Interview mit Uwe Kockisch

Das ZDF zeigt das starke Drama "So weit das Meer". Ein rtv-Gespräch mit Hauptdarsteller Uwe Kockisch: über den Film, Emotionen und Selbstkritik

"Ich mag keine Schleifchen"

Der "Commissario Brunetti" ist eine große Rolle, "Weissensee" eine großartige Serie, aber zum Glück findet Uwe Kockisch noch Zeit für andere Produktionen. Im ZDF ist er im Film "So weit das Meer" zu sehen. Kockisch als Vater, der den vermeintlichen Peiniger seiner Tochter erschießt. Ein starkes, emotionsgeladenes Drama, eigentlich ganz nach dem Geschmack des Hauptdarstellers. Der sich aber in der Bewertung seiner eigenen Arbeit überraschend selbstkritisch zeigt. Seine "Brunetti"-Erfolgsgeschichte mit den Donna-Leon-Verfilmungen begann im Oktober 2000. Der Fall "Ewige Jugend" ist bereits Folge Nr. 25.

Sie spielen Wolf Harms, einen Mann, der den Vergewaltiger seiner Tochter erschießt. War das für Sie eine nachvollziehbare Tat?

Uwe Kockisch: Das ist eine hypothetische Frage. Ich kann nur davon ausgehen, was der Film erzählt. Harms sagt ja "Du kommst jetzt mit zur Polizei und machst deine Aussage." Daraufhin verhöhnt der Junge ihn. Das Erschießen ist kein gezielter Mord, sondern ein emotionaler Ausraster. Und da kann ich sagen, dass ich die Tat von Wolf Harms nachvollziehen kann. 

Nach 15 Jahren im Gefängnis ist er wieder in Freiheit und erfährt, dass er den Falschen erschossen hat. Was macht das mit ihm?

Uwe Kockisch: Das ist natürlich ein Tiefschlag. Der aber nichts anderes nach sich zieht als den Drang, jetzt unbedingt den wahren Täter finden zu wollen.

Das Ende ist, ohne zu viel verraten zu wollen, irgendwie schockierend und gleichzeitig gut. Wolf Harms zumindest macht einen fast befreiten Eindruck ...

Uwe Kockisch: Das ist richtig. Weil er die Wahrheit herausgefunden hat.

Wie und mit wem sehen Sie sich Ihre eigenen Filme erstmals an?

Uwe Kockisch: Mit meiner Frau.

Ist sie Ihr größter Kritiker?

Uwe Kockisch: Ja. Sie kennt mich am besten, weiß vom Metier sehr viel und ist meine beste Beraterin.

Wie ist der Film "So weit das Meer" bei ihr angekommen? 

Uwe Kockisch: Der erste Roh-Anblick war positiv. Einige Sachen müssen wir uns aber noch mal genauer ansehen. Ein richtiges Urteil haben wir noch nicht. Sagen wir mal so: Der Kakao kann getrunken werden, aber richtig serviert wird er erst, wenn wir ihn noch einmal gesehen haben.

Was zeichnet einen guten Film aus?

Uwe Kockisch: Die Emotion. Ein Film muss immer Emotionen öffnen. Das erwarte ich sogar von einem Dokumentarfilm.

So gesehen ist "So weit das Meer" doch ein richtig gelungener Film ...

Uwe Kockisch: Ja, denke ich mal. Wenn mein Feinschliffurteil fertig ist, denke ich, dass ich zu dem Ergebnis komme.

Wenn andere über Sie schreiben, worüber freuen Sie sich?

Uwe Kockisch: Ich weine nicht, wenn jemand schreibt, dass es gelungen ist. Ich freue mich über alles, was wirklich ehrlich gemeint ist. Ich mag keine Schleifchen. Wenn etwas nach Kitsch riecht, bin ich weg. Ich hasse Kitsch. 

Wie geht’s bei Ihnen weiter? Stichworte "Weissensee" und "Donna Leon"?

Uwe Kockisch: Brunetti drehen wir im nächsten Jahr wieder. Bei "Weissensee" warten wir sehnsüchtig auf den Startschuss für die fünfte Staffel. Da gibt es noch so viel zu erzählen.

5.4.2019, 11.02 Uhr

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