Interview mit Sophie von Kessel

Zur Ausstrahlung des Thrillers "Du bist nicht allein"

Im Stalking-Thriller "Du bist nicht allein" spielt Sophie von Kessel eine Frau, die um ihr Leben fürchtet. Im persönlichen Interview spricht sie über ihre multikulturelle Kindheit und eine Traumrolle 

Sophie von Kessel im Stalking-Thriller "Du bist nicht allein".

Wer verfolgt Eva Kormann? 

Sophie von Kessel in
Eva wird bedroht. Steckt der etwas zu aufmerksame Lehrerkollege (Michael Wittenborn, l.) dahinter?
Vor ihrer Tür liegen Rosen. Dann findet sie einen Briefumschlag mit Fotos von sich auf der Schwelle. Heimlich aufgenommen von ihrer Terrasse aus. Wer steckt dahinter? Der Noch-Ehemann? Der gerade wiederentdeckte alte Liebhaber? Der neue Nachbar? – Im ZDF-Thriller "Du bist nicht allein" spielt Sophie von Kessel die in Scheidung lebende Lehrerin Eva Kormann. Eine Frau, die bald nicht mehr unterscheiden kann zwischen realer Bedrohung und dunkel blühender Fantasie. Von Kessel, als Diplomatentochter in Mexiko geboren, spielt das so leidenschaftlich und überzeugend wie ihre Rolle als eigenwillige Putzfrau in der Komödie "Der nackte Wahnsinn" am Münchner Residenztheater (bis zum 31.12.). Im Interview spricht sie auch über ihre multikulturelle Kindheit und übers Älterwerden.

Als Diplomatentochter sind Sie viel gereist, alle drei Jahre umgezogen. Wie hat Sie das geprägt?

Sophie von Kessel: Wenn ich mich als Kind alle drei Jahre wieder von meinen Freunden verabschieden musste, war das natürlich eher traurig als aufregend. Als Kind interessiert einen doch nicht, ob man in Finnland, Wien oder Mexico City ist. Das Abschiednehmen war jedes Mal schwer, drei Jahre sind einfach eine sehr kurze Zeit. Man hatte sich gerade erst eingelebt und wollte dann natürlich nicht mehr weg. Und genau dann sind wir wieder umgezogen.  

Haben Sie auch etwas Positives aus Ihrer multikulturellen Kindheit mitgenommen?

Sophie von Kessel: Ich bin dadurch weltoffener geworden, kann mich schnell und gut an fremden Orten zurechtfinden und brauche nicht unbedingt mein fixes Zuhause, um mich wohlzufühlen, ich bin einfach flexibler.

Wo hat es Ihnen denn am besten gefallen?

Sophie von Kessel: Schwer zu sagen, weil ich damals noch sehr jung war. Meine Teenagerzeit habe ich in Köln verbracht – was ich sehr geliebt habe –, danach waren wir in Washingten D.C., also der krasse Gegensatz. Es hat lange gedauert, bis ich mich dort wohlgefühlt habe, aber dann war ich auch dort sehr glücklich. Als Kind und Jugendlicher setzt man sich ja ganz anders mit seiner Umgebung auseinander als ein Erwachsener. Statt der Stadt oder des Landes, in dem du lebst, interessieren dich dann eher zwischenmenschliche Beziehungen. In München bin ich jetzt schon am längsten.

Sie sind gerade 50 geworden. Wie haben Sie sich feiern lassen?

Sophie von Kessel: Ich bin überhaupt kein Party-Mensch. Deshalb gab es auch in diesem Fall kein großes Fest, sondern nur ein nettes Beisammensein mit meinen besten Freunden. 

Bilanz mit 60?

Wie denken Sie über das Älterwerden?

Sophie von Kessel: Das sind nur Zahlen. Ich konnte schon mit der 40 wenig anfangen. Vielleicht ziehe ich an meinem 60. Geburtstag Bilanz. Für mich ist das Älterwerden auch kein Schreckensgespenst. Ich freue mich stattdessen, dass ich bereits 50 werden durfte. Das ist ja auch keine Selbstverständlichkeit. Ich bin dankbar dafür, dass es mir nach wie vor gut geht.

Wie schaffen Sie es, nach wie vor, so gut auszusehen?

Sophie von Kessel: Ich glaube tatsächlich, dass ich mit guten Genen gesegnet bin. Und klar weiß ich mich zu zügeln – alles in Maßen halt.

Sie wirken in Ihren Rollen und auch privat wie eine sehr starke Persönlichkeit. Sehen Sie sich selber auch so? 

Sophie von Kessel: Das ist unterschiedlich. Es freut mich sehr, wenn ich von anderen höre, dass ich eine starke Ausstrahlung habe. Es gibt Tage, da bin ich unglücklich und habe entsprechend eine traurige Ausstrahlung. Wenn es mir gut geht, strahle ich das auch aus. So ist das Leben. Es wäre ja langweilig, insbesondere, was meinen Beruf betrifft, wenn ich nur auf einen Typ Frau festgelegt würde.

Letzte Frage: Was wäre noch eine Traumrolle für Sie?

Sophie von Kessel: Alles, was komplex und gut geschrieben ist. Ich fände es wahnsinnig schön, wenn wir es hier mal schaffen würden, eine wirklich witzige Serie zu machen – so wie die Franzosen oder Amerikaner es schaffen. Vielleicht haben wir diese Lässigkeit einfach nicht.

Interview: T&T/Wittenburg

27.11.2018, 5.00 Uhr

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