Interview mit Lancelot von Naso

Ein Handyvideo löst eine Bankenkrise aus: Quatsch oder denkbar? Interview mit Regisseur Lancelot von Naso zur Satire "Eine Hochzeit platzt selten allein"

Sehr nah an der Realität

Herr von Naso, wir kennen Sie als Regisseur der "Marthaler"-Krimis. Jetzt eine rasant-wilde Komödie ... 

Lancelot von Naso: Schon seit der Filmhochschule liebe ich Komödien, aber seltsamerweise hat sich da nie etwas ergeben. Sowohl die Idee von dem Kabarettisten Christoph Sonntag als auch das Drehbuch von Jürgen Werner waren sehr besonders: Temporeich werden verschiedene Figuren und Geschichten verknüpft. 

Was zeichnet den Film aus?

Lancelot von Naso: Der Film ist eine klassische Komödie – aber auch wirklich abgefahren. Es wird ja viel über das Fernsehen geschimpft, aber ich bin begeistert, dass so etwas möglich ist: Der Film ist amüsant und unterhaltend, aber die ganze Struktur des Drehbuchs ist kompliziert verschachtelt, alles hängt mit allem zusammen. Die geplatzte Hochzeit, das globale Bankensystem, das Handyvideo einer 14-jährigen, der örtliche Hopfenbauer. Ein Film wie ein Kartenhaus – das jederzeit zusammenfallen kann –, in Rückblenden aus der Sicht einer 14-Jährigen erzählt, die in einer Eisdiele sitzt. Das ist wirklich besonders!

Ein Handyvideo, gedreht von einer (fast) 15-Jährigen in der schwäbischen Provinz, löst eine internationale Bankenkrise aus – Überspitzung oder mögliche Realität?

Lancelot von Naso: Wir sehen eine Kettenreaktion, verstärkt durch Social Media. Der Film ist ziemlich genau recherchiert, sehr weit sind wir von der Realität nicht entfernt. 

Die Bankenkrise ist über zehn Jahre her. Glauben Sie, dass so etwas wieder passieren kann?

Lancelot von Naso: Allzu viel hat sich seit der Krise nicht geändert. Das ganze System basiert auf Vertrauen. Und was genau passiert, wenn wirklich alle gleichzeitig ihr Geld von der Bank holen wollen: Ich fürchte, das weiß so genau keiner.

Die Serie "Bad Banks" hat ein ähnliches Thema als Thriller inszeniert. Warum haben Sie das als Komödie aufbereitet? 

Lancelot von Naso: Eine skurrile Komödie – und doch erfährt man manches, was übrigens auch ich selbst noch nicht wusste. Ein Film, den sowohl meine zehnjährige Tochter als auch meine 70-jährige Mutter amüsiert hat. 

Nach "Die Bestatterin" ist "Eine Hochzeit platzt selten allein" ­innerhalb kurzer Zeit der zweite Primetime-Film, der im Schwäbischen spielt. Hepperlingen und Hopfingen – das neue ­Hollywood?

Lancelot von Naso: Das vielleicht nicht. (lacht) Aber das Spannende an dem Film ist, dass er einen Bogen spannt vom kleinen Ort im Schwäbischen über die Finanzwelt Frankfurts bis nach Berlin, New York und Peking. 

Eine Hauptrolle im Film spielt die Musik – Pink Floyd, Nina Simone, vor allem Paolo Conte. Haben Sie sie selbst ausgesucht?

Lancelot von Naso: Ja, tatsächlich ist die meiste Musik in dem Film von mir ausgesucht. Viele Szenen spielen ja in einer italienischen Eisdiele, und passend dazu hören wir die Musik des Sommers. Die Musik gibt den Rhythmus des Films: beschwingt, atemlos und macht, hoffentlich, einfach Spaß!

Weiß Paolo Conte, dass er eine Hauptrolle in Ihrem Film spielt?

Lancelot von Naso: Nein, aber ich hoffe, es würde ihm gefallen! Das Tolle war ja bei dem Film, dass viele unbedingt mitmachen wollten. Nur weil sie Thema und Drehbuch so mochten, war es möglich, Schauspieler wie Inka Friedrich, Herbert Knaup, Oliver Wnuk, Michael Brandner, Peter Lerchbaumer, Christoph Sonntag, Ludger Pistor, Mimi Fiedler, Udo Schenk und Eric Klotzsch und all die anderen zu so einem Projekt in die Provinz zu locken. Dieses Ensemble war wirklich ein tolles Geschenk für den Film – und für mich als Regisseur.

Kriegsdrama, Thriller, Kinderfilm, jetzt Komödie – was sehen wir als Nächstes von Ihnen?

Lancelot von Naso: Hoffentlich wieder was Aufregendes. Mein Wunsch ist immer, Filme zu machen, die unterhalten, Spaß machen und trotzdem ein klein bisschen etwas Neues über unsere Welt erzählen. Momentan arbeite ich an zwei Serien, die hoffentlich bald gedreht werden.

Interview: Matthias Roth

25.6.2019, 6.00 Uhr

Interview empfehlen