Interview mit Peter Leissl

"ZDF SPORTextra"-Redaktionsleiter Peter Leissl über die neuen Stars im Skilanglauf, die Herausforderung langer Livestrecken und einen Sport im Wandel.

Welchen Stellenwert hat die neue Wintersportsaison?

Peter Leissl: Die neue Saison beginnt als eine Phase des Umbruchs. Erfolgreiche Athleten wie Maria Höfl-Riesch bei den alpinen Skiläuferinnen oder Tobias Angerer und Axel Teichmann bei den Langläufern sind nicht mehr dabei. Die kommende Wintersportsaison entfaltet ihre Bedeutung vor allem durch die Weltmeisterschaften, die immer in ungeraden Jahren ausgetragen werden und im Februar und März auf dem Programm stehen.

Welche neuen Namen wird man sich merken müssen?

Peter Leissl: Im Ski-Langlauf haben sich einige der Jüngeren schon gezeigt: Hannes Dotzler und Tim Tscharnke sind im olympischen Teamsprint in Sotschi schon in Medaillennähe gelaufen. Auch im Biathlon kommen Jüngere nach, von denen in dieser Saison Spitzenresultate erwartet werden. Im Ski alpin der Damen zeichnet sich dagegen noch nicht ab, wer Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg beerben könnte.

Ist die Analyse des Ist-Zustands in den einzelnen Sportarten auch ein Gradmesser für die Planung der Weltcup-Wochenenden?

Peter Leissl: Unsere Planungen orientieren sich daran, wie viel Zuspruch die Sportarten bei den Zuschauern erzielen. Biathlon ist weiterhin die Nummer 1, allerdings haben das Skispringen und der alpine Skisport aufgeholt. Biathlon und Skispringen senden wir fast immer live, und beim alpinen Skisport zeigen wir in der Regel die besten 30 Teilnehmer im zweiten Durchgang in voller Länge.

Sieben Stunden Live-Programm

Bietet die Wintersportsaison 2014/2015 an den ZDF-Sendetagen insgesamt die bewährte Mischung mehrerer Sportarten in den Live-Strecken?

Peter Leissl: Wenn wir von 10.00 bis 17.00 Uhr fast sieben Stunden live senden, zeigen wir meist drei, vier Wettkämpfe in voller Länge. Wichtig ist dabei tatsächlich die Mischung: Passt der Eisschnelllauf nach dem Biathlon am besten? Auch die Schlittensportarten, besonders das Rodeln, helfen uns beim Planen der langen Strecken.

Picken sich denn die Zuschauer die Sportart heraus, die sie interessiert, oder ist das Wintersport-Publikum ein ausdauerndes und treues?

Peter Leissl: Natürlich gibt es diejenigen, die gezielt einschalten, um die Streif in Kitzbühel zu sehen. Und wir bieten immer auch den Service für das jeweils hinzukommende Publikum, das im Zwei-Stunden-Rhythmus per Nachrichtenblock darüber informiert wird, was bisher passiert ist. Im Zeitalter der Mediathek ist den Zuschauern zudem die Möglichkeit gegeben, ihr bevorzugtes Wintersportevent auch zeitversetzt sehen zu können.

Bieten Sie online darüber hinausgehenden Wintersport-Mehrwert, der die Parallelnutzung von TV und Netz empfiehlt?

Peter Leissl: Wir führen unter www.zdfsport.de Wettbewerbe zu Ende, die wir im ZDF-Programm nicht in voller Länge zeigen können – zum Beispiel Abfahrtsrennen nach Startnummer 30. Auch Zusammenfassungen der Live-Ereignisse bieten wir dort an. Und wenn wir einen Wettbewerb nicht live im TV übertragen können, weil dort gerade eine andere Wintersport-Disziplin zu sehen ist, bieten wir auch gerne einen zusätzlichen Livestream im Netz an. Wir schauen also genau darauf, was nicht mehr gesendet, aber online noch verwertet werden kann.

Die Höhepunkte des Winters

Was sind für Sie die Highlights der Wintersportsaison 2014/2015?

Peter Leissl: Am 22. und 23. November zeigen wir die Saisoneröffnung der Skispringer in Klingenthal. Am 29. und 30. November gibt's ein volles Wintersport-Programm mit Nordischer Kombination, Skispringen, Ski alpin, Rodeln und dem Weltcup-Opener der Biathleten in Östersund. Die Highlights zwischen den Jahren sind auch diesmal wieder die Biathlon-Veranstaltung auf Schalke am 27. Dezember 2014 im ZDF und die Vierschanzentournee. Zugleich geht Anfang Januar die Tour de Ski los, auch Biathlon in Oberhof steht dann auf dem Programm. Vom 2. bis 15. Februar 2015 findet der erste Saisonhöhepunkt statt: die Alpine Ski-WM in Vail/Beaver Creek. Im schwedischen Falun folgt vom 18. Februar bis 1. März 2015 die nordische Ski-WM, zum Saisonabschluss vom 4. bis 15. März 2015 dann die Biathlon-WM im finnischen Kontiolahti.

Wie viel Experten-Wissen wird das ZDF in der Wintersport-Saison 2014/2015 im Bildschirm-Einsatz haben?

Peter Leissl: Wir prüfen immer genau, wo und wann sich ein Experte lohnt, ob angesichts der Wettkampfdichte überhaupt die Zeit ist, um den Wintersport genauer zu erklären. Entsprechend ist für uns nicht die Popularität des Experten ausschlaggebend, sondern die Frage: Kann er seinen Sport den Zuschauern näherbringen? Deswegen haben wir zum Beispiel in dieser Saison bei der Tour de Ski und bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Falun Tobias Angerer dabei. Aber auch unsere längst bewährten Experten wie Marco Büchel beim alpinen Skisport, Sven Fischer beim Biathlon und Toni Innauer beim Skispringen belegen immer wieder: Entscheidend ist die Kompetenz.

Ein Sport im Wandel Sie selbst haben Ihre Kompetenz als Live-Reporter im nordischen Skisport nun schon seit über 20 Jahren für das ZDF eingebracht. Was hat sich geändert in zwei Jahrzehnten Wintersport-Präsentation?

Peter Leissl: Es hat sich viel geändert. Als ich 1993 bei der WM in Falun, eben dort, wo in dieser Saison erneut die Weltmeisterschaft stattfindet, als Langlauf-Kommentator meine ersten Einsätze hatte, war die Präsentationsform noch geradezu betulich, der Rhythmus, in dem zwischen Live-Sport und Experten-Gespräch gewechselt wurde, insgesamt getragener. Auch kamen deutlich weniger Kameras als heute zum Einsatz. Fern davon ist die Langlaufgemeinde eher überschaubar, da ist es für uns Journalisten über die langen Jahre, die wir sie nun begleiten, kein Problem, an die notwendigen Informationen zu kommen.

Seit nunmehr 13 Jahren leiten Sie die Redaktion "ZDF SPORT extra". Angesichts der rund 160 Sendestunden Wintersport, die bis März gesendet werden: Was ist die Hauptaufgabe, um ein solches Programmvolumen zu managen?

Peter Leissl: Man muss sich immer wieder fragen: Sind wir mit unseren Präsentationsformen noch auf der Höhe der Zeit? In den zurückliegenden Jahren haben wir immer mal wieder neue Anreize gesetzt, bieten jetzt zum Beispiel wieder die Orte-Clips an, die wir mal eine Zeitlang weggelassen haben. Doch zu viel Beiwerk ist auch nicht gut. Entsprechend lautet die Hauptaufgabe: den Live-Sport in den Mittelpunkt zu stellen. Allerdings wird dies mein letzter Winter, in dem ich die Verantwortung dafür trage. Aber ich werde auch zukünftig als Live-Reporter und Leiter von Sendungen im Einsatz sein.

Das Interview führte Thomas Hagedorn

12.11.2014, 0.00 Uhr

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