Interview mit Natalia Belitski und Ken Duken

Zur Ausstrahlung der Serie "Parfum"

Im Sechsteiler "Parfum" spielt rtv-Titelstar Ken Duken einen Tatverdächtigen. Natalia Belitski seine Frau. Wir haben mit beiden gesprochen.

"Pures Entertainment"

Das ZDF wagt sich an eine Neuauflage von Patrick Süskinds "Das Parfum" und geht auch bei der Ausstrahlung neue Wege. Mit Ausstrahlung der ersten Folge "Das Parfum" auf ZDFneo stellt das ZDF alle sechs Episoden in die Mediathek. Der Zuschauer hat im Folgenden die Wahl, ob er auf die Ausstrahlung bei ZDFneo wartet (mittwochs, jeweils zwei Folgen) oder sich gleich alle Folgen am Stück ansieht. Das hat schon bei der "Protokollantin" funktioniert. Und das Erste vermeldete auf diese Art mehr als 3,3 Millionen Abrufe der Serie "Babylon Berlin". Ganz Geduldige allerdings warten, bis "Parfum" im ZDF Hauptprogramm läuft – Anfang des Jahres 2019.

Wir haben mit den "Das Parfum"-Hauptdarstellern Ken Duken und Natalia Belitski gesprochen, und wollten u.a. wissen: Gibt es den perfekten Duft?

Frau Belitski, Herr Duken, die neue Serie heißt "Parfum". Inwiefern taucht Patrick Süskinds Buch in der Serie auf?

N.B.: Es geht um die Thematik des Riechens. Ansonsten spielt das, was in dem Buch passiert, nicht wirklich eine Rolle. Es geht darum, dass in der Vergangenheit eine Clique von Jugendlichen von dem Buch inspiriert wird und dass in der heutigen Zeit eine Reihe von Morden geschehen nach der Methode, wie sie in dem Buch beschrieben wird.

Welche Rolle spielen denn Düfte oder Gerüche in Ihrem Leben?

N.B.: Eine extrem wichtige. Für mein Wohlbefinden, wie ich mich zu Menschen positioniere. Das gilt natürlich auch für Geruchsbelästigung (lacht). Wenn also jemand im Theater deutlich zu viel Parfum aufgelegt hat, könnte ich mich aufregen.

Herr Duken, geht Ihnen das auch so?

K.D.: Ja, ich denke auf zwei Ebenen. Das eine ist die bewusste, das andere die unterbewusste. Es ist viel prägender, was im Unterbewussten mit einem passiert, als man denkt. Ob man sich von einem Menschen hingezogen fühlt oder ob man Aversionen hat, ist oft durch den Geruch identifizierbar.

Gibt es den perfekten Duft?

N.B.: Ja, aber ich habe ihn noch nicht (lacht). Ich glaube, es gibt mehrere perfekte Düfte für einen Menschen und man kommt sicher nicht dahin, indem man verschiedene Frauen ermordet (beide lachen). Es geht um Erinnerungen. Der perfekte Parfumeur müsste einen Charakter so gut kennen, dass er weiß, welcher Geruch für was steht. Wenn er dann daraus eine Komposition kreiert, die einem eine Zeitreise ermöglicht, in die Kindheit oder zum Zeitpunkt der ersten großen Liebe, dann glaube ich, ist es perfekt.

Herr Duken, Sie haben gesagt, Ihre Figur riecht "süß-säuerlich". Wie kommen Sie denn darauf?

K.D.: Süß durch die frisch gewaschene Wäsche meiner Frau (lacht), säuerlich durch das leichte Sodbrennen und den Stress, den er sich selber macht, die Aggressionen, die er ständig in sich hat. Der hat so etwas Bitteres. Süß-säuerlich beschreibt den Charakter der Figur ganz gut.

Natalia Belitski und Ken Duken im Gespräch mit rtv-Redakteur Andreas Herden (r.)
"Geht nicht, gibt’s nicht."

Sie sind selbst auch als Regisseur tätig. Schaut man sich da beim Drehen von einem wie Philipp Kadelbach ("Unsere Mütter, unsere Väter") etwas ab?

K.D.: Ich lerne ständig. In den 21 Jahren, in denen ich diesen Beruf schon ausübe …

21 Jahre?

N.B.: Hat sich gut gehalten, ne?

K.D.: Ja, wenn ich richtig rechne, ich bin jetzt 39, habe mit 18 angefangen… In der Zeit habe ich viele Menschen getroffen und immer wieder gelernt: Geht nicht, gibt’s nicht. Und die Arbeit von Philipp ist ganz besonders. Er lässt erstmal spielen und schaut ganz genau zu. Dann stellt er Fragen und dann gibt er Impulse und lässt einen mit diesen Impulsen wieder spielen.

"Parfum" wird zuerst von ZDFneo gezeigt, ist es dennoch auch etwas für die älteren Zuschauer?

N. B.: Auch die älteren Menschen lieben Krimis und ich denke, man kann "Parfum" durchaus als Krimi verkaufen. Obwohl es viel mehr ist. Im Ernst: Die Serie ist super spannend, das ist keine Altersfrage.

K.D.: Es geht ja um menschliche Abgründe, und die gibt es in jedem Alter.

Sechs Stunden dauert die Serie insgesamt …

N. B.: Und die vergehen wie im Flug …

Wie geht es dem Zuschauer danach?

K. D.: Gut (lacht). Ich glaube, "Parfum" ist Entertainment pur. Es hängt natürlich davon ab, wie der Zuschauer gestrickt ist.

N.B.: Absolut. Wenn sich jemand gerne mit Abgründen der Menschheit auseinandersetzt, Charaktere ganz fein erzählt haben möchte, eine echte knifflige und spannende Krimistory haben möchte, dann fühlt er sich auf jeden Fall danach sehr belohnt.

Autor: Andreas Herden

6.11.2018, 5.08 Uhr

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