Interview mit Helen Woigk

Zum Zweiteiler "Die Puppenspieler"

Helen Woigk spielt im ARD-Weihnachtszweiteiler die Rolle der Zigeunerin Saviya. Wir haben mit der Schauspielerin über ihre Erfahrungen beim Dreh, ihre Pläne und die Liebe gesprochen. 

"Traumrolle"

Helen Woigk wurde mit einer Episodenrolle im "Tatort: Frühstück für immer" (2014) bekannt. In "Die Puppenspieler" übernahm die 26-jährige die Rolle der schönen Zigeunerin Saviya. Sie verliebt sich unsterblich in ihren Retter Richard, lässt selbstbewusst ihre Reize spielen, auch gegenüber den Kirchenoberen – und bringt sich so in Gefahr.

Frau Woigk, was ist Ihnen von den Dreharbeiten am besten in Erinnerung geblieben?

Helen Woigk: Es war eine ganz, ganz spannende Zeit. Ich habe viele neue Orte kennengelernt. Ich war vorher noch nie in Tschechien und in Prag. Wir waren auch in der Natur, in den Alpen. Das war schon sehr beeindruckend. In der Toskana haben wir wunderschöne Szenen in einem Olivenhain gedreht. Das war fast wie Urlaub (lacht). Wir haben uns auch alle sehr gut verstanden, die Produktion war ein Glückstreffer.

Was hat Sie an der Rolle der Zigeunerin Saviya gereizt?

Helen Woigk: Das war eine schwere Zeit für Frauen damals. Saviya setzt ihre Reize und Talente ein, um zu überleben. Sie hat eine besondere Ausstrahlung und auch eine gewisse Klugheit.

War das eine Traumrolle für Sie? Ein leidenschaftliches, sinnliches und selbstbestimmtes Zigeunermädchen zu spielen?

Helen Woigk: Ja, auf jeden Fall.

"Der Wow-Effekt"

Glauben Sie selbst auch an die Liebe auf den ersten Blick? Wie bei Saviya und Richard?

Helen Woigk: Ich glaube daran, dass man von einem anderen Menschen komplett gefesselt werden kann. So, dass man nicht mehr loslassen kann. Ob sich das dann zu einer wahren Liebe entwickelt, das kann man ja im ersten Moment nicht unbedingt sagen. Aber es gibt natürlich so einen Wow-Effekt, einen Magic-Moment. Richard und Saviya haben das Gefühl, dass das Schicksal sie zusammengeführt hat. Schon als Kinder. Das hat mich fasziniert und geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf.

Tanja Kinkel hat die Romanvorlage geschrieben. Schon mal vorher etwas von ihr gelesen?

Helen Woigk: Ich habe den Roman von Tanja Kinkel vorher nicht gelesen: Weil ich frei sein wollte von den Bildern, die beim Lesen zwangsläufig entstehen. Ich wollte die Figur aus mir selbst heraus entwickeln.

Der Film ist stark besetzt. Wie war die Zusammenarbeit mit einer Schauspielgröße wie Ulrich Matthes?

Helen Woigk: Zum Glück musste ich in der Rolle Ulrich Matthes gegenüber Respekt und Ehrfurcht darstellen. Deswegen hat das ganz gut gepasst, da ich das auch wirklich empfunden habe, weil ich ihn für einen großartigen Schauspieler halte. Das war sehr spannend.

Ein Weihnachtsfilm?

"Die Puppenspieler" erzählt ja nicht gerade eine Weihnachtsgeschichte. Passt der Stoff trotzdem in die besinnliche Zeit?

Helen Woigk: Ja, es ist natürlich kein Märchen, weil er eine grausame historische Realität zeigt. Aber man wird trotzdem in eine andere Welt versetzt. Und gerade zur Weihnachtszeit ist es doch schön, sich auf dem Sofa in eine andere Epoche entführen zu lassen.

Werden Sie sich den Film noch mal im Fernsehen anschauen?

Helen Woigk: Natürlich! Ich werde meine Familie und Freunde zusammentrommeln und wir werden ihn dann zusammen anschauen. Da bin ich natürlich auch noch mal ganz schön aufgeregt (lacht).

Frau Woigk, was sind Ihre nächsten Pläne und woran arbeiten Sie gerade?

Helen Woigk: Dieses Jahr habe ich wieder unter der Regie von Dieter Wedel bei den Festspielen in Bad Hersfeld mitgewirkt. Vielleicht spiele ich auch nächstes Jahr wieder Theater. Im November drehe ich noch in kleiner Rolle für den Kinofilm "Das Leben meiner Tochter" im Schwarzwald.

Was ist der Unterschied zwischen Film- und Theaterarbeit?

Helen Woigk: Im Theater liefere ich mich live den Zuschauern aus. Es darf kein Fehler passieren und es gibt nur eine Chance. Man erfährt direkt, wie das Publikum reagiert und was es davon hält.

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Helen Woigk: Mein Wunsch für nächstes Jahr? Ich hoffe, dass mehr Liebe auf der Welt verbreitet wird, und will viel spielen, entdecken und erobern.

Interview: Björn Sommersacher

15.12.2017, 14.26 Uhr

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