Krimi-Check: So war der "Tatort: Der Fall Holdt"

Ein Albtraum zum Jubiläum

Prügel, Fehlentscheidungen, Demütigungen: In ihrem 25. "Tatort"-Fall leidet Kommissarin Lindholm wie nie

Eine Bankiers-Frau wird entführt

Darum geht’s:

Kommissarin Charlotte Lindholm hat ein demütigendes Erlebnis: Beim Wildpinkeln zwischen parkenden Autos wird sie von ein paar Typen erst gefilmt, dann zusammengeschlagen. Sie meldet sich krank. Doch ihr Chef besteht darauf, dass sie umgehend am Tatort einer Entführung erscheint: Die Frau des Bankiers Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann) wurde auf brutale Weise gekidnappt, die Täter fordern 300.000 Euro. Schon bald macht sich der scheinbare Mustergatte selbst verdächtig. Jede Minute zählt. Doch Charlotte Lindholm ist traumatisiert. Unter den Argusaugen ihrer jungen Kollegin Frauke Schäfer (Susanne Bormann) macht sie einen Fehler nach dem anderen.

Psycho-Duell der Kommissarinnen

Die Kommissarinnen treten zum subtil inszenierten Duell an. Top!

Realitäts-Check: Top!

Mehrere wahre Entführungsfälle dienten als Inspiration für "Der Fall Holdt". Der ist zudem ungewöhnlich glaubwürdig erzählt: "‚Der Fall Holdt’ bot die Möglichkeit, Krimikonventionen ein Stück weit zu unterlaufen, indem er das katastrophale Scheitern einer polizeilichen Ermittlung in den Mittelpunkt der Erzählung rückt. Die Kommissarin wird zur Antiheldin. Ein solches Scheitern wird viel zu selten erzählt im krimistarken deutschen Fernsehen, zumal in Reihen wie dem ‚Tatort’", so Drehbuchautor Jan Braren (Grimmepreis für "Homevideo").

Emotionaler Höllenritt

Einschalten oder abschalten?

"Einen Albtraum schenkt man einer Kommissarin normalerweise nicht zum Jubiläum", erklärt man beim NDR. Und tut genau DAS: Die Filmemacher nehmen Maria Furtwängler alias Kommissarin Charlotte Lindholm in ihrem düster erzählten 25. Fall extrem in die Mangel. Und auch die Familie der entführten Bankiersfrau leidet: unter der Ungewissheit. Unter dem cholerischen Familienoberhaupt (fulminant gespielt von Aljoscha Stadelmann). So wird aus dem "Fall Holdt" ein hochemotionaler Höllenritt, der die Spannung bis zum Schluss hält. Am Ende gibt es nur Verlierer. Doch das tut der Figur der sonst so beherrschten Kommissarin keinen Abbruch, im Gegenteil. 

Drehbuchautor Jan Braren bringt es auf den Punkt: "Klar, man will den Kommissar als Sympathieträger nicht zu sehr beschädigen. Andererseits gewinnen Menschen gerade im Scheitern dazu: Empathie für das Versagen anderer, Demut, Sympathie, Offenheit und Nahbarkeit." Einschalten!

Erstausstrahlung: Sonntag, 5.11.2017, ARD, 20.15 Uhr

Wie brutal ist der "Tatort: Der Fall Holdt?":

3.11.2017, 13.42 Uhr

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