Im Gespräch mit Manuela Thoma-Adofo, der "Miss 50 plus Germany 2018"

Das Leben nach der Misswahl

Vor einem halben Jahr wurde Manuela Thoma-Adofo zur schönsten Frau Deutschlands über 50 gewählt. Und dann? Ein Gespräch über Werte, Nacktfotos, das Schreiben und den Tod  

Open-Air-Shooting ohne Visagisten: Manuela Thoma-Adofo punktet mit Natürlichkeit und Spontaneität

"Einfach genial"

Ein Tag im Sommer. Ich bin verabredet mit der schönsten Frau Deutschlands über 50. Als die sie sich nicht sieht. Dazu später mehr. Ich hole sie vom Zug ab, und als sie den ICE verlässt, zieht sie sofort Blicke auf sich. Viele Blicke. Manuela Thoma-Adofo ist die amtierende "Miss 50 plus Germany" – eine Aktion dieser Zeitschrift rtv und der Miss Germany Corporation. Vor einem halben Jahr kürte eine Promi-Jury die 50-Jährige. Ich will mich mit ihr unterhalten darüber, was passiert ist seitdem – nachdem der ganz große Medienrummel abgeebbt war.

Welche Erwartungen wurden enttäuscht, welche übertroffen? Wie fühlt man sich als eine Frau, an der, wie eine große deutsche Zeitung schrieb, "alles stimmt"? 

Wir machen Fotos. Ich merke: Die Frau hat Model-Erfahrung. Und sich trotzdem Natürlichkeit bewahrt. Herzlich lacht sie über die mauen Scherze der Vorübergehenden. Diese Frau ist geladen. Positiv geladen, bis in die Spitzen ihrer Locken, die die Sonne auf sich zu ziehen scheinen. 

Als wir später beim Italiener sitzen, Blick über den großen Marktplatz, und der Kellner, für den ich unsichtbar zu sein scheine, saltischlagend nach ihren Wünschen fragt, sind wir schnell bei Themen, die erst mal nicht zu einer Schönheitskönigin passen wollen: dem Schreiben und dem Tod.

Seit 22 Jahren arbeitet Manuela Thoma-Adofo ehrenamtlich als Sterbebegleiterin. Und sie schreibt – ja, wie lange eigentlich schon? "Mit 5 Jahren hab’ ich ein Weihnachtsgedicht verfasst und danach mit dem Schreiben nicht mehr aufgehört." Zwei Gedichte aus ihrem aktuellen Buch "33 Grausamkeiten II" liest sie mir vor. Sie sind scharfsinnig, entlarvend, witzig. "Wilhelm Busch 2.0", urteile ich. Mein Kompliment verhallt.

Die Wunschliste 

Wie es ihr ergehen wird, wenn sie im November 2018 ihre Krone weitergibt an ihre Nachfolgerin als "Miss 50 plus Germany", will ich wissen. "Ich werde mich fragen, ob ich genug gemacht habe aus diesem Jahr", ist die Antwort, und sie gibt sie sich selbst: "Ja!" Die Begründung folgt sogleich: "Wenn ich diesen Titel dazu genutzt habe, um etwas für die Hospizbewegung zu erreichen, dann ist es gut. Wenn nur einige Menschen erkennen, dass der Tod leichterfällt, wenn er nicht tabuisiert wird. Wenn ich, ja: Ein bisschen Farbe in den Tod gebracht habe." So selbstlos? Nein, lacht sie, ein paar Wünsche gäbe es da schon noch: Ein Werbevertrag wäre nicht schlecht. Und wenn die Verkaufszahlen ihrer Bücher nach oben gehen würden, hätte sie auch nichts dagegen. 

Ach ja, und wenn der Playboy anriefe, würde sie sagen: Gebt mir sechs Wochen Vorlaufzeit. Wieder dieses Lachen. Etwas lauter als sonst hier üblich. Die Leute schauen schon. Nicht nur deswegen.

Schönste Frau Deutschlands über 50 – wie fühlt sich das an? "Das bin ich nicht! Schauen Sie sich um: Schöne Frauen gibt es zuhauf – in jedem Alter. Ich habe nur einen Wettbewerb gewonnen." Und der Spruch von der "Frau, an der alles stimmt"? –  "… erspart mir alle Therapeuten bis ans Lebensende!" Was ist wirklich wichtig für sie? "Ich zu sein. Mit allen Widersprüchen. Eine Frau, die den Glamour liebt, aber Partys meidet, eine Rampensau ist, aber auch einen Schrank schneller zusammenbauen und ein Auto besser reparieren kann als 80 % der Männer." Und, nach einer Weile: "Ich will gut sein, zu anderen Menschen und zu mir. Die Begleitung Sterbender gibt mir mehr, als sie mir nimmt – und manchmal nimmt sie mir viel. Dann heul’ ich nur noch." Sagt sie – und lacht. 

Was ihr diese Tätigkeit auch gegeben hat: ihren Lebensgefährten Rudi, dessen Mutter sie in deren letzten Tagen begleitet hat. Vergangenheit ist die Ehe mit Olympiasieger Dieter Thoma, Gegenwart die beiden Kinder aus dieser Verbindung. Drei hat Rudi in die Beziehung gebracht: "Beutekinder …" Dass die Mutter, die Tochter, der Lebensgefährte dabei waren am Abend des Titelgewinns, sei ihr wichtiger gewesen als der Sieg. Ihr glaubt man das. 

Was bedeutet Schönheit für eine Schönheitskönigin? "Schönheit hat nicht nur mit Optik zu tun! Wer schön lacht, ist schöner als jemand, der ein ebenmäßiges Gesicht, eine gerade Nase und reine Haut hat." Und, übrigens: "Schönheitskönigin ist nicht mein Beruf. Ich bin Autorin!" 

Schönheits-OPs und Botox sind denn auch kein Thema für sie. "Vor Eingriffen habe ich Angst. Und ich will nichts in mir tragen, das später mal Sondermüll ist." 

Recycling-Schorsch und die Autogrammkarten

"Miss 50plus Germany" aber ist sie gerne, das merke sie an kleinen Begegnungen. Etwa mit Schorsch vom Wertstoffhof der oberbayerischen Gemeinde, in der sie lebt. "Der hatte Tränen in den Augen, als er mir zum Sieg gratulierte." Und sie bat, ihr eine Autogrammkarte mit Widmung zu geben, wenn sie denn mal welche hätte. Hat sie längst. Braucht man mit so einem Titel. Den sie in vollen Zügen genießt: "Zu gewinnen war einfach genial!!"

Interview: Matthias Roth

13.8.2018, 11.15 Uhr

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