Interview mit Dieter Hallervorden

Dieter Hallervorden ist als übellauniger Miesepeter so überzeugend wie als politischer Kabarettist und Nonsens-Spaßmacher. Ein ganz und gar nicht unsinniges rtv-Gespräch.

In "Mein Freund, das Ekel" spielt Dieter Hallervorden den miesepetrigen Lehrer a. D. Olaf Hintz. Ein im Rollstuhl sitzendes Ekel, das erst seine Schwester vergrault und dann von der alleinerziehenden Trixie (gespielt von Alwara Höfels) "betreut" wird. Samt ihren drei Kindern. Für ein Ekel wie Hintz natürlich ein echtes Problem. rtv-Gespräch über den Film, Kabarett und seinen liebsten Filmpreis.


Herr Hallervorden, macht es Spaß, ein Ekel zu spielen?

Dieter Hallervorden: Ja natürlich. Wenn ich immer nur das spielen würde, was ich selbst bin, der sympathische Alte von nebenan … Im Ernst, bei diesem Drehbuch habe ich sofort gedacht, dass ich da nichts falsch machen kann. 

Ihre erste Zusammenarbeit mit Alwara Höfels?

Dieter Hallervorden: Ja. Ich kannte sie vorher nicht, aber wir hatten sofort einen guten Kontakt zueinander. Als Gegenspielerin war sie ideal. Sie ist eine blendende Schauspielerin.

Was bringt Sie zur Weißglut?

Dieter Hallervorden: Schlecht vorbereitete Kollegen. Oder wenn Regieanweisungen nicht eingehalten werden und irgendwann jeder macht, was er will. Da kann ich schon ganz schön sauer werden.

Sind Sie ein Perfektionist?

Dieter Hallervorden: Wird mir nachgesagt. Aber ich finde, es ist nichts Abfälliges. Ist doch klar, dass man alles, was man macht, so gut wie möglich machen will. 

Wohnungsnot, Analphabetismus, Altenpflege … warum ist der Film dennoch eine Komödie?

Dieter Hallervorden: Warum ist "Honig im Kopf" eine Komödie? Wenn Sie vor vollen Rängen in der Kirche predigen wollen, müssen Sie es so präsentieren, dass die Leute es konsumieren wollen.

Worüber können Sie selbst ­lauthals lachen?

Dieter Hallervorden: Am meisten über mich. Weil ich nicht der Geschickteste bin. Mein technisches Verständnis erschöpft sich darin, eine Stehlampe mit dem Fußschalter an- und auszumachen.

Was soll der Zuschauer nach Sehen des Films für sich mitnehmen?

Dieter Hallervorden: Ach, ich finde, dass solche Komödien keine Botschaften vermitteln. Sie dienen der reinen Unterhaltung. Und das finde ich auch legitim.

Was sehen Sie sich selbst gern im Fernsehen an?

Dieter Hallervorden: Nachrichten, Polit-Talkshows, Fußballspiele. Und die am liebsten, wenn Bayern München verliert.

Warum?

Dieter Hallervorden: Wie heißt das Sprichwort? Geld regiert die Welt. Sie kaufen den anderen die besten Spieler weg und dann wundert man sich, dass die dauernd oben sind.

Was denken Sie, wenn Sie das politische Geschehen um May und Trump mit den Augen eines Kabarettisten betrachten?

Dieter Hallervorden: Dass es immer schwieriger wird, die Politiker an Komik zu übertreffen. Wie soll man das noch toppen?

Hat das politische Kabarett ­eine Zukunft?

Dieter Hallervorden: Ich glaube, die Zeiten für politisches Kabarett waren immer gut und werden auch gut bleiben.

Sie haben viele Preise gewonnen. Gibt es eine Auszeichnung, die Ihnen vielleicht etwas mehr als andere am Herzen liegt? 

Dieter Hallervorden: Ich glaube, dass mir der Deutsche Filmpreis, den ich als "Bester Schauspieler" für "Sein letztes Rennen" erhalten habe, am meisten bedeutet hat. Damit wurde allen Kritikern, die mich jahrzehntelang abgewatscht haben, weil sie nicht verstanden haben, was hinter der Figur "Didi" und "Nonstop Nonsens" steht, der Beweis erbracht, dass der Hallervorden doch ein guter Schauspieler ist.  

Ist der Didi von damals heute Fluch oder Segen?

Dieter HallervordenIch habe immer gerne gemacht, was ich wollte. In der Hoffnung, dass mir das Publikum folgt. Das war bei Didi ja der Fall. Wir hatten damals Einschaltquoten von 50 %. Dazu kommt, dass der Didi mir das Geld in die Taschen gespült hat, mit dem ich später das Schlossparktheater eröffnen konnte. Mit eigenen Mitteln, aus Liebe zum Theater. Ich habe der Figur und dem, was ich damals geschrieben habe, sehr viel zu verdanken. 

Sind weitere Projekte in Planung?

Dieter Hallervorden: Vielleicht eine Fortsetzung von "Mein Freund, das Ekel". Wenn die Ausstrahlung am 9. Mai erfolgreich läuft. Außerdem ist eine Verfilmung der Weihnachtsgeschichte "Vom Geist der Weihnacht" von Charles Dickens geplant. Im September eröffne ich meine elfte Spielzeit im Schlossparktheater mit dem Stück "Adel verpflichtet". Außerdem werde ich ein sehr satirisches Zweipersonenstück auf die Theaterbühne bringen, in dem ich Gott spiele. Hallervorden als lieber Gott, das ist doch mal was.

29.4.2019, 15.27 Uhr

Interview empfehlen