Krimi-Check: So war der "Tatort: Die Liebe ist ein seltsames Spiel"

Zu viel Amore, zu wenig Logik bei den Münchner Ermittlern

Im "Tatort: Die Liebe ist ein seltsames Spiel" sind Batic und Leitmayr nicht nur als Ermittler gefordert ...

Fünf Frauen und ein Mann

Darum geht’s:
Während Batic (Miroslav Nemec) mit seiner neuen Flamme Josie (Viola Wedekind) heißen Sex hat, muss Leitmayr (Udo Wachtveitl) seinem Kollegen Kalli (Ferdinand Hofer) beim Umzug helfen. Deshalb ist er ganz froh, zu einem Tatort gerufen zu werden: Verena Schneider wurde ermordet. Es stellt sich heraus, dass sie eine von 5 Frauen war, die mit dem Architekten Thomas Jacobi (Martin Feifel) ein Verhältnis hatten. Und alle waren ihm mit Haut und Haaren verfallen. 

Die Kommissare…
… sind von so viel Amore überfordert.

Bester Spruch:
"Für jeden Topf gibt es einen Deckel da draußen. Nur mit der Verteilung hapert es manchmal" (Batic über die Liebe)

Die Krimi-Logik, ein seltsames Spiel

Das Thema:
Polyamorie. Also: Eine Beziehungsform, bei der man mehrere Partner gleichzeitig liebt – das Wissen und Einverständnis der anderen Beteiligten vorausgesetzt. Tipp von Leitmayr: Am besten mal den Partner fragen, was der Begriff bedeutet. "Wenn er/sie es weiß, is‘ schlecht!"

Von den fünf Frauen, die mit Jacobi eine Affäre hatten, ist nur eine "wirklich poly", wie die Psychologin Dr. Julia Stephan (Anna Schäfer) im Film ausführlich erklärt. Verstanden. Was sich dem Zuschauer allerdings nicht erschließt, ist, was die Frauen an diesem Kerl finden: Ein knurriger Kerl mit Augenbrauen wie Theo Waigel und dem Charme eines gereizten Pitbulls. Und woher nimmt ein Workaholic eigentlich die Zeit, gleich fünf Affären zu pflegen? Spannendes Thema, leider wenig glaubhaft umgesetzt. Flop!

Realitäts-Check:
Batic war am Ende des letzten Falls ("Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben") mehr tot als lebendig. Seine Manipulation des Gefangenentransports, die mehrere Menschenleben gefordert hatte, hätte ein juristisches Nachspiel. Bei den "Tatort"-Teams Dortmund oder Berlin hätte man diesen Erzählstrang ganz selbstverständlich in den nächsten Fällen weitergeführt. Und damit auch noch die Spannung geschickt erhöht. Bei den Münchnern werden die noch frischen Ereignisse komplett ausgeblendet. Flop!

Einschalten oder Abschalten?
Drehbuchautorin Katrin Bühlig hat eindeutig zu viel Amore in diesen Fall gepackt. Die Kommissare müssen zwischendurch wie Grundschüler an den Fingern ihrer Hand abzählen, wie viele amouröse Verwicklungen sie denn nun aufgedeckt haben. Die Logik bleibt in diesem Krimi schon nach wenigen Minuten auf der Strecke. Entsprechend hanebüchen ist die Auflösung. Da können auch die unterhaltsamen Frotzeleien der Kommissare nichts retten. Abschalten! 

Autor: Stefanie Moissl

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