"Hanna Hellmann": Interview mit Diana Staehly

Wohlfühlfernsehen ohne Kitsch. Diana Staehly erzählt im rtv-Interview, wie sie als Hanna Hellmann "eine neue Programmfarbe" in den ZDF-Donnerstag bringt

rtv-Titelstar Diana Staehly bekommt eine Filmreihe: Als "Hanna Hellmann" strandet sie in Tirol – als Schlichterin und Hüttenwirtin. Klingt nach heiler Bergwelt, ist es aber nicht. Darauf legt die Mimin wert, als wir sie daheim in Potsdam an die Strippe bekommen. Verschnupft, gut gelaunt und sehr sympathisch.

Keine Klischees, kein Kitsch ...

Frau Staehly, am 12. und 19. März gehen sie zum ersten Mal als "Hanna Hellmann" auf Sendung. Was erwartet die Zuschauer?

Diana Staehly: Auf keinen Fall ein Heimatfilm im klassischen Sinne. Jedenfalls nicht das, was den meisten Leuten spontan zu diesem Begriff einfallen würde. Es ist kein Klischee und kein Kitsch, kein seichtes Berge-Fernsehen. Es geht um ernste Themen, hat aber auch leichte Momente, ein bisschen Liebe und Flirten. Ich glaube, es ist für jeden was dabei. Das alles ist modern erzählt.

Sie spielen eine Schlichterin. Hierzulande können wenige mit dem Thema etwas anfangen.

Diana Staehly: So ging es mir auch. Ich hab mich dann schlau gemacht und erfahren, dass es in Österreich gang und gäbe ist, erst einmal einen Schlichter zu beauftragen, bevor man bei Konflikten einen Anwalt einschaltet und vor Gericht zieht. Das ist dort ganz normal ins Rechtssystem eingebunden. Mir gefällt diese Idee sehr gut. Ich finde, man sollte sich bei Konflikten viel öfter an einen Tisch setzen.

Das Motto der Schiedsleute ist "sich vertragen ist besser als klagen". Sind sie ein "verträglicher", ein umgänglicher Mensch?

Diana Staehly: Ja. (lacht) Ich kann mich schon auch richtig fetzen. Aber ich mag es nun mal harmonisch. Und ich kann mich gut in andere hineinversetzen. Das ist übrigens eine Eigenschaft, die ich mit meiner Figur Hanna Hellmann teile.

 

Mit "Unter Uns" ins Fernsehen

Sie haben mal in einem Interview von sich gesagt, Sie hätten eine besserwisserische Seite und eine zielstrebige …

Diana Staehly: Och ja, (lacht) ab und zu verbessere ich Leute vielleicht mal… Zielstrebig war ich schon immer. Aber in der Schule musste ich das natürlich verleugnen, denn das ist ja sehr uncool - Stichwort Streber…

Sie begannen früh mit dem Tanzen und wurden in der Ballettschule entdeckt …

Diana Staehly: Stimmt. Eine Casting-Agentur suchte in meiner Ballettschule nach Mädchen, die tanzen können - für die Rolle in einer Soap. Eine Casterin kam, machte Fotos von uns. Als ich dann zum Casting eingeladen wurde, nahm ich das erst mal nicht ernst. Entsprechend überrascht war ich, als ich die Rolle tatsächlich bekam. So habe ich nach dem Abitur nahtlos angefangen, in der Soap (Anm. der Red.: "Unter uns", RTL) mitzuspielen.

Aber auch dann waren Sie offenbar noch nicht ganz überzeugt von der Schauspielerei. Denn Sie gingen nicht nur nach New York, um Schauspiel zu studieren, sondern studierten auch noch in Deutschland Medien und Kulturwissenschaften …

Diana Staehly: Es gab eine Zeit, in der ich als Schauspielerin nicht so viel zu tun hatte. Anstatt zu Hause rumzusitzen und auf den Anruf meines Agenten zu warten, beschloss ich irgendwann zu studieren. Und zwar etwas, bei dem ich auch die Hintergründe dieses Geschäfts kennenlerne. Das hat mich auch als Schauspielerin weitergebracht, weil ich dadurch auch Verständnis für die andere Seite, für die Produktion, habe.


Ein Ekel als Chef - Stromberg

Sie haben aber nie in dem Beruf gearbeitet, denn dann kam "Stromberg" …

Diana Staehly: Dadurch hat es mit dem Studieren auch etwas länger gedauert. Als ich die Rolle in "Stromberg" bekam, habe ich zuerst versucht, beides unter einen Hut zu bringen, Studium und Schauspielerei. Für die Rolle im Afrika-Special zu "Forsthaus Falkenau" musste ich zum Beispiel ein Semester wiederholen. Aber ich wollte das Studium durchziehen - für mich. Einfach, weil es mich interessierte.

Nach "Forsthaus Falkenau" kamen die "Rosenheim-Cops", eine urbayerische Serie, in der Sie seit 2007 mitspielen, jetzt sind Sie die Hüttenwirtin im Dirndl…Warum besetzt man sie gerade für solche Formate, Sie sind doch ein "Kölsches Mädche" wie es immer so schön heißt?

Diana Staehly: Das hab ich mir auch schon überlegt… (lacht) Ich hoffe nicht, dass es daran liegt, dass man sich denkt "Hey, der Staehly steht doch ein Dirndl so gut" . .. Als ich jetzt zwei Monate am Stück für "Hanna Hellmann" drehte, wo ich übrigens normalerweise kein Dirndl trage, haben mir die Berge auf jeden Fall etwas ganz Neues gegeben, etwas, das ich vorher noch nicht kannte. Sie haben in ihrer Ewigkeit eine ganz besondere Ruhe und Beständigkeit ausgestrahlt. Eine Kraft, angesichts der man sich selbst ganz klein fühlt. Vorher hatte es mich immer nur ans Meer gezogen, um zur Ruhe zu kommen.

Wenn Sie zwei Monate am Stück für "Hanna Hellmann" in Tirol drehen, wie läuft es dann zu Hause in Potsdam?

Diana Staehly: Da braucht es viel Organisation, denn meine Tochter ist erst zweieinhalb Jahre alt. Ich habe zum Glück ganz tolle Schwiegereltern, die die Kleine sehr lieben. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Es ist natürlich nicht einfach, so lange getrennt zu sein. Aber dann gibt es auch wieder Zeiten, in denen mich mein Kind rund um die Uhr hat. Das ist die Kehrseite dieses Berufes.

Das Interview führte Stefanie Moissl

2.3.2015, 0.00 Uhr

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