Interview mit Tom Wlaschiha

Am 12.4. startet die 5. Staffel der Fantasyserie "Game of Thrones". In Deutschland ist die Serie bei Sky zu sehen. Wir haben uns mit dem deutschen Mann am Set - Tom Wlaschiha - unterhalten. Der Schauspieler, der bereits in Staffel 2 der epochalen Serie zu sehen war, kehrt in der 5. Staffel zurück auf die TV-Bildschirme. Im Gespräch verrät er uns, wie er mit dem Rummel um seine Person umgeht, was er selbst gerne im TV sieht, und was es ihm bedeutet auch in Deutschland drehen zu können.

Was dürfen sie uns über Staffel 5 von "Game of Thrones" sagen – außer Valar Morghulis?

Tom Wlaschiha: Was ich sagen kann ist: Es gibt eine 5. Staffel, und die startet am 12.4. Die wird sehr spannend, ich freu mich selber drauf. Mehr wird hier nicht verraten.

Sie waren 2012 in der 2. Staffel von "Game of Thrones" als Jaqen H’gar zu sehen. Wie und wann haben sie erfahren, dass sie in Staffel 5 wieder mit von der Partie sind?

Tom Wlaschiha: Ich habe im Sommer erfahren, dass man mich gerne wieder dabei hätte. Letzten Herbst wurde dann auch schon gedreht. Aber wie und wo ich genau zurückkomme, wird eine Überraschung.

Hatten Sie die Bücher vorher gelesen?

Tom Wlaschiha: Nein, ich kannte die Bücher nicht und ich war auch kein großer Fantasy-Fan. Das Casting kam praktisch über Nacht, und ich hatte keine Ahnung, was "Game of Thrones" ist. Damals war die 1. Staffel nur in den USA gelaufen, es gab bei Weitem noch nicht so einen Hype. Ich war völlig ahnungslos und daher auch überhaupt nicht aufgeregt. Als ich die Rolle dann hatte, habe ich die ersten beiden Bücher gelesen, danach aber nur noch die Serie geguckt.


Vom Sonderling zum Fanliebling

Wie legt man eine solch geheimnisvolle Figur schauspielerisch an, die selbst in den Büchern kaum klar umrissen wird? Wieviel Freiheit hat man?

Tom Wlaschiha: Man hat sehr viel Freiheit. Allerdings ist durch die sehr spezifische Weise wie die Figur spricht schon ein sehr starkes Gerüst vorgegeben. Jaqen redet ja von sich und allen anderen in der dritten Person. Er ist eine Figur mit einem Geheimnis, das man ausloten kann. Das macht auch die Qualität von allen Figuren der Serie aus, niemand ist eindimensional. Die Charaktere sind stark, aber auch sehr ambivalent. Für einen Schauspieler ist es eine tolle Gelegenheit, so etwas zu spielen. Und auch für den Zuschauer sind diese Konflikte und Geheimnisse reizvoll.

Jaqen hat sich innerhalb weniger Folgen als großer Fan-Favorit etabliert. Hätten Sie damit gerechnet, dass ein Charakter, der von sich selbst nur in der dritten Person spricht und berufsmäßig mordet, zum Fanliebling und in einigen Fankreisen sogar zum Sex-Symbol avancieren würde?

Tom Wlaschiha: (Lacht ) Ich habe natürlich bei jeder Rolle die Hoffnung, dass das passiert. Nein. Scherz beiseite. Ich hätte mit diesem Hype nie gerechnet. Ich glaube, es hat alle ein bisschen überrascht, zu welchem weltweiten Phänomen die Serie insgesamt geworden ist. Es gibt die ersten Bücher ja immerhin schon seit zwanzig Jahren. Die Bücher hatten natürlich eine eingefleischte Fangemeinde, aber das ist mit der heutigen Begeisterung für die Serie kaum zu vergleichen. Die Produzenten wussten, dass sie einen guten Stoff haben und natürlich haben sie gehofft, dass die Serie ein großer Erfolg wird. Aber ich glaube, mit diesem Kult haben sie selbst nicht gerechnet. Die Geschichte und die Figuren treffen einen bestimmten Nerv beim Zuschauer.

Der Kampf gegen den eigenen Anspruch

Ist man da ein bisschen stolz, dass die eigene Performance so einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat? Oder macht man sich eher Sorgen, wegen der Erwartungshaltung der Fans, wenn man dann nach drei Jahren wieder ans Set kommt?

Tom Wlaschiha: Also aufgeregt war ich nicht. Man will es natürlich immer so gut wie möglich machen und dabei auch seinen eigenen Ansprüchen genügen. Es hilft, dass die Rollen in "Game of Thrones" unheimlich gut geschrieben sind und man sich auf die Qualität des Drehbuchs verlassen kann. Wenn das Skript schlecht ist, kann man dagegen anspielen, wie man will, da kommt trotzdem nichts Gutes raus.

Die Serie zeichnet sich auch durch die grandiose Ausstattung und authentische Kulissen aus. Inwiefern hilft Ihnen das, sich in die Rolle hineinzuversetzen?

Tom Wlaschiha: Na klar ist das hilfreich. Teilweise wird an Originalschauplätzen gedreht und der Rest in unglaublich realistischen Kulissen im Studio. Es ist stimmig bis ins letzte Detail. Man kann komplett in eine andere Welt eintauchen. Wenn man so ein Umfeld hat, das richtige Kostüm, dann kommt dieses Gefühl von ganz allein. Man geht anders, man spricht anders, man verhält sich anders.

Kommt es einem surreal vor, wenn man sich wochenlang in einer mittelalterlichen Fantasywelt bewegt und dann in "Crossing Lines" mit so futuristischen Werkzeugen wie holografischen Tatort-Rekonstruktionen arbeitet?

Tom Wlaschiha: Das ist ja genau das Coole an meinem Job. Dass man sich im besten Fall in vielen verschiedenen Genres ausprobieren kann. Deswegen habe ich mir diesen Beruf ausgesucht. Als Schauspieler möchte man sich ja so viel wie möglich in unterschiedlichen Richtungen ausprobieren.


"Tatort"-Dreh in Deutschland

Am 29. März waren sie im neuen Borowski-Tatort zu sehen. Ist es eine große Umstellung, wieder in Deutschland zu drehen?

Tom Wlaschiha: Ich habe mich sehr über das Tatort-Drehbuch gefreut, weil ich natürlich auch in Deutschland drehen will. Das ist meine Sprache, mein Hintergrund. Da habe ich einen ganz anderen emotionalen Zugang. Und ich fand das Drehbuch einfach stark, bei dem Fall geht es um ganz wichtige und emotionale Themen wie Kinderarmut und Missbrauch, die sehr sensibel und facettenreich beleuchtet werden.

Wie groß sind die Unterschiede zwischen internationalen Serien-Produktionen und Kinofilmen wie "Turner" und Dreharbeiten in Deutschland?

Tom Wlaschiha: Natürlich ist die Größe der Produktion eine andere, das heißt aber nicht, dass das eine oder andere besser oder schlechter ist. Wenn es ein kleineres Team ist, wie beim Tatort-Dreh, dann kann das eine viel familiärere Atmosphäre sein und viel intensivere Arbeit bedeuten, weil man mehr ausprobieren kann. Der Reiz einer großen Produktion sind natürlich die technischen Möglichkeiten und das Wissen, dass man damit viel mehr Zuschauer erreicht.

Der Tatort ist in gewisser Weise fast eine Mini-"Game of Thrones"-Reunion. Sie konnten mit ihrer Serien-Kollegin Sibel Kekilli drehen. Während des Seriendrehs sind sie Sibel Kekilli aber nie begegnet, oder?

Tom Wlaschiha: Wir sind uns einmal zufällig im Hotel begegnet, ich bin angereist, sie ist abgereist. Wir haben für "Game of Thrones" nie zusammen vor der Kamera gestanden, weil wir in unterschiedlichen Handlungssträngen waren. Das war natürlich auch ein Grund, warum ich mich gefreut habe, im Tatort mitzuspielen. Weil ich sie als Kollegin sehr schätze und wir natürlich wunderbar in den Drehpausen unsere eigenen Theorien und Erfahrungen in Bezug auf die Serie austauschen konnten.


Filme nur im Originalton

Sie synchronisieren Ihre Figuren in ausländischen Produktionen für das deutsche Fernsehen selbst, ist das richtig?

Tom Wlaschiha: Ja, das ist mir ein Bedürfnis. Sprache ist schließlich 50% der schauspielerischen Darstellung. Und wenn das irgendwie möglich ist, dann möchte ich mich natürlich selber synchronisieren.

Was sehen Sie gerne im TV?

Tom Wlaschiha: Das hängt ganz davon ab, wieviel Zeit ich habe. Ich bin ein bisschen ein Nachrichtenjunkie. Aber ich sehe gerne auch mal einen guten Film, wobei ich mich da immer auf die deutschen Produktionen konzentriere, weil es mich natürlich interessiert, was die Kollegen machen. Und weil ich mir selber ungern synchronisierte Filme angucke. Selbst wenn ich einen japanischen Film ansehe, dann lieber im Original mit Untertiteln, weil ich finde, dass Sprache extrem wichtig ist.

Wenn es nach Ihnen gehen würde: Wer sollte am Ende der Serie auf dem eisernen Thron sitzen?

Tom Wlaschiha: (Lacht) Ich habe mir sagen lassen, dass dieser Thron extrem unbequem ist. Also wem wünsche ich das? Jaqen H’gar vielleicht?

Was haben sie als nächstes vor?

Tom Wlaschiha: Im Moment drehe ich die dritte Staffel der Krimiserie "Crossing Lines", noch bis Ende Mai in Prag und Kroatien. Außerdem habe ich gerade für das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit einen Kurzfilm in Äthiopien über Ernährungssicherheit gedreht. Das wird eine ganze Reihe von Filmen, die die verschiedenen Aspekte der Entwicklungshilfe beleuchten werden. Im Sommer werden wir dafür nach Bolivien fahren, dort wird es um Klimawandel gehen. Diese Filmreihe ist ein wirklich tolles Projekt.

Interview: Kristin Lenk

1.4.2015, 0.00 Uhr

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