Ein Interview mit Annette Frier

Wir haben uns während der Dreharbeiten der neuen Staffel "Danni Lowinski" mit der Hauptdarstellerin Annette Frier unterhalten. Im Gespräch erzählt sie, was aus der US-Danni geworden ist, und warum sie überhaupt nicht witzig ist …

Frau Frier, zurzeit stehen Sie für neue Folgen von „Danni Lowinski“ vor der Kamera. Wie sieht ein typischer Drehtag aus?

Annette Frier: Heute zum Beispiel bin ich am Kölnberg. Ich drehe bei meinem Vater in der Wohnung, der ausgezogen ist. Da geht es ganz ordentlich zur Sache und es fliegen schon mal Sachen aus dem Fenster. Ich bin gespannt, was heute noch so los ist. Die Folge, die wir drehen, heißt „Nazi“. Zwei Typen im Block, jemand der zum Nazi geworden ist und ein Ausländer, kriegen sich in die Klamotten. Und ich verteidige den Nazi.

Am 6. Februar startet die neue Staffel. Was ist neu?

Annette Frier: Wir sind mit wahnsinnig hohem Tempo in die neue Staffel gestartet. Durch den finanziellen Einbruch, den Danni in der ersten Folge erleidet, fängt sie wieder ganz unten an. Sie schließt den Pakt mit dem Teufel, mit Oliver Schmidt. Und die Fälle, die wir gerade drehen, sind sehr radikal. Es ist wieder ein bisschen mehr „back to the roots“.

Die erste Staffel von „Danni Lowinski“ ging damals zusammen mit „Der letzte Bulle“ auf Sendung. Gemeinsam lösten sie eine kleine Serienrevolution aus. Hat sie das überrascht?

Annette Frier: Ja klar hat mich das überrascht. Quote und Qualität haben ja oft gar nichts miteinander zu tun. Schon nach ein, zwei ausgestrahlten Folgen habe ich aber gemerkt, dass es offenbar einen Zeitgeist trifft. Dass es an den Leuten dran ist. Ich arbeite an der Front, da bekommt man sofort Feedback. Das war bei der Schillerstraße damals genauso.

Dabei heißt es doch immer, die Deutschen hätten keinen Humor …

Annette Frier: Joooo, sagt man. Aber man sagt auch immer, die Engländer hätten alle Humor. Und das ist genauso Quatsch. Aber sie haben wesentlich mehr Selbstbewusstsein, was Witze angeht. Dagegen ist das Selbstbewusstsein der Deutschen, was die Humorsprache angeht, leider sehr, sehr klein. Wir haben wesentlich mehr davon, wenn es um Fußball und Disziplin geht.

„Danni Lowinski“ wurde mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Dabei mögen Sie es angeblich gar nicht, wenn man die Serie als „Comedy“ bezeichnet.

Annette Frier: Das kann man gerne machen. Und der Preis hat mich natürlich sehr gefreut. Aber ich habe ein Problem, wenn ich als „Comedy-Star“ bezeichnet werde. Weil es einfach die falsche Berufsbezeichnung ist. Da steht oft „Kabarettistin“ oder „Komikerin“ unter meinem Namen, und das stimmt einfach nicht. Und „Danni Lowinski“ ist auch keine klassische Comedy, keine Sitcom. Es geht nicht um Gags. Da bin ich manchmal ein bisschen pfennigfuchsig mit den Begrifflichkeiten. Oft ist es so, dass man den Leuten etwas als Komödie verkauft, und sie bekommen etwas anderes. Dann wundert man sich, dass sie nichts damit anfangen können.

Viele Kollegen, die im Fernsehen komisch sind, hadern damit, dass alle Welt von ihnen erwartet, auch privat immer witzig sein zu müssen. Geht Ihnen das auch manchmal so?

Annette Frier: Ja, oft. Und ein paar Jahre fand ich das sehr anstrengend. Dann habe ich gemerkt: Wenn man sich dagegen wehrt, wird alles nur noch anstrengender. Das kann man nur mit Humor nehmen. Es ist natürlich total lächerlich, wenn ich für die Kassiererin einen Witz machen soll, wenn ich mit meinen beiden Kindern einkaufen bin. Ich sage dann „Nein, ich bin überhaupt nicht witzig. Da können Sie meine Kinder fragen!“ Zum Glück können meine Kinder nicht antworten, weil sie noch zu klein sind.

„Danni Lowinski“ sollte als erste deutsche Serie überhaupt für das US-Fernsehen adaptiert werden. Dann blieb es aber doch beim Pilotfilm. Ist der amerikanische Humor anders als der deutsche?

Annette Frier: Nein. Aber in Amerika pilotiert man oft drei oder vier Sachen und entscheidet sich dann für eine. Und von 300 möglichen Serien eine zu sein, das ist doch schon ein Highlight. Zumal ein Sender wie CW ja eine riesen Nummer ist. Damit wurden erstmals Remake-Rechte einer deutschen Fernsehserie für den amerikanischen TV-Markt verkauft Alles, was mit dem Rechtssystem anders ist, musste man entsprechend ändern. Was die Figur angeht, hat man alles eins zu eins umgesetzt.

Aber man wollte zuerst nicht, dass Dannis Vater im Rollstuhl sitzt, es hieß, es sei ein No-go in den USA

Annette Frier: Ja, das ist interessant, was in Amerika ein No-go ist und was in Deutschland. Bei uns war zum Beispiel das Riesenproblem, dass Dannis Vater Alkoholiker ist. Das ist in Amerika überhaupt kein Problem. Das sagt sehr viel über die Mentalität von Ländern aus, finde ich.

Im Fernsehen gibt es „Danni Lowinski“ immer nur im Doppelpack mit „Der letzte Bulle“. Das bleibt auch so am Montagabend. Kleines Gedankenspiel: Die taffe Danni trifft auf den letzten Macho-Bullen Mick Brisgau. Was passiert?

Annette Frier: Die zwei würden erstmal ein paar Kölsch zusammen zischen. Und dann würden sie sich wohl ziemlich wundern übereinander (lacht) – und sich ordentlich Sprüche um die Ohren hauen.

30.1.2012, 0.00 Uhr

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