Interview mit Yvonne Catterfeld

Yvonne Catterfeld über ihren neuen Film "Das Mädchen auf dem Meeresgrund", und warum sie sich mit Andreas Schmidt während der Dreharbeiten öfter in die Kajüte zurückzog …

Yvonne Catterfeld ist in der Biografie "Das Mädchen auf dem Meeresgrund" zu sehen. Dort spielt sie die junge Lotte, die 1950 in Wien versucht, den Pionier der Unterwasserwelt Hans Hass von sich zu überzeugen. Was nach anfänglichen Schwierigkeiten auch mehr als nur gelingt … Ein Interview mit Yvonne Catterfeld

Lotte Hass ist in eine Männerdomäne eingebrochen und kämpfte gegen Vorurteile und Widersprüche an – war es das, was Sie daran reizte, diese Rolle anzunehmen?

Yvonne Catterfeld: Ich habe die Rolle angeboten bekommen, als es noch kein Drehbuch gab, las daher zuerst Lotte Hass’ gleichnamige Biografie. Insofern war es die Geschichte der beiden und die Rolle der Lotte, die ich unbedingt verkörpern wollte. Lotte wurde während meiner Vorbereitung und dem Dreh tatsächlich auch für mich zum Vorbild, obwohl sie damals zehn Jahre jünger war als ich. Diese Rolle war ein besonderes Geschenk. Lotte war eine bemerkenswerte und außergewöhnliche Frau, die keine Grenzen ihrer Zeit kannte, sondern moderner und mutiger war als manch junge Mädchen heutzutage. Sie könnte ebenso auch heute noch ein Vorbild für viele junge Mädchen sein. Eine ältere Dame, die unter mir wohnt, war ganz aus dem Häuschen, als sie erfuhr, dass ich die Lotte spiele. Sie war damals für die meisten jungen Mädchen ein großes Vorbild, ein Popstar sozusagen.

Lotte Hass hat zudem das Sporttauchen unter Frauen populär gemacht ...

Yvonne Catterfeld: Was für eine Leistung in den 50er Jahren! Was für ein Mut, die damaligen gesellschaftlichen Normen zu durchbrechen! Sie hat Emanzipation nicht gefordert, sie hat sie einfach vorgelebt. Ich hege nur Bewunderung für diese Frau. Lotte und Hans Hass waren für mich Visionäre.

Hatten Sie schon vorher von diesem Paar gehört?

Yvonne Catterfeld: Leider nein.

Können Sie selbst gut tauchen oder wurden Szenen unter Wasser von einer Stuntfrau übernommen?

Yvonne Catterfeld: Nachdem ich in meinem ersten Spielfilm bereits eine Taucherin gespielt hatte, habe ich hierfür endlich einen richtigen Tauchkurs gemacht. Gleich nachdem ich meinen Tauchschein hatte, stieg ich mit Benjamin und meinem Freund ins Aquarium in Mallorca, um mit Haien zu schwimmen. Ich wollte wenigstens einmal mit Haien geschwommen sein, um Lottes Charakter etwas näherzukommen. Dabei ging es mir um das überwinden der Angst. Denn Lotte war ja auch nicht angstfrei, sie hat ihre Furcht nur immer wieder überwunden und nicht gezeigt. Das zu wissen und zu spüren, war für mich während des Films sehr wichtig.

Am Roten Meer wurden Sequenzen mit Stunttauchern gedreht, gefährliche Takes in Wracks, in Höhlen und in großen Tiefen, in denen wir Schauspieler mit dem Grundschein aus Sicherheits- und Versicherungsgründen nicht mehr tauchen durften. Außerdem haben wir mit den alten Geräten getaucht, mit denen mein Double, die Weltmeisterin im Apnoe-Tauchen ist, viel die Luft anhalten musste. Viel wichtiger für mich war natürlich die Darstellung der Lotte über Wasser, trotzdem bedaure ich, nicht mehr Szenen unter Wasser selbst gehabt zu haben. Schließlich hat Lotte als Taucherin Sportgeschichte geschrieben und mich hat die Leidenschaft gerade gepackt.

Was hat Sie bei den Dreharbeiten besonders begeistert?

Yvonne Catterfeld: Wir haben an wunderbaren Drehorten gedreht, so kam ich auch nochmal nach Marokko. Die letzten drei Wochen verbrachten wir jeden Tag auf diesem riesigen alten Segelboot vor Ibiza, auf dem es sehr lustig zuging. Ben Verbong ist zudem ein wunderbarer Regisseur. Das war einfach tolle wertvolle Lebenszeit! In den Mittagspausen lagen wir in der Sonne auf dem Segelboot und ließen uns wiegen von den Wellen oder ich verschwand mit Andreas Schmidt in einer Kajüte, um dort mit Gitarre gemeinsam zu singen.

Fotografieren Sie persönlich selbst?

Yvonne Catterfeld: Ich hatte mir damals extra eine neue Kamera gekauft und habe den ganzen Tag beobachtet und fotografiert.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren engsten Partnern in diesem Film, mit Benjamin Sadler und Harald Krassnitzer?

Yvonne Catterfeld: Benjamin ist ein wunderbarer Kollege und Mensch – für mich hätte es keinen besseren Hans Hass geben können. Wir waren ein tolles Team, und auch Filmpaar passten wir sehr gut zusammen. Harald schätze ich ebenfalls sehr, er hat ein ganz starkes Charisma und nimmt sich seinen Raum als Schauspieler. Ich habe ihn gerne beobachtet. Die Rolle war im Buch eher mager; er hat sie ausgefüllt und seine Figur zum Leuchten gebracht.

Haben Sie Lotte und Hans Hass persönlich kennengelernt?

Yvonne Catterfeld: Benjamin und ich haben die beiden vor unseren Dreharbeiten in Wien in ihrer Wohnung getroffen. Das waren sehr bewegende Momente und die beiden unglaublich rührend. Da saßen auf einmal zwei Menschen vor uns, die über 60 Jahre ihres Lebens miteinander verbracht hatten und damit ein Idealbild von mir verkörperten. Natürlich ist es erst einmal merkwürdig, wenn man Menschen im Alter sieht, nachdem man sich zuvor bewegte Bilder in jungen Jahren angesehen hatte. Die Magie ihrer Beziehung hat mich sehr stark beeindruckt.

Hatten Sie keine Angst, eine berühmte Frau zu verkörpern, die noch lebt?

Yvonne Catterfeld: Bevor ich eine Rolle zusage, spüre ich nur: Da brennt etwas in mir, das will, das muss ich machen. Dann fange ich an, mich vorzubereiten, und dann kommt irgendwann auch immer so etwas wie Versagensangst. Zu Beginn der Dreharbeiten lernte ich Lottes Tochter Meta kennen. Auf einmal wurde mir bewusst, welche Erwartungen ich zu erfüllen hatte. Und es war merkwürdig, die Mutter einer Frau zu spielen, die älter ist als ich. Lottes Tochter ist eine ebenso bewundernswert tolle Frau, die mir gleich meine Angst nahm, indem sie sagte, dass ich die Richtige sei, sie spüre das. Dann zeigte sie mir ein Foto von Lotte und sagte: „Des is die Mamilli. So war sie.“ Ich soll einfach ich selbst sein, und ich sei ihrer Mama etwas ähnlich. Dieses Foto habe ich bei mir getragen, es zeigt eine aus vollem Herzen lachende, natürliche, das Leben liebende Lotte.

2.12.2011, 0.00 Uhr

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