Interview mit Sarah Tacke

"Wut ist gut"

Am Montagabend im ZDF erklärt uns Sarah Tacke im Magazin "WISO" (nicht nur) die Welt der Wirtschaft. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit, ihre Kraftquelle, 
ihren 35. Geburtstag – und darüber, was Wut mit positiver Energie zu tun

Komplizierte Themen, leicht erklärt

Wenn die promovierte Juristin Sarah Tacke schwierige Sachverhalte erklärt, blickt der Zuschauer durch. Die Journalistin und "WISO"-Moderatorin und das "WISO"-Team bereiten auch komplizierte Themen verständlich, unterhaltsam, aber doch hochkompetent auf. Sarah Tacke lebt in Frankfurt, ist verheiratet und schätzt am Privaten vor allem, dass es privat ist. Wir haben trotzdem mit ihr gesprochen. Über ihre Arbeit beim Fernsehen, Tränen, Wut – und das Alter.

Was wollten sie als kleines Mädchen werden?
Sarah Tacke: Tierfilmerin. Im wilden Afrika mit wilden Löwen leben, sie beobachten, erforschen, verstehen, das habe ich mir erträumt.

Waren Sie gut in der Schule?
Sarah Tacke: Zumindest nie schlecht. Pinke Haare oder Piercings sind auch an mir vorbeigegangen. Mit 16 war ich für ein Highschool-Jahr in New York, und als ich zurückkam, war nichts mehr mit Auflehnen gegen meine Eltern und so.

Sie haben in Freiburg, Lausanne und Hamburg studiert. Wie kamen Sie zum Fernsehen?
Sarah Tacke: Während ich die Doktorarbeit schrieb, habe ich mich beim NDR beworben, nur beim NDR. Wenn das nicht funktioniert hätte, wäre ich wahrscheinlich Richterin geworden.

Vor der Kamera erklären Sie die Dinge so, dass jeder sie versteht. Wie machen Sie das?
Sarah Tacke: Das freut mich, dass Sie das so sehen. Ich habe im Jurastudium gelernt, dass ich mich gut vorbereiten muss. Das beinhaltet, dass ich viel lese, sortiere, strukturiere, filtere, um die Dinge selbst zu verstehen. Denken, bis es wehtut. Ich arbeite mich tief in die Themen ein, denn nur wenn ich etwas wirklich in seinen Tiefen verstanden habe, kann ich es auch aufs Wesentliche reduzieren und anderen erklären. 

Wut setzt Energie frei

Haben Sie bei Ihren Berichten auch schon mal mit den Tränen zu kämpfen?
Sarah Tacke: Ich schätze mich eher als nüchternen Menschen ein. Ich habe allerdings gerade für eine Dokumentation eine Familie getroffen, die ihre 14-jährige Tochter vor einem Jahr bei dem Amoklauf in München verloren hat. Da habe ich viel geweint, weil ich den Schmerz, den Verlust dieser Familie so intensiv gespürt habe.

Schon mal Wut verspürt bei Ihren Reportagen?
Sarah Tacke: Wut habe ich, ehrlich gesagt, sehr oft. Das ist eine der wichtigsten Emotionen in meinem Job. Wut ist gut für mich, weil sie bei mir Energie freisetzt. Die nutze ich, um Missstände, Ungerechtigkeiten zu erfassen und öffentlich zu machen.

Sie sind in Niedersachen geboren und aufgewachsen, leben jetzt in Frankfurt. Haben Sie sich schon mit dem Apfelwein angefreundet?
Sarah Tacke: Na ja, angefreundet nicht, aber ich trinke ihn ab und zu. Die grüne Soße ist mir lieber. (lacht)

Sind Sie ein Morgenmensch?
Sarah Tacke: Absolut. Ich stehe mit der Sonne auf, laufe eine Stunde durch den Wald. Das tut mir unheimlich gut. Wenn Sie morgens nicht joggen wollen, habe ich einen Tipp: Einfach das Gesicht drei Minuten in die aufgehende Sonne halten. Das gibt Kraft für den ganzen Tag.

Sie werden bald 35. Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?
Sarah Tacke: Tja, es ist der 23. September, ein Tag vor der Bundestagswahl. Ich stelle mir vor, ich feiere in Berlin an einer großen Tafel mit einem guten Essen und guten Freunden.

Welche Rolle spielt das Alter heute noch vor der Fernsehkamera?
Sarah Tacke: Die Zeiten, wo eine Frau mit 40, 50, 60 nicht mehr moderieren darf, sind Gott sei Dank vorbei. Bestes Beispiel ist Petra Gerster, die mit 62 die Hauptnachrichtensendung im ZDF moderiert und einen fantastischen Job macht. Ich glaube, Alter ist gar nicht mehr so entscheidend, es ist eher eine Geschmacksfrage, wer was wie lang moderieren darf. 

31.7.2017, 10.50 Uhr

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