Interview mit Axel Prahl

Es gibt Berufe, zu denen sich Axel Prahl weniger hingezogen fühlt. In "Extraklasse" spielt er einen Lehrer wider Willen. Wir haben mit ihm gesprochen ..

Ralph Friesner (Axel Prahl) bekommt es als unfreiwilliger Lehrer mit einer sehr speziellen "Extraklasse" zu tun

"Drogendealer und Politiker"

Theater, Kino, TV, Musik – Axel Prahl kann viel mehr als nur den Frank Thiel aus dem Münsteraner "Tatort". Jetzt sehen wir ihn in der Rolle des Ralph Friesner, der an seinem 50. Geburtstag feststellen muss, dass er so ziemlich alles verloren hat: Traumjob, Traumfrau, Traumhaus. Das Arbeitsamt verdonnert ihn dazu, in der Abendschule einem chaotischen Haufen unterschiedlichster, nicht immer motivierter Menschen die deutsche Sprache nahezubringen. – Welchen Job würde Axel Prahl nie annehmen? Und was lernt man, wenn man miese Jobs machen muss? Wir haben ihn gefragt.   
 
Ihre Figur Ralph Friesner wird gezwungen, einen Job zu machen, den er als weit unter seinem Niveau sieht. Welchen Job würden Sie nie annehmen?

Axel Prahl: Oh Gott, soll ich das hier jetzt alles aufzählen? Also: Auftragskiller, Drogendealer, Zuhälter, Callboy, Politiker … Werden Sie pro Zeile bezahlt? Soll ich weitermachen?

Wenn man Wikipedia glauben will, haben Sie als Bierfahrer, Gleisbauer und Kellner gearbeitet. Was kann man in Jobs lernen, die in unserer Gesellschaft nicht hoch angesehen sind? 

Axel Prahl: Bei Wikipedia muss man immer vorsichtig sein. Diese Jobs habe ich zwar alle gemacht, aber es waren keine Berufe, sondern Ferienjobs. Ich denke, das ist ein kleiner Unterschied. Gut, aber was konnte ich aus diesen Jobs lernen? Im Grunde genommen kann man von allem, auf das man sich einlässt, etwas lernen. Man entwickelt ein Verständnis dafür, was es bedeutet, in diesen Berufen zu arbeiten. Sorgen und Nöte, Frustrationen und Erfolgserlebnisse. Für einen Schauspieler ist es natürlich von Vorteil, möglichst viele unterschiedliche Lebensbereiche kennenzulernen. So kann er dann gegebenenfalls auf diesen Erfahrungsschatz zurückzugreifen.

"Extraklasse" ist lustig, aber auch bitter. Hätten Sie auch in einem reinen Schulklamauk wie "Fack ju Göhte" mitgemacht?

Axel Prahl: Ich sehe "Fack ju Göhte" nicht als "reinen Schulklamauk". Der Film hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Wie Brecht sagt: "Das erkennende Lachen ist das beste Lachen." Der Film legt den Finger auf eine Wunde unserer Gesellschaft und transportiert dabei durchaus eine positive Botschaft. 

Tolle, schwierige Schulzeit

Wie hatten Sie ihre eigene Schulzeit in Erinnerung?

Axel Prahl: Das ist ein weites Feld. Es war eine tolle Zeit, aber es war auch Kampf. Ich durfte viele unterschiedliche Schulen kennenlernen. Und die Tatsache, dass ich mein Abitur auch über den zweiten Bildungsweg gemacht habe, kam mir bei unserem Film "Extraklasse" natürlich zugute.

Welche Schule wünschen Sie sich für Ihre eigenen Kinder?

Axel Prahl: Eine gute? Spaß beiseite! Ich wünsche mir für meine Kinder in erster Linie eine Schule, in die sie gern gehen und in der ihnen umfassendes Wissen vermittelt wird. Mit motivierten Lehrerinnen und Lehrern, die ein Interesse daran haben, dass meine Kinder sich bei ihnen wohlfühlen und sie etwas lernen.

Die Figur eines arbeitslosen Print-Redakteurs ist nicht auffallend realitätsfern. Gibt es diesen Beruf in zehn Jahren noch, oder haben wir dann nur noch Influencer und SEO-Experten?

Axel Prahl: Das will ich doch sehr hoffen, dass es diesen Beruf in zehn Jahren noch gibt! Es ist ja heute schon etwas problematisch geworden mit der sogenannten Pressevielfalt. Drei große Verlagshäuser bestimmen die überwiegende Meinung im Lande. Befreundete Journalisten haben mir erzählt, dass es durch den sinkenden Print-Absatz selbst für diese Häuser schwierig geworden ist, ihre Journalisten finanziell so auszustatten, dass sie tiefgreifender recherchieren und arbeiten können. Recherche findet fast nur noch im Netz statt.

Unterscheidet sich der Dreh mit einem Kollegen wie Nico Randel, der eine andere Anzahl von Chromosomen im Zellkern hat als die Mehrzahl der Menschen, vom Dreh mit anderen Kollegen?

Axel Prahl: Es war herrlich, mit Nico zu drehen! Seine Herzlichkeit und seine bisweilen etwas kindliche Naivität haben oft einen unglaublichen Schwung in die Bude gebracht. Nico ist echt ein Schatz!

Wann haben Sie zuletzt ein Interview gegeben, in dem das Wort "Tatort" nicht vorkam?

Axel Prahl: Ach Mensch, fast hätten wir es geschafft! Fast wären Sie einer der wenigen gewesen. Tja, aber das ist, wie Sie sehen, dann doch sehr schwierig. Das schafft nicht jeder. (lacht)

Interview: Matthias Roth

11.12.2018, 6.00 Uhr

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