Interview mit Oliver Kahn

"Die WM sollte etwas Besonderes bleiben"

Seit zehn Jahren arbeitet Oliver Kahn als Experte für das ZDF. Ein Gespräch über Fußball, die Nr. 1 und Baden-Baden

Die Fußball-WM in Russland

Am 14. Juni beginnt die Fußball-WM 2018 in Russland mit dem Spiel des Gastgebers gegen Saudi-Arabien. ARD und ZDF übertragen alle 64 Spiele live, aber nicht alle TV-Macher sind vor Ort. Wie schon beim Confed-Cup 2017  werden die Übertragungen aus einem SWR-Studio in Baden-Baden gesteuert.  Wir haben mit Oliver Kahn gesprochen, Torwartlegende und seit zehn Jahren für das ZDF als Experte aktiv.

Herr Kahn, Welche Frage diese WM betreffend können Sie nicht mehr hören?  
Oliver Kahn: Die Frage, wer Weltmeister wird und wer die Favoriten sind.

Sie werden nicht in Moskau sein, sondern aus dem Studio in Baden-Baden berichten. Ein Nachteil?

Oliver Kahn: Natürlich ist es schon von Vorteil, wenn man im Land ist und etwas von der Stimmung mitbekommt. Für einen Experten ist es aber aufgrund der technischen Entwicklung heute nicht mehr absolut notwendig. Baden-Baden kenne ich natürlich in- und auswendig, das ist nur ein paar Kilometer von meinem Geburtsort Karlsruhe entfernt, da bin ich quasi zu Hause. Also, ich finde, es gibt Schlimmeres, als die WM von dort zu begleiten.

Wie lange wollen Sie noch Experte sein?

Oliver Kahn: So lange es Spaß macht. Mir ist das Expertentum sehr wichtig, weil es mich im Fußball auf sehr hohem Niveau hält. Durch die Vorbereitungen auf WM- oder EM-Endrunden oder Champions-League-Spiele weiß ich immer sehr genau, was im Weltfußball passiert, welche Spielertypen gefragt sind und welche taktischen Entwicklungen es gibt. Das sind Fragen, mit denen ich mich nicht so intensiv auseinandersetzen würde, wenn ich nicht mehr beim Fernsehen wäre.

Die Champions League geht Ihnen jetzt verloren, weil das ZDF sie nicht mehr zeigt …

Oliver Kahn: Keine Champions League mehr im Free-TV, das ist schon ein bisschen traurig. Aber so ist das nun mal. Vielleicht ändert sich das ja auch wieder einmal.

Es wird darüber diskutiert, eine WM-Endrunde mit 48 statt mit 32 Teams zu veranstalten. Würden Sie das begrüßen?

Oliver Kahn: Ich halte nichts von Inflationierung im Fußball, das ist nur eine weitere Aufblähung von Wettbewerben. Die Fußball-Weltmeisterschaft sollte etwas ganz Besonderes bleiben, das sich jeder anschauen kann. Das heißt dann aber auch, dass da nur die besten Mannschaften mitspielen sollten. Ansonsten sehe ich eher eine Verwässerung und in der Folge ein nachlassendes Interesse an den WM-Spielen.

Ist Manuel Neuer noch Deutschlands Nr. 1? 

Oliver Kahn: Natürlich ist er die Nummer  1, wenn er fit ist. Die Frage ist nur, ob er es sich zutraut, nach so einer langen Verletzungspause gleich eine WM zu spielen. Das ist schon abenteuerlich, aber ich traue ihm das zu.


Interview: Katharina Montada/Andreas Herden

5.6.2018, 6.28 Uhr

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