"Die Seelen im Feuer": Interview mit Sabine Weigand

Wir haben mit der Autorin Sabine Weigand gesprochen, deren Buch "Die Seelen im Feuer" vom ZDF verfilmt wurde. Regie führte Urs Egger, in den Hauptrollen sind Silke Bodenbender und Mark Waschke zu sehen. 

Sabine Weigand hat es geschafft, einen Bestsellerroman über die Hexenverfolgung zu schreiben. Ihr Buch "Die Seelen im Feuer" wurde nun verfilmt und läuft am 2.3.2015 erstmals im ZDF. Im Gespräch mit rtv-Chefredakteur Matthias Roth erzählt die Autorin, warum sich das Thema besonders für eine Verfilmung eignete, welche Rolle die Religion dabei spielt, und wovon ihr nächstes Buch handeln wird.

 

Atmosphäre der Angst

Wie kam es zur Verfilmung von "Die Seelen im Feuer"?

Sabine Weigand: Die Produktionsfirma hat eines Tages angerufen: Sie hätten das Buch gelesen und Interesse an einer Verfilmung. Man hat sich kennen gelernt, und es hat gepasst. Das hat alles gedauert, aber jetzt ist der Film da.

Sie haben nicht am Drehbuch mitgeschrieben. Hat man sie dabei und beim Dreh des Films einbezogen?

Sabine Weigand: Ich war immer beratend dabei. Wir haben sehr gut und sehr eng zusammengearbeitet.

Der Film verdichtet und verkürzt das Buch. Zu sehr?

Sabine Weigand: Auf keinen Fall. Für mich war wichtig, dass alles historisch korrekt ist. Und dass noch das da ist, was ich vermitteln wollte: die Atmosphäre der Angst in der Zeit der Hexenverfolgung. Das gelingt dem Film sehr gut.

 

Ein Tag am Set

Sie haben im Film mitgespielt. Wie war das?

Sabine Weigand: (lacht) Ja, ich war Komparsin. Das war ein sehr angenehmer und interessanter Tag. Es ist ja unheimlich aufwendig, die ganzen Komparsen in historische Kleidung zu stecken, alles zu verstecken, was neuzeitlich ist. Interessant war, was für ein hoher Aufwand betreiben wird, zu sehen, wie oft eine Szene wiederholt wird, bis es wirklich passt.

Und wie war das, als Sie den fertigen Film gesehen haben? Als Sie Ihre Figuren in Fleisch und Blut gesehen haben?

Sabine Weigand: Es ist hochinteressant, die Romanfiguren zum Leben erweckt zu sehen. Viele waren völlig anders, als ich sie mir beim Schreiben vorgestellt habe. Aber das war toll, weil das mal eine andere Draufsicht war.

Haben Sie beim Schreiben Ihrer Bücher an eine Verfilmung gedacht?

Sabine Weigand: Nein. Gut: Es ist der Traum jedes Autors, sein Buch verfilmt zu sehen, aber beim Schreiben habe ich keinen Gedanken drauf verschwendet. Toll, dass es so gekommen ist, aber es war für mich kein Beweggrund.

 

Die Gesellschaft in der Krise

Sie haben viele Bücher mit weit gestreuten Themen geschrieben. Warum, meinen Sie, ist gerade das Buch mit dem Thema Hexenverfolgung für eine Verfilmung ausgesucht worden?

Sabine Weigand: Das Thema Hexen ist ein spektakuläres. Und es war bisher ganz selten Thema von Verfilmungen. Und nicht zuletzt: Es gibt Bezüge zu heute – Verfolgung von Minderheiten, Sündenbock-Prinzip, Gesellschaft in der Krise, wann kippt das System, wann pervertiert eine Gesellschaft ...?

Wie präsent ist das psychologische Prinzip, das Hexenverfolgungen ermöglicht hat, heute noch?

Sabine Weigand: Es gibt in jeder Gesellschaft Minderheiten, die stigmatisiert werden. Das ist heute wie damals: Wie kommt so etwas hoch, wie bricht es aus, wann ist es nicht mehr zu bremsen, wie ist das Verhältnis zur Obrigkeit. Sich darüber Gedanken zu machen, lohnt sich auch heute ...

Kann man eine Kette sehen von Hexenverfolgung über "Die Juden sind unser Unglück" bis zur PEGIDA-Parole "Der Islam will uns zerstören"?

Sabine Weigand: Ja, natürlich. Ganz besonders gibt es so etwas in diktatorisch geprägten Gesellschaften – die Kirche im 17. Jahrhundert, das "Dritte Reich". In einem demokratischen System wie dem unseren wird so etwas leichter absorbiert. Aber kippen kann so etwas immer. Damals wie heute haben die Menschen Ängste, und für diese Ängste wird ein Ventil gesucht.

 

Die Rolle der Religion 

Warum spielt so oft bei diesen Phänomenen Religion eine Rolle?

Sabine Weigand: Religion ist eine emotionale Sache. Rationalität ist da schwer anwendbar. Religion lässt sich leicht instrumentalisieren. Viele Religionskriege waren keine Religionskriege. Interessant ist, dass sich keiner der großen Religionsführer hinstellt und sagt: "Nein, im Namen der Religion dürft ihr solche Untaten nicht begehen!"

Wird Religion also missbraucht?

Sabine Weigand: Die Religion kann sich ja wehren.

Nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" wurde oft der Dalai Lama damit zitiert, er stelle sich manchmal vor, dass eine Welt ohne Religion eine bessere Welt wäre ...

Sabine Weigand: Das stelle ich mir schon lange vor. Klar gibt die Religion vielen einen Halt, aber das könnte man auch über gesellschaftliche Normen erreichen. Religion hat für sehr viel Leid und Blut gesorgt.

Ihr Buch, der Film und die anschließende Doku räumen mit alten Vorurteilen auf ...

Sabine Weigand: Das ist mein erklärtes Ziel, wenn ich Bücher schreibe. Mit liegt überhaupt nichts an irgend einer blöden Liebesgeschichte, die ich halt um 300 Jahre zurückversetze. Ich will den Leuten seriös Zusammenhänge aufzeigen – auf unterhaltsame Art und Weise. Wenn man die Vergangenheit versteht, kann man es in der Zukunft besser machen. Wenn ein PEGIDA-Mitglied mein Buch liest und sich dabei ein bisschen Gedanken macht, dann ist schon was gewonnen.

Welches Ihrer anderen Bücher würden Sie gerne verfilmt sehen?

Sabine Weigand: Wenn ich an Quote und Bekanntheit denke, dann habe ich "Die Tore des Himmels" im Kopf, die Biographie der Elisabeth von Thüringen – um auch mal mit diesem Heiligendünkel aufzuräumen. Elisabeth war eine psychisch kranke, anorektische Frau, die getrieben war und nicht mehr rausgekommen ist und mit 24 elend gestorben ist. Interessant wäre auch "Die silberne Burg", die Geschichte der Juden im Mittelalter. Am Schicksal einer Person zu zeigen, wie jemand mit einer Stigmatisierung lebt und verfolgt wird.

Wovon wird Ihr nächstes Buch handeln?

Sabine Weigand: 
Eine Romanbiographie der Eleonore von Aquitanien. Eine ganz faszinierende Frau. Über 70 Jahre alt geworden, mit zwei Königen verheiratet ...

Warum gibt es so viele historische und pseudohistorische Romane?

Sabine Weigand: Ein schlechter historischer Roman ist einfach eine nette Zeitreise für Leute, die mal aus dem Alltag ausbrechen wollen. Seriöse historische Romane wollen unterhalten und informieren. Ich hoffe, der Boom geht weiter, bis ich mir die Rente leisten kann ... (lacht)

Das Interview führte Matthias Roth



21.2.2015, 0.00 Uhr

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