Krimi-Check: So war der "Polizeiruf 110: Muttertag" am Sonntag

Wie weit geht Mutterliebe?

Pünktlich zum Muttertag bekommt es das deutsch-polnische "Polizeiruf"-Ermittlerteam Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) mit grenzenloser Mutterliebe zu tun – und mit zwei Leichen.

Mütter, die über Leichen gehen

Darum geht’s: 
Ein Einsatz mitten in der Nacht und kein Babysitter weit und breit – also schleppt Olga Lenski (Maria Simon) ihr Töchterchen mit ins Revier. Kollege Radek (Lucas Gregorowicz) ist nicht begeistert, aber Olga zeigt in diesen wenigen Momenten mit Klein-Alma, worum es im dritten Fall für das deutsch-polnische Ermittlerteam gehen wird: Mutterliebe zwischen Schuldgefühlen und Selbstaufgabe. Denn als ein polnischer Kleinunternehmer in dem naturdenkmalgeschützten Krzywy Las ("Krummer Wald") nahe der deutsch-polnischen Grenze ermordet wird, führt die Spur zum Dorf-Außenseiter Enrico (Anton Spieker). Und der hat eine Mutter (Ulrike Krumbiegel), die für ihren Sohn über Leichen geht …

Die Ermittler:
… kommen sich endlich näher. 
Vor allem, weil sie sich im Dorf-Gasthof ein Bett teilen müssen. Da sorgt ER (Lucas Gregorowicz) sich: "Wenn das im Büro die Runde macht". Darauf SIE (Maria Simon): "Macht es eh, also können wir es auch gleich tun. Wissen Sie, wie lange ich keinen Sex mehr hatte?" Er (entsetzt): "Gehen Sie mal davon aus, dass das nicht stattfindet!" Am nächsten Morgen hat er dann trotzdem die Hand an ihrem Bein. Und drängt Olga Lenski sogar dazu, endlich ihren Antrag auf Dienstverlängerung zu unterschreiben. Dass Regisseur Eoin Moore und Co-Autorin Anika Wangard im dritten Fall etwas Eis von der kühlen Oberfläche dieses Duos kratzen, tut dem Grenz-"Polizeiruf" gut. Top!

Es geht aufwärts

Einschalten oder abschalten:
Der Einstand mit "Grenzgänger" im Dezember 2015 geriet verkrampft. Der Nachfolger "Der Preis der Freiheit" nicht viel besser. In "Muttertag" gelingt es dank des klasse Autoren-Duos Eoin Moore und Anika Wangard endlich, das Potenzial des Ermittlerduos freizulegen. Überzeugend die Krimihandlung, bei der sich zwar der Täter dem Publikum frühzeitig präsentiert, der Tathergang aber lange im Dunkeln liegt. 

Dazu liefern Ulrike Krumbiegel und Anton Spieker als Mutter-Sohn-Gespann eine preisverdächtige Leistung ab. Vor dem Bildschirm leidet man bei ihren Auseinandersetzungen fast körperlich mit. Schade aber, dass auch im 3. Fall der deutsch-polnischen Ermittler die Region nicht mehr ist als bloße Kulisse. Trotzdem: Einschalten! 

Autor: Martina Borgschulze
 

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