Fragen an Ulrich Matthes

Zum Zweiteiler "Die Puppenspieler"

Ulrich Matthes spielt im Zweiteiler "Die Puppenspieler" den spanischen Kardinal Borgia, der um jeden Preis Papst werden will. rtv hat mit dem Schauspieler über den Spaß am Spielen und sein eigenes Verhältnis zur Kirche gesprochen.

Einmal Pontifex

Spätestens seit seiner Rolle als Joseph Goebbels in Oliver Hirschbiegels "Der Untergang" (2004) zählt der 1959 in Berlin geborene Schauspieler Ulrich Matthes zu den ganz Großen im deutschen Film- und Theaterwelt. In "Die Puppenspieler" spielt er den spanischen Kardinal Borgia, der später Papst wird. rtv hat mit Ulrich Matthes über den Film, seine Rolle und sein eigenes Verhältnis zur Kirche gesprochen. 

Ulrich Matthes ... 

Ulrich Matthes (M.) mit den rtv-Redakteuren Andreas Herden (l.) und Björn Sommersacher

... zur Papstrolle:

... Den Papst zu spielen, ist wie durchs Schlüsselloch eines Machtzentrums zu schauen. Auch ich, der ich kein Katholik bin, muss gestehen, dass ich, wenn ein Papst stirbt, das Konklave dann mit Spannung verfolge. Schon allein um zu sehen, ob sich ein Liberaler oder die Betonfraktion durchsetzt. Mal einen solchen Menschen zu verkörpern, mit all seiner Machtbesessenheit, die Borgia zweifellos hatte, das war wirklich prickelnd. 

... zu den Rollen, die er meistens spielt:

... Das ist ja mein Schicksal, dass ich eher die Massenmörder spiele als die freundlichen Apotheker ... Aber es ist ja was Wahres dran, dass die negativen Rollen meist interessanter sind als die der reinen Sympathieträger.

... zur Frage, ob ihn die Papstrolle auch nach den Dreharbeiten in den Drehpausen noch eingenommen hat:

... Naja, es ist schon so, dass ich mir in der Drehpause mein Lätzchen umhängen und sagen kann, dass ich Kotelett mit Erbsen möchte. Ich bin nicht so in der Rolle, dass ich das auf Lateinisch bestellen müsste (grinst).

... über sein Verhältnis zur Kirche:

... Ich versuche in allen Bereichen meines Lebens so undogmatisch und antiideologisch zu sein, wie es geht. Ich bin sehr respektvoll gegenüber allen Menschen, die gläubig sind, bin es selber aber nicht.
 

Borgia lässt die Puppen tanzen

... Über Intrigen:

... Ich bin kein zur Intrige neigender Mensch, dazu bin ich zu direkt. Umso mehr Spaß macht es mir, einen Intriganten zu spielen.

... zur Frage, ob er im Film "Die Puppenspieler" eher die Puppe oder eher der Spieler ist:

... Was für eine Frage! Ich, also Borgia, lasse die Puppen natürlich tanzen! Der Vatikan war damals ja im Grunde die Weltregierung. 

... ob er sich den Film im Dezember im Fernsehen ansieht:

Nee, ich habe an beiden Abenden in Berlin am Deutschen Theater Vorstellung. Einmal Beckett, einmal Kafka. Auch schön!

Interview: Andreas Herden und Björn Sommersacher

15.12.2017, 15.05 Uhr

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