Interview mit Gisela Pauly

Die Preisträgerin des 1. rtv-Literaturpreises

Große Freude bei Gisa Pauly, die von den Lesern der rtv zur ersten Gewinnerin des rtv-Literaturpreises gewählt wurde! Herzlichen Glückwunsch!

"Ich schreibe für Leser"

Wir sind tief beeindruckt! Davon, wie viele von Ihnen bei unserem ersten rtv-Literaturpreis mitgemacht haben. 10 ausgeloste Teilnehmer erhalten Buchpakete mit Titeln der Verlage Heyne, Blessing und Diana. Die Gewinner finden Sie hier! Einen Preis verdient hätten alle Leserinnen und Leser, die mitgemacht haben! Auf den ersten Platz haben Sie Gisa Pauly gewählt, gefolgt von Sebastian Fitzek und Charlotte Link. Die Siegerin war ebenso überrascht und erfreut, als wir sie informiert haben. Und findet einen Publikumspreis wertiger als den einer Fachjury ...

Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und veröffentlichte 1994 das Buch „Mir langt’s – eine Lehrerin steigt aus“. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin und Journalistin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Ihre Sylt-Krimis um die temperamentvolle Mamma Carlotta erobern regelmäßig die SPIEGEL-Bestsellerliste, genauso wie ihre erfolgreichen Italien-Romane. Ihre aktuellen Bücher: „Jeder lügt, so gut er kann“ (Pendo Verlag, 16 Euro) sowie „Wellenbrecher“ (Piper, 11 Euro), der 12. Band aus der „Mamma Carlotta“-Reihe. 

Hier finden Sie die Top-30-Rangliste der genannten Autoren und die Gewinner der Buchpakete ...

Waren Sie überrascht, als Sie erfahren haben, dass Sie die erste Preisträgerin des rtv-Literaturpreises sind?

Gisa Pauly: Ja, sehr! Ich habe über facebook von der Aktion erfahren. Fand ich eine tolle Idee! 

Zur Teilnahme waren ja die über 10 Millionen Leserinnen und Leser der rtv aufgerufen. Eine potenziell riesige Jury, aber keine Fachjury. Welchen Stellenwert hat für Sie ein solcher Publikumspreis?

Gisa Pauly: Wenn ich ehrlich bin, ist mir das viel mehr wert, denn ich schreibe ja nicht für Fachleute, sondern für die breite Leserschaft, und da ist es mir lieber, von den Leserinnen und Lesern zur Lieblingsautorin gewählt zu werden als von einer Fachjury. 

Die Liste Ihrer Bücher ist lang. Wie schafft man ein solches Quantum?

Gisa Pauly: Es macht mir einfach Spaß! Ich empfinde es auch nicht als Arbeit. Ich schreibe jeden Tag, auch am Wochenende, das gehört einfach zu meinem Leben dazu. Das ist also nicht wie ein Beruf – ich bin früher ja mal Lehrerin gewesen, da hätte ich nicht unbedingt freiwillig sehr viel mehr gearbeitet als ich musste (lacht). Aber beim Schreiben empfinde ich das als ganz anders. 

Früher haben Sie auch Drehbücher fürs TV geschrieben. Was macht mehr Spaß: Bücher oder Drehbücher zu schreiben?

Gisa Pauly: Das Bücherschreiben! Drehbuchschreiben für eine Serie hat auch Spaß gemacht – in Bildern zu denken, fand ich spannend. Aber man muss die eigene Kreativität sehr einschränken. Man ist an Vorgaben gebunden und an die Geschichte, die sich ein anderer ausgedacht hat. Deswegen finde ich eigene Bücher zu schreiben letztlich schöner. 

Und in welchem Genre schreiben Sie am liebsten?

Gisa Pauly: Es ist jetzt der Krimi geworden, ich hab aber auch schon andere Bücher geschrieben. Ich kann nicht sagen, dass ich unbedingt Krimis schreiben möchte, ich hab auch schon eine Familiengeschichte geschrieben und historische Romane. Eigentlich sind mir alle Sparten recht. 

"Mamma Carlotta" im TV?

Eine ihrer Hauptfiguren ist die „Mamma Carlotta“. Wie entsteht so eine Figur?

Gisa Pauly: Sie ist so ganz langsam in mir entstanden. Ich hatte grundsätzlich die Idee, zwei Temperamente aufeinander prallen zu lassen. Da war für mich klar: Das eine muss Italien sein, bei der anderen Seite habe ich mich letztlich für Sylt entschieden, weil ich die Insel vom Urlaub gut kannte. Ich liebe die Italiener, das italienische Denken, italienische Frauen, wie Carlotta eine ist.

Wären die „Mamma Carlotta“-Bücher nicht prädestiniert für eine Verfilmung? 

Gisa Pauly: Natürlich! Das ist auch schon öfter zur Sprache gekommen. Aber es ist nie was draus geworden. Erst fand ich die Idee ganz toll, andererseits finde ich es auch schön, wenn die „Mamma Carlotta“ in den Köpfen der Leser bleibt und nicht vor ihren Augen. Eine Besetzung kann ja auch viel kaputt machen. Da hat man als Autor keinen Einfluss drauf. Vielleicht ist es ganz gut, wenn jeder seine eigene „Mamma Carlotta“ im Kopf hat. 

Welches völlig überraschende Buch wollen Sie noch schreiben? Thriller, Sci-Fi, …?

Gisa Pauly: Ach, ich lass es auf mich zukommen. Ich hatte mal ein Thema, das hab ich lange mit mir rumgetragen, das wurde dann „Die venezianische Liebe“, das fiel ein bisschen aus dem Rahmen: Das war etwas ernster.

Apropos: Gilt noch die Unterteilung der Literatur in E und U?

Gisa Pauly: Ich sehe das nicht so. Es ist im Übrigen viel schwerer, heiter zu schreiben, die Leser zum Lachen zu bringen als zum Weinen. Sie zu erschüttern, ist eigentlich ganz leicht. 

Welche Bedeutung haben das Schreiben und das Lesen in unseren digitalen Zeiten?

Gisa Pauly: Für mich persönlich hat das noch eine ganz große Bedeutung. Ich sehe mit großer Sorge, wie sich das Lesen so entwickelt. Ich hab inzwischen auch ein e-Book, aber am liebsten habe ich noch Bücher in der Hand, wo ich das Papier spüre und rieche. Ich finde es schon schlimm, wenn ich sehe, wie junge Leute und Kinder vom Lesen weggeführt werden. Fernsehen ist da ja fast schon harmlos bei den ganzen Handy-Spielen und was da so läuft. Ich hab aber keine Idee, wie man das verhindern kann. 

Werden die Menschen in 20 Jahren noch Bücher, Zeitschriften und Zeitungen lesen?

Gisa Pauly: Ja, das glaube ich unbedingt, auch wenn es Schritt für Schritt zurückgehen wird. 

Gibt es für Schriftsteller einen Ruhestand?

Gisa Pauly: Ja, das gibt es schon, aber ich glaube, das interessiert keinen Schriftsteller. Ich will schreiben, so lange ich kann!

Interview: Matthias Roth

9.10.2018, 5.54 Uhr

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