Interview mit Joachim Król

In der ZDF-Tragikomödie "Endlich Witwer" mit Joachim Król glaubt ein Mann, nach dem Tod seiner Frau das Glück zu finden. Ein Riesenirrtum, bei dem wir "zuschauen dürfen".

"Wir irren uns permanent"

Riesenfernseher, Kühlschrank voller Bier, Fastfood ohne Ende. Joachim Król spielt den Unternehmer Joachim Weiser, der den Tod seiner Frau auf seine Art "feiert". Wir haben ihn zum Interview getroffen. Und über den Film, Kritik und Fußball gesprochen.
 

Herr Król, "Endlich Witwer". Das klingt makaber. Was für eine Art Komödie ist das?

Joachim Król: Eine schwarze Komödie. Es ist eine Geschichte mit skurrilen Situationen, wie der ein oder andere sie aus dem Leben sicherlich kennt.

Und die ist alles andere als lustig. Im Film verlieren Sie Ihre Frau und sind auch noch froh darüber.

Joachim Król: Wir irren uns permanent. Das liegt in der DNA des Menschen. Sonst könnten wir ja nicht lernen. Und hier können wir jemandem bei einem Riesenuirrtum zuschauen.

Der wäre?

Joachim Król: Dass er glaubt, dass es ihm jetzt besser gehen wird nach diesem Schicksalsschlag.

Rein äußerlich verfällt er zusehends ...

Joachim Król: Vielleicht sieht er das ja gar nicht so. Das sind rein bürgerliche Kriterien. Einerseits fühlt er sich freier, andererseits verfällt er immer mehr, weil er mit dieser Freiheit nichts anfangen kann.

Ist das lustig?

Joachim Król: Das liegt im Sinne des Betrachters.

Auf dem Filmfest in München und dem Fernsehfilmfest in Ludwigshafen wurde der Film schon gezeigt ...

Joachim Król: ... und war ein riesiger Erfolg. Die Leute haben getobt. Es gab viel Szenenapplaus.



"Professionelle Deformation"
Joachim Król und rtv-Redakteur Andreas Herden

Haben Sie schon mal Eiswürfel in Ihr Bier getan?

Joachim Król: Nein. So was gibt‘s wahrscheinlich nur in Amerika.

In einer Szene zappen Sie durchs TV-Programm, um dann doch wieder bei einer Tiersendung zu landen, wie in der Zeit ihrer Ehe. Was sehen Sie sich privat im Fernsehen an?

Joachim Król: Ich schaue viel und bin ein kritischer Zuschauer. Professionelle Deformation nennt man das glaube ich. Sie als Journalist lesen einen Zeitungsartikel wahrscheinlich auch mit anderen Augen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Anneke Kim Sarnau?

Joachim Król: Ha, das ist eine echte Partnerin. Die fordert.

Sind Sie ein selbstkritischer Mensch, wenn Sie sich und Ihre Arbeit dann sehen?

Joachim Król: Ich kann mir ganz gut zusehen. Wenn der Dreh abgeschlossen ist, weiß ich meistens schon, wie es geworden ist. Sehe ich die Arbeit dann, ist es oft eine Bestätigung meiner Einschätzung.

Sie selbst haben diese Filmfigur des Witwers entwickelt ...

Joachim Król: Ja, zusammen mit der Produzentin Doris Zander. Ich hatte einfach den Wunsch, wieder Fernsehpräsenz zu haben. Nach dem Abschied in Frankfurt ... (Tatort, Anm. der Redaktion)

... schade übrigens.
 

"Act your Age"

Joachim Król: Tempi passati. Also traf ich mich mit Doris Zander. Die Frage war, was soll ich spielen? Das war ein knappes Jahr vor meinem 60. Geburtstag. Und wir haben uns gedacht, warum machen wir das nicht zum Thema, einen Turning-Point im Leben. Timothy Leary hat mal gesagt "Ein Rezept für ein entspannteres Leben ist "Act your Age'". Sei so alt, wie du bist und versuche nicht irgendein anderes Alter zu performen, wie man heute sagt.

Haben Sie Ihren 60. eigentlich groß gefeiert?

Joachim Król: Groß nicht, aber sehr, sehr schön. Im ganz kleinen Kreis verbrachten wir vier Tage in Venedig.

Der Film wird am 13. Mai ausgestrahlt, am Wochenende drauf wird spätestens die Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga entschieden. Was machen Sie denn, wenn Ihr BVB Deutscher Meister wird?

Joachim Król: Das Wochenende habe ich mir natürlich freigehalten und wenn es Spitz auf Knopf steht, werde ich alles tun, um in Gladbach dabei zu sein - falls das der Tag der Tage sein sollte. Wenn es schon zu Hause im Spiel gegen Düsseldorf passiert, habe ich nichts dagegen. 

rtv-Interview: Andreas Herden

6.5.2019, 12.09 Uhr

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