Ein Interview mit Jörg Schüttauf

Der Adolf-Grimme-Preis gekrönte Jörg Schüttauf war in seiner Karriere bereits in vielen TV-Serien zu sehen. Darunter solche namhaften Reihen wie dem "Tatort", dem "Großstadtrevier" oder "Bella Block". Jetzt startet seine neue Serie "Die Draufgänger". Ein Gespräch …

Jörg, worum geht es in der neuen Serie "Die Draufgänger"?

Jörg Schüttauf: In erster Linie geht es darum, Kriminalfälle aufzulösen. Aber die Art und Weise, wie wir das tun, ist für mich eine völlig neue Erfahrung. Wir sind nämlich beide ziemlich schräge Vögel. Ich als LKA-Dienststellenleiter Markus Maiwald bin ein Charakter, über den ich, Jörg Schüttauf, wunderbar lachen kann. Sowas hab ich selten gespielt, etwas in heiterer Form mit Herz und Verstand. Markus' bester Freund ist Carl Berger, gespielt von Dominic Boeer. Wir sind ziemlich heiter und ich hoffe auch unterhaltsam unterwegs, um am Ende den Verbrecher zu kriegen.

Wie könnte man Ihre Rolle Markus Maiwald beschreiben? Was macht ihn aus?

Jörg Schüttauf: Markus Maiwald ist zunächst einmal in meinem Alter. Also im besten. Er hat vier Kinder, eine liebe Frau, irgendwo im Elbsandsteingebirge ein Häuschen und ist der Dienststellenleiter vom Landeskriminalamt Sachsen. Er ist immer recht adrett gekleidet, also anders, als ich es normalerweise bin. Er ist vor allem darum bemüht, dass seinem besten Kumpel Carl Berger nicht allzu viel Schlimmes passiert, was schwer genug ist, denn der Typ ist unberechenbar. Aber auch Markus ist durchaus ein ziemlich schräger Vogel, ihn zu spielen macht unheimlich Spaß. Er regt sich schnell auf und kann ziemlich ernst gucken, ohne dass ihn jemand ernst nimmt.

Wie war die Zusammenarbeit mit Dominic Boeer?

Jörg Schüttauf: Es ist auf alle Fälle ganz wichtig, dass man sich versteht. Auch hinter der Kamera. Es ist ein großes Glück für mich, wenn ich mit jemandem tagtäglich wirklich acht, neun, zehn Stunden durch dick und dünn gehen kann. Da wir beide ungefähr den gleichen Geschmack haben, was Dialoge, Einfälle oder Gags angeht, die uns kurz vorher noch einfallen, macht es ein ganz großes Vergnügen, mit Dominic zu arbeiten. Wir verstehen uns blind, ich könnte mir keinen besseren Partner vorstellen.

Wie viel "Draufgänger" steckt in Jörg Schüttauf?

Jörg Schüttauf: Der Jörg Schüttauf ist privat eigentlich gar kein Draufgänger, um ganz ehrlich zu sein. Ich hatte mal ein Motorrad, das hatte sich dann aber auch ganz schnell gegessen. Da bin ich auf ein Auto aufgefahren, über das Auto gefallen, hab mich zweimal in der Luft gedreht und seitdem hat sich das mit dem Motorradfahren, wenn ich das als Draufgängertum bezeichnen darf, eben erledigt. Und daher lasse ich auch Stunts gerne von den Leuten machen, die dafür bezahlt werden (lacht).

Sie sind in Chemnitz aufgewachsen und haben "Die Draufgänger" lange Zeit in Sachsen gedreht. Wie haben Sie die Arbeit in Ihrer alten Heimat empfunden?

Jörg Schüttauf: Einer der ausschlaggebenden Gründe, zum Casting für 'Die Draufgänger' zu gehen, war der, dass sie mir gesagt haben, wo es spielen soll: Nämlich im Elbsandsteingebirge. Da war ich als Kind oft im Ferienlager. Ich konnte mich an die Landschaft dort erinnern und an den Sachsen an sich, dem ich mich sehr verbunden fühle, weil ich selbst aus der Region komme. Ich habe noch nie über so einen langen Zeitraum in Dresden und dem Elbsandsteingebirge gedreht und das war für mich ein besonderer Grund und Reiz, dieses Projekt zu machen.

Sie haben in vielen dunkleren Krimis gespielt, zum Beispiel im Frankfurter "Tatort" als Kommissar Fritz Dellwo. Wie fühlt es sich an, nun in einer komödiantischen Krimiserie zu spielen?

Jörg Schüttauf: Für mich ist Spaß bei der Arbeit sehr wichtig. Den habe ich bei ernsten Rollen genauso wie bei lustigen Rollen. Doch wenn man das, was man tut, selbst auch beschmunzeln kann, statt den ganzen Tag bierernst durch irgendwelche Fälle zu tapsen, dann macht mir das am Ende des Tages doch viel mehr Spaß. Man hat verdammt noch mal Spaß zu haben, damit die Zuschauer hoffentlich selbigen empfinden. Meine komödiantische Seite stand in meiner ganzen Laufbahn etwas im Hintergrund, doch jetzt konnte ich zum ersten Mal sechs oder sieben Monate in Folge lustig sein. Das ist eine völlig neue Erfahrung und ich berichte sehr viel lieber über diese Zeit, als über zwei ernstzunehmende, tolle Tatorte, die mit sämtlichen Preisen ausgezeichnet wurden.

11.1.2012, 0.00 Uhr

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