Interview mit Franka Potente

Franka Potente im Gespräch über sexuelle Freiheit, Frauenrechte und Ihre Rolle der "Beate Uhse" …

Was hat Sie gereizt, Beate Uhse zu spielen und was hat Sie am Drehbuch überzeugt?

Franka Potente: Beate Uhse kannte ich natürlich. Aber wie sich nach der Lektüre des Drehbuchs herausstellte, nur sehr oberflächlich. Ich war fasziniert von dieser progressiven Frau. Was sie damals alles geleistet hat und leisten musste, als alleinerziehende Mutter, Stuntfliegerin und dann Ehefrau und Großunternehmerin ist enorm. Sie hat das, was sie gemacht hat, aus Überzeugung getan. Beate Uhse wollte wirklich etwas verändern, und das hat sie auch getan.

Was haben Sie gedacht, als das Angebot für die Rolle kam?

Franka Potente: Anfangs war ich etwas skeptisch. Einen Film über eine berühmte Persönlichkeit zu machen ist das eine, es gut recherchiert zu tun und der Person wirklich näher zu kommen, ist nicht so einfach. Doch ich fand das im Drehbuch gelungen.

Und wie sah dann Ihre Recherche und Vorb
ereitung aus?

Franka Potente: Ich habe einfach alles gelesen, was ich über Beate Uhse und ihr Leben gefunden habe, Fotos angeschaut und so weiter. Es ergibt sich dann, so wie wenn man ein Puzzle zusammensetzt, das Bild einer Person.

Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie sich mit dem Menschen Beate Uhse beschäftigt haben?

Franka Potente: Die Details aus ihrem Leben vor den berühmten Sexshops fand ich im historischen Kontext schon bewundernswert. Und sie schien erfrischend bodenständig und pragmatisch gewesen zu sein.

Wie fühlt es sich an, eine Rolle zu verkörpern, bei der die Mehrheit heutzutage zuallererst an Sexshops denkt?

Franka Potente: Das fühlt sich nicht anders an als andere Rollen. Die "moralische Bewertung" hat ja mit mir nichts zu tun. Ich finde sie zwar lächerlich, aber das eine hat mit dem anderen einfach nichts zu tun.

Wie schätzen Sie Beate Uhses Rolle im Kampf für Frauenrechte und Gleichberechtigung ein?

Franka Potente: Ich glaube, man hat ihr immer übel genommen, dass sie eben auch Pornos im Sortiment hatte. Das ist natürlich auch etwas zwiespältig: Einerseits hilft sie den Frauen, ihre sexuellen Bedürfnisse auszuleben, eine "freiere Liebe" zu leben, andererseits verkauft sie Artikel, in denen Frauen zum Objekt degradiert werden. Aber hier zeigt sich ganz deutlich, was Beate Uhse vor allem war: nämlich Unternehmerin. Und ich glaube, das war sie auch an erster Stelle. Dass sie auch eine "politische Stimme" für sexuelle Rechte und Bedürfnisse der Frauen wurde, ist eher ein bisschen zufällig passiert. Doch sie hat diese Rolle angenommen. Dann wurde irgendwann eine Großunternehmerin aus ihr. Sie ist quasi ein "Zwitter", sozusagen eine "idealistische Unternehmerin".

Was hat Beate Uhse Ihrer Meinung nach der damaligen und eventuell auch noch der heutigen Generation gebracht?

Franka Potente: Beate Uhse war so was wie ein "Sprachrohr", glaube ich. Sie hat ja nicht wirklich etwas Neues erfunden, sondern den unterdrückten sexuellen Bedürfnissen vor allem der Frauen eine Stimme gegeben und letztendlich ein Warenangebot erstellt, für das es eine Nachfrage gab. Für die Rolle der Frau und die Gleichberechtigung in Liebe und Sexualität war Beate Uhse total wichtig. Sie hat, finde ich, einige wesentliche Steine ins Rollen gebracht. Gerade das erfordert die meiste Courage.

Beate Uhse war eine Frau mit zwei Gesichtern: die erfolgreiche Unternehmerin, die für sexuelle Freiheit und Lust kämpfte und die Frau, die perfekte Ehefrau und Mutter sein wollte. Können Sie diese Zerrissenheit nachempfinden?

Franka Potente: Niemand, ob Mann oder Frau, ist immer nur "das Eine". Man versucht doch immer, Job und Familie, Arbeit und Beziehung, Reisen und Zuhause usw. zu verbinden. Das macht das Leben ja so spannend. Beate Uhse hat es ja zumeist geschafft, beides zu verbinden. Wenn auch mit einigen privaten Einbußen. Ich glaube auch nicht, dass man die Verbindung scheinbarer Gegensätze als Zerrissenheit empfinden muss. So ist eben das Leben.

7.10.2011, 0.00 Uhr

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