Interview mit Bettina Lamprecht

Zum Beziehungsfilm "Südstadt"

Beziehungsfragen: In Matti Geschonnecks Ensemblefilm "Südstadt" spielt Bettina Lamprecht eine Mutter zwischen Beruf und Familie. rtv hat die Schauspielerin getroffen.

"Der Film wirft Fragen auf"

Sie war die Krankenschwester in der ZDF-Krankenhausserie "Bettys Diagnose" und sie ist "Pastewkas" Nachbarin Svenja Bruck in der gleichnamigen Kult-Comedy. In "Südstadt" geht es etwas ernster zu. Auf kluge und unvoreingenommene Weise verhandelt der Beziehungsfilm von Matti Geschonneck ("Boxhagener Platz") die Probleme dreier Paare in einer immer komplexer werdenden gesellschaftlichen Realität. rtv hat mit Bettina Lamprecht über ihre Rolle, die Herausforderungen des modernen Beziehungslebens und ihre Pläne gesprochen.
 

Komplexes (Beziehungs-)Leben

Frau Lamprecht, "Südstadt" ist ein typischer Ensemblefilm, bei dem alle Hauptrollen gleichwertig sind. Wie waren die Dreharbeiten?

Bettina Lamprecht: Es ist klasse mit Kollegen zu arbeiten, die man schätzt. Anke Engelke und Matthias Matschke und Alexander Hörbe kannte ich vorher schon. Es war eine Freude Andrea Sawatzki und Dominic Raacke auch als sehr humorvolle Ensemble-Spieler kennenzulernen.

Ihre Figur Saskia Fröhlich hat das Bedürfnis, nach einer längeren Kinderpause wieder zu arbeiten. Sie "will endlich wieder bei den Erwachsenen mitspielen." Für Sie als Mutter eines Sohnes verständlich?

Bettina Lamprecht: Das ist total nachvollziehbar. Nach fünf Jahren Job-Pause ist es nur normal, diesem Bedürfnis wieder nachgehen zu wollen. Gleichzeitig hat Saskia natürlich auch das Bedürfnis nach Familie. Ihr fehlt die Unterstützung.

Glauben Sie, dass Matti Geschonneck die Probleme moderner Paare in der heutigen Gesellschaft mit seinem Film trifft?

Bettina Lamprecht: Ich finde schon. Der Film zeigt, wie komplex unser Leben und unsere Beziehungen sind. Bezogen auf meine Figur: Eigentlich leben wir in einer Generation, die glaubt, dass es normal ist, dass Frauen mit Familie und Kindern recht schnell wieder arbeiten. Wie man im Film sieht, gibt es die klassische Man-Frau-Situation aber doch noch sehr häufig. Woher kommen die Probleme? Vielleicht hat Saskia schon zu lange ihre Bedürfnisse unterdrückt und nicht artikuliert. Die Art, wie das Paar miteinander spricht, kann dauerhaft nicht gesund sein. Da entstehen Einsamkeit, Frust und Überforderung, wie auch bei allen anderen Figuren in dem Film.

Sie wurden in Ilmenau geboren. Hat man es in ländlichen Regionen als Paar leichter?

Bettina Lamprecht: Das glaube ich nicht. Kommunikation ist ja kein Stadtproblem.

Eine ziemlich düstere Sicht, die der Film auf das moderne Beziehungsleben wirft ...

Bettina Lamprecht: Ja, auf jeden Fall wirft der Film Fragen auf. Aber ich finde es spannender, sich unserem komplexen Leben zu stellen, als in einem patriarchalen System gefangen zu sein, in dem alles schon vorherbestimmt ist.
 

Wodka auf Russisch

Schauen Sie sich den Film im TV noch mal an?

Bettina Lamprecht: Ja, ich guck mir die Sachen an. Auch wenn es manchmal dauert, bis ich mich an mich selbst gewöhnt habe. Ich lerne viel beim gucken.

Stichwort komplexe Welt: Was haben Sie für einen Ausgleich?

Bettina Lamprecht: Ich habe das Glück in meinem Beruf auch mal lange frei zu haben, da spiele ich Klavier, mache Sport oder lerne eine Sprache, die ich nie brauche. Obwohl gerade war ich in Moskau. Da konnte ich dann Wodka auf Russisch bestellen. Ist auch schon was.
 

Paraderollen

Vermissen Sie ihre "Betty" aus der ZDF-Vorabendserie?

Bettina Lamprecht: Ich habe die Rolle sehr gerne gespielt. Es war schön, so viel Zeit mit nur einem Projekt zu verbringen. Man entwickelt dabei eine Selbstverständlichkeit für die Rolle. Das ist ein tolles Gefühl. Aber ich will mich auch inhaltlich immer wieder gerne herausfordern.

Selbstverständlichkeit für eine Rolle: Gilt das auch für Ihre Svenja Bruck bei "Pastewka"?

Bettina Lamprecht: (lacht) Ja, genau, das ist auch so was.

Die neue Staffel "Pastewka" gibt es exklusiv bei Amazon. Liegt die Zukunft des Qualitätsfernsehens im Netz?

Bettina Lamprecht: Ich hoffe, dass die öffentlich-rechtlichen Sender durch die momentanen Entwicklungen weiterhin aufgerüttelt werden und sich manche Positionen verjüngen, damit mehr Raum entsteht für Wagemut.

Was sind ihre Pläne für die Zukunft?

Bettina Lamprecht: Ich werde in diesem Sommer wieder mit Matti Geschonneck zusammenarbeiten, worauf ich mich sehr freue. Außerdem spiele ich Theater. Und eine neue Staffel Pastewka drehen wir dieses Jahr auch.

Interview: Björn Sommersacher

19.2.2018, 14.09 Uhr

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