Interview mit Hannelore Hoger

"Gesegnet und glücklich"

Das ZDF zeigt den vorletzten "Bella Block"-Krimi. Gerade hat Hannelore Hoger ihre letzte "Bella" abgedreht. Ein Gespräch über die Zeit danach ...

"... und jeden Tag eine Zitrone"

In der vorletzten "Bella Block"-Folge "Stille Wasser" verschlägt es die Kommissarin in die brandenburgische Provinz, wo sie den mysteriösen Tod eines Mannes in einem ländlichen Freudenhaus aufklärt. Nach zwei Jahrzehnten und 38 Filmen verabschiedet sich Hannelore Hoger vom ZDF-Samstagskrimi auf eigenen Wunsch. Mittlerweile hat sie ihre letzte "Bella Block"-Folge abgedreht. Sendetermin: voraussichtlich Frühjahr 2018. 

Frau Hoger, durften Sie sich das Ende für "Bella Block" wünschen?

Hannelore Hoger: Leider nein.  

Wird "Bella Block" in der letzten Folge sterben?

Hannelore Hoger: Ich darf nichts verraten und will den Zuschauern auch nicht die Spannung nehmen.

Sind Sie freiwillig gegangen?

Hannelore Hoger: Ich habe meinen Beruf immer ausgeübt, weil ich es wollte und es liebe, zu spielen und zu arbeiten. Aber inzwischen bin ich älter und möchte etwas kürzertreten.

Was kommt jetzt für Sie, nach 23 Jahren "Bella Block" -Krimi?

Hannelore Hoger: Für eine weiße Villa am Meeresstrand hat mein Geld bisher nicht gereicht. Außerdem, wenn man ein Haus hat, sollte man darin auch leben. Nicht nur für sechs Wochen seine Ferien dort verbringen. Das könnte ich mir ja mieten.

Sie könnten doch die frei gewordene Zeit zum Beispiel in einem netten Apartment auf Ihrer Lieblingsinsel Sylt verbringen ...

Hannelore Hoger: Das könnte ich, aber was mache ich dann abends? Am Meer sitzen und von Honolulu träumen? Fernsehen? Ich bin immer gerne auf Sylt und erhole mich nirgendwo so gut wie dort. Trotzdem ist die alte Gemütlichkeit und Ruhe verschwunden. Schlimm finde ich, dass die echten Einwohner sich ihre eigene Insel oft gar nicht mehr leisten können.

Das heißt…?

Hannelore Hoger: Meine Tochter Nina hat ein kleines Haus auf dem Land zwischen Hamburg und Berlin, mit Garten, das reicht. Außerdem möchte ich ja noch etwas weiterarbeiten, mehr Dinge tun, die mir schon immer Spaß gemacht haben, wofür die Zeit aber bisher nicht reichte.

Was brauchen Sie zum Glücklichsein?

Hannelore Hoger: Gesundheit, Freunde, Bücher und jeden Tag eine Zitrone. Ich kann aber auch die Zeit mit mir alleine genießen und Löcher in die Luft gucken oder mit den Wolken fliegen ...

Wann genießen Sie Erfolg? Tun Sie das lieber für sich?

Hannelore Hoger: "Der Ruhm, wie alle Schwindelware, hält selten länger als 1 000 Jahre", hat Wilhelm Busch gesagt. Aber mit Freunden zwei Gläser sanften Rotwein trinken und dazu das Tuten der Schiffe, das finde ich schön. Ich fühle mich gesegnet und glücklich, bin stolz auf das Erreichte, auf meine Tochter. Und wenn jetzt meine Eltern noch leben würden, würde ich mich betrinken und weinen.

Interview: Wolfgang Wittenburg

15.10.2017, 7.39 Uhr

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