"Der Hafenpastor und das graue Kind": Interview mit Jan Fedder

Jan Fedder kann einfach nicht von St. Pauli lassen. Mit dem Hamburger Sozialdrama "Der Hafenpastor und das graue Kind" ist er am 16.1. zum zweiten Mal als Kiez-Pastor im Ersten zu sehen. Im Gespräch erzählt der "Großstadtrevier"-Routinier von der Seelenverwandschaft seiner Rollen, warum ihm der Pastor besonders liegt und was er sich zum 60. Geburtstag wünscht …

Das Erste strahlt den "Hafenpastor" am 16. Januar aus, zwei Tage nach Ihrem 60. Geburtstag. Liegt Ihnen der Pfarrer von St. Pauli besonders am Herzen?

Jan Fedder: Die Rolle, die mich am längsten begleitet, ist natürlich die des Polizisten Dirk Matthies im "Großstadtrevier". 2016 steht mein 25-jähriges Dienstjubiläum an. Wichtig ist mir auch die Serie "Neues aus Büttenwarder", die ich seit 1997 drehe. Aber vielleicht ist "Der Hafenpastor" eine meiner schönsten Rollen. Die Filme spielen inmitten von St. Pauli, in meinem Viertel, und die Geschichten, die wir erzählen, sind in der Gemeinde wirklich passiert. Sie sind echt, und das spürt der Zuschauer. Es würde mich freuen, wenn auch der zweite Teil beim Publikum gut ankommt.

Sind der Polizist im "Großstadtrevier" und "Der Hafenpastor" auf St. Pauli Seelenverwandte?

Jan Fedder: Sicherlich, jeder, der auf St. Pauli wohnt, ist seelenverwandt. Der Pastor und der Polizist tun beide auf ihre Weise das Menschenmögliche, um anderen zu helfen. Dabei geraten sie schon mal mit dem Gesetz in Konflikt. Der "Hafenpastor" hält sich nicht immer daran, was der liebe Gott und die Gemeinde von ihm verlangen. Dass er afrikanischen Flüchtlingen in seiner Kirche Asyl gibt, begeistert nicht alle Politiker. Auch der Polizist Dirk Mathies bewegt sich hin und wieder außerhalb der Legalität.

Der eine führt Straftäter ihrer gerechten Strafe zu, der andere spricht sie frei von Sünden. Was liegt Ihnen näher: bestrafen oder vergeben?

Jan Fedder: Ich würde gerne mehr bestrafen – in meinem privaten Leben. Aber der liebe Gott hat uns angehalten, mehr zu vergeben.

Kennen Sie die beiden echten Pastoren auf St. Pauli persönlich?

Jan Fedder: Ja, mit Pfarrer Martin Paulekun habe ich im Pastorat am Pinnasberg oft und lange gesprochen. Wie läuft eine Taufe ab? Wie ist eine Predigt aufgebaut? Wir redeten auch über die Situation der Flüchtlinge in der Kirche und über die vielen Hilfsangebote, die aus der Gemeinde und der Nachbarschaft kamen. Ich möchte das hier nicht im Einzelnen aufzählen, sondern kann nur sagen: Respekt, Respekt, Respekt!

Die Sprache des Viertels

Was unterscheidet den "Hafenpastor" von seinen vielen Kollegen in deutschen TV-Serien und Reihen?

Jan Fedder: Der "Hafenpastor" ist eine reale Figur, und ich versuche, sie so wirklichkeitsnah wie möglich zu spielen. Der Mann ist kein vertüddelter Geistlicher irgendwo in der Provinz, sondern steht mit beiden Beinen fest im Leben – wenn er denn stehen kann und nicht gerade einen kaputten Fuß hat. Er spricht die Sprache des Viertels und kann fluchen wie ein Bauarbeiter. Ich wohne seit 47 Jahren auf St. Pauli, diesen Tonfall glaube ich sehr wohl zu beherrschen. Die Pastoren haben mir jedenfalls bescheinigt, dass ich ihren Job ganz gut mache.

Der Pastor reibt sich auf für seine Gemeinde. Er kümmert sich um alles, vernachlässigt dabei seine Freundin und setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Trägt der Pfarrer gewisse Züge von Ihnen?

Jan Fedder: Alle meine Rollen tragen Züge von mir, das lässt sich nicht leugnen. Aber der Pastor liegt mir wohl besonders. Das hat noch einen weiteren Grund: Ich bin ein gläubiger Mensch und gebe mir Mühe, täglich zu beten.

Das Maschinengewehr Gottes

Gäbe es ein elftes Gebot, dass da lauten würde: "Du sollst nicht fluchen (schon gar nicht im Hause Gottes)!" – die Kirche müsste den Hafenpastor aus dem Verkehr ziehen. Sind Sie die Schnodderschnauze Gottes?

Jan Fedder: Nein. Es gab in den Siebzigern mal das Maschinengewehr Gottes. So wurde ein amerikanischer Laienprediger genannt, der auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg vor 8000 Leuten predigte, mein Vater war auch dabei. Das steht mir nicht zu, die Schnauze Gottes zu sein. Ich bemühe mich im "Hafenpastor" tatsächlich, einigen Leuten Gott näher zu bringen, das reicht völlig aus.

Der Pfarrer sagt, wo es lang geht im Viertel. Aber Wunder kann auch er nicht vollbringen. "Die Situation hat uns überfordert", muss er am Ende gestehen. Ist er ein gescheiterter Mann?

Jan Fedder: Auf St. Pauli gibt es viele gescheiterte Existenzen. Den Pfarrer würde ich nicht dazu zählen, auch wenn er kein Gewinnertyp ist. Er versucht im Kleinen etwas zu bewegen. Manchmal ist das selbst für ihn eine Nummer zu groß. Aber was machbar ist, das macht er auch.

Sie werden jetzt 60 Jahre alt und blicken auf eine große Karriere zurück. Was wünschen Sie sich beruflich und privat?

Jan Fedder: Beruflich ist so weit alles vom Feinsten. Im Frühjahr drehen wir wieder "Büttenwarder" und "Großstadtrevier". Im Sommer setzen wir wahrscheinlich den "Hafenpastor" fort. Damit ist das Jahr ausgefüllt. Mein privater Wunsch? Gesundheit, und nochmal Gesundheit! Und Frieden auf der Welt. Amen.



9.1.2015, 0.00 Uhr

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