Krimi-Check: So war der "Tatort: Fürchte dich"

Mehr Edgar Wallace als "Tatort"

Krimi-Experiment zu Halloween: Der neue "Tatort" aus Frankfurt spielt mit dem Genre Horror-Film – und spaltete die Gemüter.

Paul Brix (Wolfram Koch) traut seinen Augen nicht ...

Es gibt keine Geister, oder?

Darum geht’s:

Ein alter Mann versucht, das Haus von Fanny und Kommissar Brix (Wolfram Koch) in Brand zu setzen. Dem wirren Gebrabbel des Mannes folgend, findet Brix unter Holzdielen ein Kinderskelett. Während er und Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich) versuchen, die Identität der Leiche zu klären, passieren Dinge im Haus, die sich auf natürliche Art nicht mehr erklären lassen. Spukt es im Haus? Brix trifft bei seinen Ermittlungen auf Merle (Luise Befort), die Enkelin des Mannes. Sie weicht ihm nicht mehr von der Seite. Nach und nach decken sie die finstere Vergangenheit ihres Opas auf.  

Die Kommissare …

… geraten in einen paranormalen Fall und zweifeln bald an ihrem Verstand.

Einschalten oder abschalten?

Wabernebel, verzerrte Stimmen und Fratzen? Gähn, das kennt man doch alles schon aus den 60ern bei Edgar Wallace (harmlos!) und 70ern beim „Exorzisten“ (heftig!). Und vor allem zur Genüge aus den seitdem gefühlt 2031 Wiederholungen der Streifen. Am Frankfurter Ermittlerduo Janneke/Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) lag es nicht. Die spielten wacker gegen paranormale Poltergeist-Phänomene an. 

Und der experimentierfreudige Film von Andy Fetscher (Drehbuch: Christian Mackrodt, Andy Fetscher) konnte neben einer so ernsten, wie traurigen Grundkomponente immerhin eine gewisse Filmästhetik vorweisen. So mögen gruselig geschminkte Darsteller (beachtlich: Zazie de Paris als von einem Geist besessenes Medium) knarrende Dielen, zerplatzende Glühbirnen, Blitz und Donner ja unverzichtbare Ingredienzen des klassischen Horrorstreifens sein. Einen guten "Tatort" macht all das aber noch lange nicht. 

Wer Experimentierfreude im "Tatort" grundsätzlich der altbekannten Ermittler-Routine vorzieht, sowie Horror- und Halloween-Fans: einschalten!

Sonst: abschalten!

Und auch die Empfehlung von Redakteur Jörg Himstedt in der Presse-Info zum "Tatort: Fürchte dich" können wir nicht unterschreiben: 

Der antwortet auf die Frage "Würden Sie diesen Tatort mit Ihren Kindern anschauen" folgendes: 

"Ja, unbedingt. Der Horrorfilm und der Kriminalfilm sind ja quasi eine Fortführung des Märchenerzählens. Eine wohlige Mischung aus Grusel und Suspense in der Geborgenheit des Wohnzimmers."

Nein, liebe Kinder: Auch dieser "Tatort" läuft aus gutem Grund nicht im Nachmittagsprogramm. Oder war das vielleicht nur ein nett gemeinter Halloween-Scherz? Auf jeden Fall: abschalten!

Erstausstrahlung: Sonntag, 29.10.2017, Das Erste, 20.15 Uhr

Wie brutal ist der Tatort "Fürchte dich"?

27.10.2017, 12.05 Uhr

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