Interview mit Jan-Gregor Kremp

Zum Start von 8 neuen Folgen "Der Alte"

Seit fünf Jahren ist Jan-Gregor Kremp "Der Alte", Chef-Ermittler im ZDF-Krimidauerbrenner. Wie er das macht, warum er kein Fernsehstar ist und wofür es sich zu kämpfen lohnt, verriet er rtv im Interview

"Ich musste mich ein wenig anpassen"

Der Mann ist wohltuend unaufgeregt und lenkt doch seit fünf Jahren ein echtes ZDF-Krimi-Flaggschiff. Als Nachfolger von Siegfried Lowitz, Rolf Schimpf und Walter Kreye spielt Jan-Gregor Kremp die Hauptrolle in "Der Alte". Dabei ist er erst 54 Jahre alt.

Herr Kremp, Sie spielen eine der bekanntesten, langlebigsten, beliebtesten und deutschesten Fernsehfiguren. Wie macht man das?

Jan-Gregor Kremp: Oha, das ist ja gleich mal ’ne schwierige Frage. Ich bin da in ein klassisches Format hineingesprungen, das schon deshalb so lange erfolgreich ist, weil es ist, wie es ist. Ich musste mich also schon ein wenig anpassen, um die Figur nicht komplett neu zu erfinden.

Wie kam es zu Ihrem Engagement? Viele waren überrascht.

Jan-Gregor Kremp: Warum das denn?

Weil Sie eine gewöhnungsbedürftige Lässigkeit in dieses eher biedere Format gebracht haben.

Jan-Gregor Kremp: Das ist ganz sicher sogar gewollt. Aber zustande gekommen ist meine Rolle ja erstmal durch die Krankheit Walter Kreyes, die eben doch so lange angedauert hat, dass man das Team sonst hätte auf die Straße schicken müssen.

Obwohl sie alles andere als alt genug sind für einen Alten ...

Jan-Gregor Kremp: Das ist kein Problem, weil das "Alte" für Chef im Sinne von Weisungsbefugnis steht. "Achtung, der Alte kommt, schnell die Füße vom Tisch" – das ist eine altersunabhängige Floskel. Und ganz ehrlich, wenn man wie ich gerade über 50 ist, nimmt man mir doch jede Führungsrolle ab, oder?

Keine Pflicht, sich zu beweisen

Sind Sie nicht inzwischen für andere Formate unvermittelbar?

Jan-Gregor Kremp: Ach, ich hab schon so viel gespielt – große und kleine Rollen am Theater, Klassiker und Komödien im Fernsehen, deutsches und internationales Kino, Verbrecher wie Polizisten, da schränkt mich "Der Alte" kaum ein.

Ihre Frau und Kollegin Johanna Gastdorf meinte kürzlich, mit über 50 sei ihr wichtig, sich anständig zu benehmen und nicht mehr dauernd positionieren zu müssen.

Jan-Gregor Kremp: Das kann ich mit ganz dickem Stift unterschreiben. Sich nicht mehr so oft beweisen zu müssen ist ein großer Vorteil langer Erfahrung. Natürlich muss man sich immer mal wieder positionieren. Man verliert aber eher die Angst, dass gleich alles den Bach runtergeht. Ich muss mit 54 nicht mehr dauernd vortanzen, um zu zeigen, was ich kann.

Ist Ihnen Applaus noch immer wichtig?

Jan-Gregor Kremp: Das ist ein Urinstinkt. Auf der Bühne wirkt der viel unmittelbarer. Applaus ist zwar nicht der einzige Nahrungsbestandteil des Künstlers, aber ein wichtiger.

Sie haben an sieben Schauspielschulen Absagen in Kauf genommen. Wie motiviert man sich da für die achte Bewerbung?

Jan-Gregor Kremp: Das überrascht mich im Nachhinein auch ein bisschen. Als normaler Schüler hatte ich diesen Ehrgeiz nicht gehabt, obwohl mir das Abi auch wichtig war. Aber damals wurde mir klar: Wenn ich etwas unbedingt will, kann ich mich durchbeißen und versuche es bis zum bitteren Ende. Ich bin in dieser Hinsicht wohl ein Kämpfertyp.

Wofür kämpfen sie noch?

Jan-Gregor Kremp: Für meine Familie, definitiv. Dafür lohnt es sich zu kämpfen, und sei es, indem man nach einem anstrengenden Nachtdreh ohne Schlaf ins Flugzeug steigt, um möglichst schnell zu Hause zu sein. Das ist mir das Wichtigste. Wenn ich meine Familie nicht hätte, wäre alles andere nichts wert.

Würden Sie sich insgesamt als so bekannt bezeichnen, dass Sie zum Fernsehstar taugen?

Jan-Gregor Kremp: Woran misst man den denn?

Etwa daran, dass das Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich besonders grell ist.

Jan-Gregor Kremp: Dann bin ich keiner. Erstens sieht man mich da eher selten. Zweitens kennen viele Leute mein Gesicht, aber nicht unbedingt den zugehörigen Namen. Das ist mir sogar ganz lieb. Mir ist wichtiger, einen guten Ruf in der Branche als auf dem Boulevard zu haben.

Interview: Jan Freitag

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