Interview mit Ulrike C. Tscharre zu "Die Konfirmation"

Unser Titelstar Ulrike C. Tscharre spielt die Hauptrolle im Fernsehfilm "Die Konfirmation". Wir haben mit ihr gesprochen.

Verkehrte Welt

Der 15-jährige Ben will sich konfirmieren lassen. Die Eltern sind perplex. Sie glauben, bei der Erziehung ihres Sohnes alles "richtig" gemacht zu haben. Aber wieso haben sie dann keine Ahnung von dem, was im Kopf des Jungen vorgeht? Ein Gespräch mit Ulrike C. Tscharre, sie spielt Bens Mutter Johanna.  

Frau Tscharre, man sagt "Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden". Im Film "Die Konfirmation" ist das so, oder?

Ulrike C. Tscharre: Das ist so. Der Junge ist ja ganz normal. Er weiß, was er will. Genau, der lässt sich taufen, weil er sonst nicht konfirmiert werden kann. Das macht er aus freien Stücken - und auf einmal wird die Mutter schwierig. Sie will eine große Feier ausrichten und das Geld in einem Casino erspielen.

Haben Sie selbst schon mal ein Spielcasino besucht?

Ulrike C. Tscharre: Ein Mal. Um zu wissen, wie das so aussieht, aber mich schüchtert das total ein. Und ich habe es überhaupt nicht mit Zahlen. Das ist nicht meins. Außerdem bin ich dafür wohl zu schwäbisch-österreichisch erzogen: Um Geld spielt man nicht.

Können Sie denn die Mutter, die Sie im Film spielen, verstehen?

Ulrike C. Tscharre: Ich kann sie gut verstehen. Ihr fällt auf, dass ihr die Verbindung zu Ihrem erwachsen gewordenen Sohn verloren gegangen ist, und deshalb will sie alles gut machen ...

Ist es leichter, jemanden zu spielen, den man versteht oder kann die Figur einem ganz fremd sein?

Emotionale Nähe

Ulrike C. Tscharre: Ich brauche tatsächlich eine gewisse Nähe zu den Figuren. Ich muss einen emotionalen Andockpunkt finden, muss verstehen, warum jemand handelt, wie er handelt.

Lieber Krimi oder Komödie?

Ulrike C. Tscharre: Ich mag beides sehr gerne. Eigentlich eher Thriller oder Melodramen, aber ich drehe auch gerne eine Komödie, wenn sie gut ist.

Haben Sie eigentlich gewusst, dass Ihr Film in der ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" läuft?

Ulrike C. Tscharre: Als wir das gedreht haben, wusste das noch keiner, weil es da die Themenwoche noch gar nicht gab. Wann haben Sie den Film denn gedreht? Vor zwei Jahren, bis Weihnachten.

Woran glauben Sie?

Ulrike C. Tscharre: Meine Geschwister und ich wurden sehr christlich erzogen. Ich bin auch konfirmiert und habe einen wahrscheinlich sehr langweiligen Großstadtglauben. Ich denke schon, dass es so etwas wie eine übergeordnete Instanz oder Moral gibt.

Erziehungssache

Sie sind aus der Kirche ausgetreten, warum?

Ulrike C. Tscharre: Ich kann nicht gut mit Institutionen. Ich gehe auch nicht zum Arzt, wenn es nicht unbedingt sein muss. Ich bin meinen Eltern aber sehr dankbar für ihre Erziehung, für das sehr schöne Wertegerüst, das sie mir vermittelt haben.

Sie spielten sehr erfolgreich im Krimi "Der Zielfahnder". Geht‘s weiter?

Ulrike C. Tscharre: Ist in Planung, ja.

Sehen Sie eigentlich selbst gern fern?

Ulrike C. Tscharre: Nach der Umstellung auf DVBT 2 gar nicht mehr. Ich habe mir das neue Empfangsgerät bislang nicht besorgt. Ich sehe mir die Sendungen, die ich sehen möchte, in der Mediathek an. Dieses superscharfe HD entspricht nicht meiner Art, Dinge zu sehen. Außer man liebt Fußball oder anderen Sport und Naturfilme. Für jede Form von fiktionalem Programm ist das eher unangenehm. Das nimmt komplett die Magie.

Weil man jede einzelne Hautpore erkennen kann ...

Ulrike C. Tscharre: Das tut optisch niemandem gut. Ich mag das als Zuschauerin nicht. Ich mag gern so ein bisschen verzaubert werden.

Interview: Andreas Herden

1.6.2017, 15.34 Uhr

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