Interview mit Matthias Opdenhövel

Alter raten und 100 000 € gewinnen: klingt einfach. Wie wahrscheinlich es ist, dass man beim neuen ARD-Quiz absahnt, verriet uns Moderator Matthias Opdenhövel

Neues Quiz im Ersten. In "Rate mal, wie alt ich bin" sollen Kandidaten das Alter von sieben verschiedenen Menschen schätzen. Jeder abgefragte Hinweis schmälert den Gewinn. Matthias Opdenhövel moderiert die neue Vorabendshow. Wir haben mit ihm gesprochen.

Hinweis um Hinweis

Herr Opdenhövel, raten Sie doch mal, wie alt die rtv ist.

Matthias Opdenhövel: Ich würde sagen, 28 Jahre.

Okay, dann muss ich Ihnen einen kleinen Hinweis geben: rtv ist genauso alt wie die "Sportschau".

Matthias Opdenhövel: Oh, dann seid Ihr ja deutlich älter und habt Euch gut gehalten, genauso wie die "Sportschau" auch, dann ist die rtv 55 Jahre alt.

Exakt. So in etwa funktioniert ihr neues Quiz?

Matthias Opdenhövel: Genauso funktioniert‘s. Es ist eine schöne Kombination aus Intuition und Wissen. Je mehr Hinweise man benötigt, desto geringer wird der Gewinn für die Kandidatenpaare.

Was für Hinweise sind das?

Matthias Opdenhövel: Es gibt unterschiedliche Rubriken. Das kann ein Lied sein, das im Geburtsjahr des zu Schätzenden veröffentlicht wurde. Wenn z.B. "Ein bisschen Frieden" von Nicole gespielt wird, könnte der Kandidat auf das Jahr 1982 kommen, wenn er ein ESC Fan ist. Verzeihung, damals hieß es ja noch Grand Prix Eurovision de la Chanson.

100.000 Euro zu gewinnen

Gibt es noch andere Rubriken?

Matthias Opdenhövel: Ja, zum Beispiel die Rubrik Erinnerung. Der Unbekannte erzählt eine Anekdote aus seinem Leben: Z.B. dass er 15 Jahre alt war, als Boris Becker zum ersten Mal Wimbledon gewonnen hat.

Das war 1985. Also wäre der Unbekannte Jahrgang 1970, also 46.

Matthias Opdenhövel: Exakt. Pro Sendung darf man allerdings nur eine Rubrik für die Unbekannten nutzen.

Und im Bestfall gibt es 100.000 Euro zu gewinnen.

Matthias Opdenhövel: Das wäre der absolute Glücksfall. Ich verrate aber kein Geheimnis, wenn ich sage, es ist relativ unwahrscheinlich, dass man es schafft. Das würde ja heißen, dass man sieben Mal sofort genau das richtige Alter tippt. Ohne jeglichen Hinweis. Wer das schafft, kann auch eine Wahrsager-Stube aufmachen.

"Raten Sie mal, wie alt ich bin" heißt die Sendung. Könnte doch peinlich werden.

Matthias Opdenhövel: Weil?

Weil man das Alter von Frauen doch aus Höflichkeit immer etwas zu niedrig einschätzt.

Matthias Opdenhövel: Es kommen natürlich Leute, die gerne ihr Alter erraten lassen. Man muss keine Angst haben, dass man in einen Riesen-Fettnapf tritt.

Selbst schon mal richtig peinlich danebengelegen?

Matthias Opdenhövel: Nee, richtig peinlich nicht. Es ist nur so, dass MEIN Alter früher oft falsch eingeschätzt wurde, weil ich deutlich jünger aussah, als ich in Wirklichkeit war. Wenn man an der Kinokasse als Einziger nach seinem Schülerausweis gefragt wird, ist das ziemlich peinlich. (lacht)

Quiz-Shows sind nicht totzukriegen

"Quizduell", "Wer weiß denn sowas", "Gefragt gejagt", jetzt "Rate mal, wie alt ich bin" -- gibt es nicht langsam genug Quizsendungen im Ersten?

Matthias Opdenhövel: Quizshows sind ein Genre, das im besten Sinne nicht totzukriegen ist. Und am ARD-Vorabend funktioniert’s richtig gut. Das ist einfach eine schöne Programmfarbe, die gut in den Familienalltag passt. Die kann man auch noch verfolgen, wenn man etwas nebenbei macht.

Das Original kommt aus Frankreich …

Matthias Opdenhövel: Genau. Die Engländer haben es aber auch schon pilotiert. "Guess my age" wurde dort vom früheren MTV-Moderator Ray Cokes moderiert. Mir haben die beiden Versionen sehr gut gefallen und ich freue mich nun die deutsche Ausgabe zu moderieren.

Sie sind im Fernsehen sehr präsent: US-Wahlnacht, Sportschau, Quiz – in welcher Sparte fühlen Sie sich am wohlsten?

Matthias Opdenhövel: Letztendlich ist meine Kernkompetenz der Sport. Aber ich finde es toll, unter einem Dach Sportübertragungen und Unterhaltungssendungen zu moderieren.

Zusammen mit Mehmet Scholl moderieren Sie Fußballereignisse im Ersten. Wie ist die Zusammenarbeit und wie lange läuft Ihr Vertrag?

Matthias Opdenhövel: Mir macht das unglaublich viel Spaß mit Mehmet, ich glaube ihm auch. Unsere Verträge sind an die Laufzeiten der Übertragungsrechte gekoppelt, also das geht erstmal weiter. Generell kann ich sagen, dass ich mich bei der ARD absolut zu Hause und wohlfühle.

Als früherer Stadionsprecher in Mönchengladbach sind Sie ein Fan der Fohlen-Elf. Aber wer wird Deutscher Meister und wo landet am Ende die Borussia?

Matthias Opdenhövel: Ich glaube, dass die Deutsche Meisterschaft wieder in München eingefahren wird, aber ich hoffe, die Bundesliga wird spannender als die Jahre zuvor. Und dass Gladbach die Möglichkeit hat in Europa zu überwintern, ist schon eine starke Leistung in dieser Gruppe.

Sie heißen Matthias Augustinus Wilhelm Georg … Warum haben Sie eigentlich so viel Vornamen?

Matthias Opdenhövel: Georg und Wilhelm sind meine beiden Opas und Augustinus war mein Patenonkel. Er war Dechant. Wer schon einen unkomplizierten Nachnamen hat, der kann sich ein paar mehr Vornamen doch leisten. (lacht)

Aber alle sagen Matthias zu Ihnen.

Matthias Opdenhövel: Matthias nannte mich früher nur meine Eltern, wenn ich was ausgefressen hatte. Fast alle nennen mich Matti oder Opdi, es gibt aber auch Kollegen bei der "Sportschau", die nennen mich Matti-Opdi. Die können und wollen sich nicht entscheiden. (lacht)

Interview: Andreas Herden

30.11.2016, 0.00 Uhr

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