aber bis heute ist es so, dass ich mich Zuhause fühle, sobald ich afrikanischen Boden betrete. Dieser Ort bringt mich in die Realität zurück. Denn das was ich in meinem Beruf erlebe, ist ja nicht die Realität. Man merkt, dass es da draußen noch so viel zu tun gibt. Es reicht eben nicht, ein Kind zu adoptieren. Aber jeder versucht eben so viel zu machen, wie es ihm in seiner Situation möglich ist.

Sie sind viel herumgekommen. Gibt es für Sie so etwas wie Heimat?

Hardy Krüger jun.: Ich bin noch nie länger in einer Stadt gewesen als drei, vier Jahre. Ich sage immer „Die Krügers sind die Reisenden, die nie ankommen wollen“. Heimat ist überall und nirgendwo. Heimat ist meine Familie. Der Ort ist dabei ziemlich egal. Irgendwann wird es sich einmal einen Lebensmittelpunkt geben. Aber bis dahin muss ich einfach mehr zur Ruhe kommen.

23.9.2011, 0.00 Uhr

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