Interview mit Zsa Zsa Bürkle

Zum Zweiteiler "Gladbeck"

Zsa Zsa Bürkle spielt im Drama "Gladbeck" die Rolle der Geisel Silke Bischoff, die im finalen Schusswechsel ums Leben kam. rtv hat mit der Schauspielerin gesprochen.

Wie in einer "Panikkapsel"

Zsa Zsa Bürkle wurde bekannt als Trude in der Kinderfilmreihe "Die wilden Hühner". Auch in der Arztserie "Doctor’s Diary" hatte die 1995 in Pforzheim geborene Schauspielerin eine durchgehende Rolle. Alles eher leichte Kost im Vergleich mit ihrem fordernden Part im ARD-Zweiteiler "Gladbeck". Bürkle spielt die Geisel Silke Bischoff, die das Drama nicht überlebt hat.    

Frau Bürkle, Sie spielen Silke Bischoff, die Frau, die bis zum Schluss in der Gewalt der Geiselnehmer war und das Drama nicht überlebte. Wie waren die Dreharbeiten?

Zsa Zsa Bürkle: Sehr anstrengend, psychisch und physisch sehr belastend. Für alle Beteiligten, denke ich. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Kilian Riedhof war toll, auch mit den Kollegen fantastisch. So dass man trotz dieser ständigen Panikkapsel, in der man agierte, sehr guten Halt bekommen hat.

Haben Sie von dem Geiseldrama schon vorher etwas gewusst?

Zsa Zsa Bürkle: Nein, ich hatte davon noch nie gehört, bis zum ersten Casting. Meine Mutter hatte mir dann davon erzählt. Sie hatte das am Fernsehen mitverfolgt.

Was haben Sie gedacht, als Sie die Rolle bekommen haben?

Zsa Zsa Bürkle: Ich habe mich sehr gefreut. Es ist eine Rolle, vor der ich sehr viel Respekt und Ehrfurcht hatte, die mich auch eingeschüchtert hat – aber eine Rolle, die man spielen muss.

Warum eingeschüchtert?

Zsa Zsa Bürkle: Wenn man die Geschichte von einem echten Menschen erzählt, will man der Person natürlich gerecht werden. Man will ja keine Imitation sein, sondern die Rolle selber zum Leben erwecken, das ist schwierig.
 

"Da kriegt man wirklich Angst"

Ihnen wird, wenn auch nur im Film, eine ganze Zeit lang eine Waffe an den Kopf gehalten ...

Zsa Zsa Bürkle: Da kriegt man wirklich Angst. Es ist beängstigend, gruselig, unangenehm, alles zugleich.

Kollege Alexander Scheer hat den Geiselnehmer Degowski gespielt, kann man in den Drehpausen dann lässig mit ihm einen Kaffee trinken gehen?

Zsa Zsa Bürkle: Nein, nicht wirklich. Ich glaube, das ist es auch, was diese Dreharbeiten so anspruchsvoll gemacht hat. Man bleibt eine Weile in diesem Zustand, kann die Situation nicht einfach so abschütteln.

Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Alexander Scheer?

Zsa Zsa Bürkle: Super, ich mag Alexander sehr gerne. Er ist ein fantastischer Schauspieler. Wir verstehen uns blendend. Er war wie ein Fels bei den Dreharbeiten.

Wie haben Sie das Ende der Dreharbeiten empfunden?
 

Gemischte Gefühle

Zsa Zsa Bürkle: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich war schon traurig, als es vorbei war, weil das Team so zusammengewachsen war. Aber es war halt wirklich ein Ritt.

Haben Sie sich die realen Szenen der Entführung, die ja ausführlich mitgefilmt wurden vor 30 Jahren, alle angesehen?

Zsa Zsa Bürkle: Ja, wirklich schockierende Bilder, ich konnte am Anfang gar nicht glauben, dass das echt ist. Wir sind mit unserem Film wirklich sehr nah dran, aber wir wollten diese Realität natürlich nicht imitieren oder nachstellen, sondern unserer Charaktere auch selbst zum Leben erwecken.

Fahren Sie heute noch Bus?

Zsa Zsa Bürkle: Auf keinen Fall, nie mehr (lacht). Doch, schon. Aber wenn ich den roten Bus sehe, dann mache ich kehrt und laufe in die andere Richtung.

Interview: Andreas Herden

26.2.2018, 17.03 Uhr

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