Interview mit Henriette Confurius

Zur "Tannbach"-Fortsetzung

Die Fortsetzung des 3-Teilers "Tannbach - Geschichte eines Dorfes" erzählt ein Stück deutsch-deutscher Geschichte vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Ein Gespräch mit der Hauptdarstellerin Henriette Confurius

"Als hätte ich sie selbst erlebt"

Nach dem Erfolg der halbrealen Nachkriegsgeschichte um ein geteiltes Dorf an der deutsch-deutschen Grenze setzt das ZDF die Serie "Tannbach" mit Henriette Confurius in der Hauptrolle fort. Im Interview erzählt die Berlinerin vom Gefühl, von Mauern zu erzählen, die sie selbst als Jahrgang 1991 gar nicht erlebt hat. Im Gespräch geht es aber auch um ihre Schwierigkeiten, sich als Schauspielerin zu bezeichnen, und wie wichtig der 26-Jährigen der Ausgleich als Möbelrestaurateurin ist.
 

Ideale und Disziplin

Haben Sie biografische Bezüge zur Zeit vor dem Mauerfall, in der "Tannbach" spielt?

Henriette Confurius: Geht so. Ich stamme ja aus den Niederlanden, da gab es über den Geschichtsunterricht hinaus kaum Kontakt zur deutsch-deutschen Geschichte.

Mussten Sie die Mauer quasi innerlich nachbauen, um sie auch spielen zu können?

Henriette Confurius: Nein. Vielleicht habe ich es deshalb als besonders schönen Moment empfunden, ihre Bedeutung irgendwann wirklich zu spüren, als hätte ich sie selbst erlebt. Und umso anspruchsvoller war es, meine Figur hoffnungsvoll an den Sozialismus glauben zu lassen, während ringsum alles den Bach runtergeht.

Können Sie selbst Ihren Idealen treu bleiben, auch wenn die Umwelt daran rüttelt?

Henriette Confurius: Ich kann es gut nachvollziehen, dass jeder in "Tannbach" aufrichtig für seine Ideale einsteht, auch wenn es offensichtlich die falschen sind. Aber ich selbst bin weder idealistisch noch allzu prinzipientreu. Dafür finde ich Menschen viel zu spannend, die anders denken als ich, andere Zugänge zur Welt haben. Manchmal beneide ich Leute, die einfach alles über den Haufen werfen können. Ich selbst bin dafür vermutlich zu diszipliniert.

Auch bei der Arbeit?

Henriette Confurius: Bei der besonders.
 

Nebenberuf: Restaurateurin

Hat das damit zu tun, dass Sie als Kind in den Beruf hineingewachsen sind, aber keine richtige Schauspielausbildung haben?

Henriette Confurius: Womöglich. Aber ich wollte ja schon deshalb keine Ausbildung machen, weil ich vergleichsweise lang gebraucht habe, um mich wirklich für diesen Beruf zu entscheiden. Gerade weil ich durch meine Mutter, die Schauspielerin ist, sehr früh damit in Kontakt geraten bin und mit acht Jahren erstmals vor der Kamera stand, habe ich mich stets in andere Richtungen umgesehen, wo meine Interessen noch so liegen könnten.

Zum Beispiel?

Henriette Confurius: Ich arbeite nebenbei als Möbelrestaurateurin.

Dann suchen Sie sich nach Drehschluss einen alten Bauernschrank und bringen ihn auf Vordermann?

Henriette Confurius: Zum Beispiel, kein Witz. Ich habe zum Glück einen Meister, der viel Verständnis für meine Terminlagen hat.

Aber die Zeit fürs Restaurieren wird knapper - so gut, wie Sie im Geschäft sind.

Henriette Confurius: Stimmt schon, aber ich nehme mir sehr bewusst den Freiraum, mal ein halbes oder ganzes Jahr nicht zu drehen. Trotzdem freue ich mich auf die Projekte 2018.

Interview: Jan Freytag

Anmerkung der Redaktion: Henriette Confurius spielt u.a. im Dokudrama "Novembersturm" die Verlobte des Arbeiterführers Karl Artelt. Thema ist der Kieler Matrosenaufstand, der zur Novemberrevolution im Deutschen Reich und zum Entstehen der Weimarer Republik führte. NDR und Arte wollen den Film anlässlich des 100. Jahrestages der Revolution im November 2018 zeigen.
 

Wie die Geschichte weitergeht ...

Die neuen "Tannbach"-Folgen nehmen die Erzählbögen der ersten Staffel, die 2015 im ZDF lief, wieder auf und spannen sie vor dem Hintergrund des Kalten Krieges neu. Anna Erler (Confurius) ist eine überzeugte Sozialistin und Funktionärin aus Leidenschaft geworden. Ihrem Mann Friedrich kommen allerdings Zweifel am System. Annas Vater Georg von Striesow lebt auf der westlichen Seite. Er profitiert vom Wirtschaftswunder, ist aber inzwischen ein verbitterter "Kalter Krieger". Hilde Vöckler (Martina Gedeck) lebt in der DDR und gerät in die Fänge der Stasi ...

 

29.12.2017, 11.29 Uhr

Interview empfehlen