Interview mit Yvonne Willicks: "Der Haushalts-Check"

WDR-Gesicht Yvonne Willicks darf mit ihrem "Haushalts-Check" nun auch im Ersten ran. In der Sendung klärt die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin u.a. über den besten Umgang mit Lebensmitteln auf. Im Gespräch verrät sie, wieso ihr Friseur sie stolz macht, und wie sie helfen will, das Leben schöner zu machen. "Der Haushalts-Check mit Yvonne Willicks am 27.10. und 3.11. in der ARD.

Nach dem Thema Kochen rückt jetzt der Haushalt in den Fokus des gesellschaftlichen Interesses. Woran liegt das?

Yvonne Willicks: Es gibt durch die veränderten und vielfältigen Familienstrukturen eine Sehnsucht wieder zusammenzukommen. Also in ein schönes Zuhause einzukehren, gemeinsam am Tisch zu sitzen und sich auszutauschen. Und das betrifft alle, egal ob WG-Bewohner, Kleinfamilie, Alleinerziehende oder Führungskräfte. Aber um das Zuhause muss man sich kümmern, und das würde ich gerne mit übernehmen. Nur wenn wir wissen, wie das Zusammenleben am besten funktioniert, fühlen sich alle wohl. Ich will helfen, das Leben schöner zu machen - mit möglichst wenig Aufwand. Das ist mein Credo! Mit ein bisschen Spaß und weniger Verbissenheit.

Was möchten Sie den Menschen mit dem Haushalts-Check vermitteln?

Yvonne Willicks: Orientierung, denn es gibt große Unsicherheiten in fast allen Bereichen des Haushalts, weil vieles einfach nicht mehr beigebracht und vorgelebt wird. Dafür gehe ich etwa der Frage nach, was ein gutes Produkt ausmacht. Das teste ich, zeige Kriterien, an denen man das festmachen kann und kläre so auf, ob man es wirklich braucht. Ich möchte wie eine gute Freundin sein, zu der man hingehen kann, wenn man einen Ratschlag braucht. Eine, die sich aber auch nicht scheut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Haushalt ist auch heute nichts, was man einfach nebenbei macht. Es geht darum, Komplexität zu managen. Ich plädiere dafür: Macht es Euch ein bisschen einfacher, z.B. nicht doppelt putzen, sondern einmal richtig. Und dafür braucht man jemanden, der einem zeigt, wie es geht.

Die meisten Menschen setzen Haushalt mit Putzen gleich. Was gehört für Sie dazu?

Yvonne Willicks: Da gehört viel mehr dazu als nur schön, ordentlich und sauber. Zum Haushalt gehört alles, was unseren Alltag ausmacht, also Warenkunde, Kochen, Ernährung – Haushalt ist auch Management. Dazu gehört das Versorgen der Familie und auch der Umgang mit Finanzen.


Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Stichwort kritische Konsumenten und Nachhaltigkeit. Woran hapert es in deutschen Haushalten?

Yvonne Willicks: An vernünftiger Ernährung. Die regionale und saisonale Ernährung etwa bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich gesund, nachhaltig und preiswert zu ernähren. Es ist traurig, dass viele nicht mehr wissen, was man alles aus einer Kartoffel machen kann. Man kann sich auch mit geringem Budget gut und gesund ernähren – allein das Fachwissen und die Alltagskompetenzen fehlen häufig. Was die Menschen brauchen, sind vor allem klare, verständliche und verlässliche Informationen.

Also konkrete und auf das wahre Leben bezogene Verbraucheraufklärung. Nur so kann dann auch jeder für sich die richtigen Entscheidungen treffen. Das Thema Umgang mit Lebensmitteln wird übrigens in meiner ersten Sendung des Haushaltschecks im Ersten aufgegriffen. Da geht es unter anderem um Mindesthaltbarkeitsangaben auf Lebensmitteln – die haben nämlich nicht immer etwas mit der tatsächlichen Haltbarkeit zu tun. Ein Grund, warum tonnenweise Lebensmittel weggeworfen werden, die eigentlich noch gut sind.

Wie fühlt sich der Job der Verbraucherexpertin im deutschen Fernsehen an?

Yvonne Willicks: Im Fernsehen werde ich ja allgemein als Haushaltsexpertin vorgestellt – ist auch in Ordnung für mich. Aber es geht um viel mehr, als nur Putztipps zu geben. Es geht um Verbraucherschutz und Aufklärung. Darum, Verbraucher mündiger zu machen. Ich bin mit meinem Fachwissen vor allem Verbraucher-Journalistin. Eine, die sich kritisch mit Herstellern und Unternehmen auseinandersetzt und stellvertretend für die Zuschauer die Fragen stellt, die sie beschäftigen ...

Ist Haushalt nach wie vor ein reines Frauenthema?

Yvonne Willicks: Dass sich immer mehr Männer für das Thema Haushalt interessieren, liegt wohl vor allem daran, dass sie es müssen – Frauen fordern das heute ein. Meine Erfahrung: Männer mögen es, wenn ihnen eine zeigt, wie Haushalt am besten funktioniert. Möglicherweise ein Grund für den relativ hohen Männeranteil unter den Zuschauern des Haushaltschecks.

Wofür werden Sie von Ihrer Familie am meisten geliebt und was mögen sie so gar nicht an Ihnen?

Yvonne Willicks: Meine Familie liebt definitiv mein Organisationstalent und dass ich unheimlich schnell bin. Ich kann wahnsinnig schnell aufräumen und den Superhausfrauenturbo einschalten, wie das meine Tochter immer nennt. Die hassen aber eben auch genau das. Jemand, der wie ich den Anspruch hat, es perfekt zu machen, der kann schwer akzeptieren, wenn jemand es weniger perfekt macht.


Haushalt geht alle an

Wie reagiert Ihr persönliches Umfeld auf Ihre Stellung als Haushaltsexpertin – kommen da nicht ständig Fragen nach Tipps?

Yvonne Willicks: Gefragt werde ich sehr oft, aber weniger im Freundeskreis, eher bei Veranstaltungen oder auf der Straße. Das entspricht auch dem Image, das ich habe und sehr liebe: dass mich jeder sofort ansprechen kann. Ich bin da null eingebildet. Frage: Worauf sind Sie besonders stolz? Yvonne Willicks: Ich bekomme viel positives Feedback und merke, dass meine Sendung die Menschen zu mehr Nachhaltigkeit bewegt. Mein Friseur etwa sagte mir: „Ich hab‘ deine Sendung zum Thema Wasser gesehen und deswegen umgestellt auf Glasflaschen“ – da ist man schon ein bisschen stolz und weiß, dass man etwas bewegt.

Was ist Ihre Vision?

Yvonne Willicks: Ich will einfach zeigen, dass Haushalt alle angeht, Spaß machen kann und das Leben schöner! Längerfristig wünsche ich mir, dass das Thema „Alltagskompetenz“ wieder in die Schulen zurückkommt – etwa zur Vermittlung von Finanzkompetenz, um Handy-Verträge richtig abzuschließen, oder von Lebensmittelkunde bis zu Putztipps – die Basics halt. Natürlich für Mädchen und Jungs gleichermaßen.

23.10.2014, 0.00 Uhr

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