Interview mit Rudi Cerne

50 Jahre "Aktenzeichen XY ... ungelöst"

Seit 15 Jahren moderiert Rudi Cerne die Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Ein Gespräch über Vorbereitungen, Belastungen und Zukunftswünsche

Rudi Cerne, beim ZDF auch als Sportmoderator im Einsatz, ist seit 2002 das Gesicht von "XY ..."

"Ich kann gut abschalten" 

"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen – das ist der Sinn unserer neuen Sendereihe", so begrüßte Eduard Zimmermann am 20. Oktober 1967 die Zuschauer der ersten Ausgabe von "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Zimmermann hatte die Idee und moderierte 30 Jahre lang. Dann übernahm seine Tochter Sabine mit Butz Peters, seit 2002 ist Rudi Cerne das Gesicht der Sendung.  Wir haben mit ihm gesprochen ...

Beschreiben Sie "Aktenzeichen XY … ungelöst" in drei Worten.

Rudi Cerne: Real, aktuell, spannend. 

Wie bereiten Sie sich in der Regel auf eine Sendung vor?

Rudi Cerne: Wir stehen mit der Redaktion unter Leitung von Ina-Maria Reize-Wildemann permanent in Kontakt. Ich bin in der Vorwoche der Sendung schon in der Redaktion in Ismaning, dort sprechen wir alles Wort für Wort durch. Wir gehen auf Interviews ein, überlegen uns die Moderationen, von der Redaktion ausgearbeitete Vorlagen, die entsprechend meinem Sprachduktus noch einmal ein wenig geändert werden. Es ist alles extrem detailliert vorbereitet.

Belasten Sie die Fälle persönlich, wie gehen Sie im Alltag damit um?

Rudi Cerne: Ich habe kein Rezept, aber ich habe einen guten Mechanismus, wie ich nach so einer Sendung relativ gut abschalten kann. Aber bei den Spezial-Ausgaben, wenn es um vermisste Kinder und Personen geht: Wenn ich dann Angehörige hier im Studio habe, ist das sehr emotional. Ich kann nichtsdestotrotz nach jeder Sendung gut schlafen. 

Sie blicken auf 15 Jahre Moderation zurück, haben "Aktenzeichen XY … ungelöst" lange vor dem Bildschirm verfolgt. Was ist Ihnen in besonderer Erinnerung?

Rudi Cerne: Natürlich die Riffelglas-Blenden, die fürchterlichen Taten, die Leichen, die man gefunden, deren Bilder man aber nie gesehen hat. Man hat immer nur Teile gesehen, aber hat schon vorher die Decke vor das Gesicht gezogen.

Was würden Sie sich für die Zukunft der Sendung wünschen?

Rudi Cerne: Dass wir den Sinn und Zweck der Sendung nie verlassen. Eduard Zimmermann hatte mal zu mir gesagt: "Wir müssen mit der Zeit gehen, sonst spielen wir vor leeren Häusern." Die Einschaltquote ist wichtig für die Aufklärung, und ich hoffe, dass die Aufklärungsquote bei 40 % bleibt – dann sind wir happy.

15.10.2017, 7.33 Uhr

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