Interview mit Franka Potente

Spätestens seit „Die Bourne Identität“ zählt Franka Potente zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen in Hollywood. Und sie gilt als schwierig, zugeknöpft.

Zu Unrecht – stellen wir fest, während die 37-Jährige uns gut gelaunt im rtv-Interview Rede und Antwort steht. Sie spricht über Ihren neuen Film, den historischen Zweiteiler "Laconia", ihre Träume und ihr Tattoo.

 


Sie zeigen sich nicht auf Promi-Partys, sprechen nicht über Privates. Trotzdem haben Sie es bereits jetzt weiter gebracht, als die meisten deutschen Schauspielerinnen.  Machen die anderen etwas falsch?

Franka Potente: (lacht) Ich glaube nicht, dass ich irgendwas richtig mache, was andere falsch machen. Aber ich glaube daran, dass sich langfristig durchsetzt, wenn jemand etwas tut, hinter dem er auch steht. Das ziehe ich durch. Auch wenn man sich dadurch auch mal Unverständnis oder Häme aussetzt.

Berühmt sind Ihre Auftritte auf dem Roten Teppich in Turnschuhen zum Abendkleid. Provozieren Sie gerne?

Franka Potente: Das ist lange her. Das habe ich zu „Lola rennt“-Zeiten gemacht – aus rein pragmatischen Gründen. Ich habe damals diese Rena-Lange-Roben getragen und dachte, da sieht man die Füße sowieso nicht.

Sie haben in diesem Zusammenhang mal in einem Interview gesagt „Ich ändere mich nicht mehr“. Wie haben Sie das gemeint?

Franka Potente: Ich soll das gesagt haben? Ich bin eigentlich niemand der sagt „Ich ändere mich nicht mehr“ – das wäre ja fatal! Natürlich verändere ich mich. Ich bin ja noch keine 70. Ich finde es allerdings wichtig, dass man sich selbst gegenüber immer Integrität beweist. Man sollte einfach sein eigener bester Freund sein. Gerade, wenn etwas schief geht oder man etwas zur Schau stellen muss, was man eigentlich nicht möchte. In der Hinsicht habe ich mich nicht geändert.

Dann hat man Sie offenbar falsch zitiert. Gut, dass wir diesen Punkt richtig stellen können.

Franka Potente: (lacht). Stimmt.

Woher kommt eigentlich Ihr Name? Franka Potente, das klingt sehr ungewöhnlich.

Franka Potente: Das ist kein Künstlername, sondern stammt von meinen Vorfahren väterlicherseits.

Was denken Sie, wenn Sie Kollegen sehen, die im Dschungelcamp Maden verspeisen?

Franka Potente: Da bin ich schmerzfrei. Ich hätte auch nichts dagegen, im Dschungel Abenteuer zu erleben. Auch wenn das bedeuten würde, ein paar Maden verspeisen zu müssen. Allerdings würde ich mich dabei nicht filmen lassen.

In den diversen Quizshows, in denen sich Ihre Kollegen tummeln, hat man sie auch noch nicht gesehen …

Franka Potente: Anfragen bekommt man für alles mögliche. Ich bin Schauspielerin und Buchautorin. Dabei belasse ich es.

Und Regisseurin. Ein Traum war es, der Sie zu Ihrer ersten Regiearbeit („Der die Tollkirsche augräbt“, wurde 2006 auf der Berlinale uraufgeführt) inspiriert hat. Inwiefern beeinflussen Träume Ihre Arbeit?

Franka Potente: Sehr. Sie sagen viel über einen Menschen aus. In meinen Kurzgeschichten kommen sie oft vor. Ich kann eine Geschichte schreiben, in der die Figuren sehr in der Realität verhaftet sind. Dann lass ich sie einschlafen und im Traum durch die Gegend fliegen. Nackt, mit roten Elefanten oder wie auch immer. Das ist phantastisch! Ein Traum verschafft einem die größtmögliche Freiheit in einer Geschichte.

Den Traum, einmal Schauspielerin zu werden, haben Sie sich mit 18 sogar auf den Arm in Form eines Tattoos verewigen lassen ...

Franka Potente: Stimmt. Kurz vor dem Abitur habe ich mir ein Commedia dell‘Arte -Tattoo stechen lassen. Ich habe damals in den Sommerferien in einer Fabrik gejobbt und die Schauspielerei war ein Weg, aus der Provinz rauszukommen. Ich wollte meinen Enkeln später mal zeigen können, dass ich es versucht habe.

Traumhaft war auch Ihre Entdeckung. Sie wurden in einem Restaurant angesprochen …

Franka Potente: Auf der Toilette einer Bar! Eine Casterin gab mir ihre Karte und sagte: „Wir haben da ein Projekt, ruf doch mal an!“ Ich habe dem nicht so viel Bedeutung beigemessen und erst eine Woche später angerufen. Schließlich wurde „Nach fünf im Urwald“ draus.

Bei Ihrem aktuellen Filmprojekt „Laconia“ diente ein 70 Meter langes U-Boot als Set, das man akribisch genau nachgebaut hatte. Da muss es ziemlich eng zugegangen sein ...

Franka Potente: Ja, das war eine wirklich klaustrophobische Situation. Und sehr anstrengend. Zumal es total heiß und das Boot mit so vielen Leuten völlig überbeladen war – eben wie damals auf dem echten Boot. Dazu die ganze Technik, die Kamera. Beim Drehen war es allerdings auch hilfreich, weil sich das Gefühl der Enge eingestellt hat.

Ein Großteil der Dreharbeiten fand auf See statt. Inwiefern waren das anstrengender, als wenn sie an Land drehen?

Franka Potente: Wir drehten in der Bucht vor Kapstadt. Das Wetter war oft stürmisch, sodass sich das Boot ständig drehte. Wir hatten mit Seekrankheit zu kämpfen.

Der Untergang der Laconia war bislang wenig bekannt. Hatten Sie schon davon gehört?

Franka Potente: Nein. Und das habe ich mit Verwunderung festgestellt. Denn es ist eine sehr interessante, fast absurde Geschichte.

Was lesen Sie am Morgen nach der Ausstrahlung zuerst? Die Quoten oder die Kritiken?

Franka Potente: Ehrlich gesagt, wüsste ich gar nicht genau, wo ich Einschaltquoten nachlesen kann. Das müsste ich googeln.

Also ist Ihnen die Quote nicht so wichtig?

Franka Potente: Natürlich ist auch die Quote wichtig. Ich rechne damit, dass sie ziemlich gut sein wird. Irgendwie werde ich sie sicher mitkriegen.

20.10.2011, 0.00 Uhr

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