Interview mit Anja Knauer

Zum Katie-Fforde-Film "Bruderherz"

Der Katie-Fforde-Film "Bruderherz" erzählt von einem besonderen Geschwisterpaar. Hauptdarstellerin Anja Knauer über Familie, Gefühle und Fernweh

"Familie bestimmt unser Leben"

Mit "Bruderherz" starten neue Episoden der "Katie Fforde"-Reihe, die seit 2010 unter dem ZDF-Etikett "Herzkino" läuft, neben "Inga Lindström" und "Rosamunde Pilcher". Das Thema ist ungewöhnlich: Eine junge Fotografin muss sich nach dem Tod des Vaters unvermittelt um ihren autistischen Bruder kümmern. Anja Knauer (38) über ihre Rolle, über den Einfluss der Familie - und die beste Jahreszeit für eine Reise nach Boston.

Sie sind das erste Mal bei der Reihe "Katie Fforde" dabei. Was hat Ihnen an der Geschichte der Fotografin Lauren und ihres Bruders Anthony gefallen?

Anja Knauer: Ich mochte die starke Familiengeschichte. Ich finde spannend, wie erwachsene Menschen oft noch stark durch ihre Kindheit, ihre Eltern, die Beziehungsgeflechte ihrer Familie bestimmt sind. Wie man sich darüber definiert und wie einen schmerzhafte Erlebnisse und Erfahrungen den ganzen Lebensweg bis ins hohe Alter prägen. Auch wenn der Kontakt zur Familie längst abgebrochen ist, formt der Mensch daraus einen großen Teil seiner Identität. Ich fand spannend zu erzählen, welche Chance man bekommt, wenn man gezwungen wird, eine Tür zu dieser Vergangenheit wieder zu öffnen, und sich dadurch noch einmal neu erzählen kann.

Wie erzählt man so eine Geschichte im "Herzkino"?

Anja Knauer: Ohne Angst vor großem Gefühl, mit Witz und an einem sehr schönen Ort.

Haben Sie sich vorbereitend mit Autismus beschäftigt?

Anja Knauer: Ja, ich habe einiges dazu gelesen und mehrere Tage mit einer Bekannten und ihrem autistischen Sohn verbracht.

Haben Sie Geschwister und mussten sich schon mal kümmern?

Anja Knauer: Ich habe einen - mittlerweile sehr großen - kleinen Bruder. Niemand musste sich einmal wirklich um den anderen kümmern, aber wir tun das trotzdem sehr gerne wechselseitig. Wir sehen uns sehr oft und sind uns sehr nah. Ich habe das Glück, dass mein Bruder einer meiner besten Freunde ist.

Interessieren Sie sich für Fotokunst?

Anja Knauer: Ja, ich fotografiere auch selbst gerne. Aber eher privat und digital. Ein analoges Foto hatte ich vor unserem Dreh noch nicht selbst entwickelt.
 

Überall zu Hause

Haben Sie Insider-Tipps für Boston?

Anja Knauer: Im Herbst zum Indian Summer kommen und rausfahren in die Wälder. Ich habe selten so was Schönes gesehen. Halloween in und um Salem ist auch sehr lustig. Gar nicht mal in erster Linie die Partys und Veranstaltungen, sondern der Brauch, sich ein Kostüm zusammenzustellen und dann bis zu einer Woche mit großer Selbstverständlichkeit seinen gesamten Alltag darin zu bestreiten.

Schweden, Mauritius, USA: Sie arbeiten, wo andere Urlaub machen. Haben Sie eher Heimweh oder Fernweh?

Anja Knauer: Ich kann mich mittlerweile so gut wie überall zu Hause fühlen. Nach langen Drehs oder Reisen freue ich mich sehr auf mein Zuhause in Berlin. Wenn ich lange in der Stadt bin, dann zieht es mich aber auch ziemlich bald wieder raus. Im Winter muss ich mindestens einmal meine Koffer packen und eine Zeit lang auswandern, dahin, wo ein bisschen was blüht und zirpt und die Sonne scheint.

Interview: Claudia Maxelon

1.9.2017, 9.56 Uhr

Interview empfehlen