Krimicheck: So war der "Tatort: Auge um Auge"

Bitterböse Abrechnung

Im "Tatort: Auge um Auge" bekamen es die Dresdner Kommissarinnen es mit Betrügern und Betrogenen einer Versicherung zu tun. 

Die Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski, l.) und Sieland (Alwara Höfels) mit dem Tatverdächtigen Rainer Ellgast (Arnd Klawitter)

Mord und Betrügereien bei einer Versicherung

Darum geht’s:

Die Versicherungsfirma ALVA wirbt mit dem Slogan "Ihr Partner für Ihre Sicherheit". Doch sicher ist in dem Unternehmen niemand: Zuerst wird der Abteilungsleiter erschossen. Dann erhalten weitere Mitarbeiter Drohmails. Als Täter käme praktisch fast die ganze Belegschaft infrage. Denn unter den Kollegen herrscht blanker Hass. Und auch die Kunden sind zornig: Viele wurden bewusst um die Auszahlung ihrer Prämie bei Berufsunfähigkeit gebracht. Viel zu tun also für die Kommissarinnen Sieland (Alwara Höfels) & Gorniak (Karin Hanczewski), die auf jede Menge zerstörter Existenzen stoßen.

Bester Spruch:

"Wenn was passiert ist, geht uns alles was an. Dehalb sind wir auch keine Bullen, sondern Schweine. Schweine stecken ihre Nasen auch überall rein". (Kommissariatsleiter Schnabel zu einem ALVA-Kunden, der sich gegen Schnabels neugierige Fragen wehrt)

Die Kommissare:

Realitäts-Check:

Autor Ralf Husmann über den "Tatort: Auge um Auge": 

"Jahrelang dachte man, wer versichert ist, dem kann nichts passieren. Jetzt muss man feststellen, dass der Kapitalismus auch vor Versicherungen nicht Halt macht. Immer öfter suchen immer mehr Versicherungen immer absurdere Gründe, um im Schadensfall nicht zu zahlen. Von arbeitsunfähig zu zahlungsunfähig. Nicht jeder will das hinnehmen. Mir hat die Idee gefallen, Verunsicherung in eine Versicherung zu bringen. Es geht auch darum, dass die Leute, die uns wirklich gefährlich werden, meist nicht die tätowierten in Lederjacke sind, die uns abends auf der Straße entgegenkommen, sondern die im Anzug, die in Großraumbüros hinterm Computer sitzen. Es geht um die, die die Versicherung betrügen und die, die von der Versicherung betrogen werden". 

Im Film behauptet Martina Scheuring (Henny Reents), eine ehrenamtliche Kämpferin für "Versicherungsopfer", über die Branche: "Heutzutage sind die schwarzen Schafe die Herde!"

Auch hier gilt wieder: Der "Tatort" ist Fiktion. Und Autor Ralf Husmann ist bekannt für seine beißende Ironie und gnadenlos überspitzten Figuren. Eine Diskussion ähnlich wie die unlängst zum RAF-"Tatort" oder den Ermittlungen der Münchner Kommissare in der Porno-Industrie könnte der Krimi trotzdem auslösen. Und das ist schließlich durchaus ein erklärtes Ziel der TV-Macher: Nicht nur unterhalten, sondern auch Diskussionen anstoßen.

Einschalten oder abschalten?

Zugegeben: Der Name von "Stromberg"-Schöpfer Ralf Husmann weckt Erwartungen. Wer allerdings auf satirische Unterhaltung wie beim ersten Fall der Dresdner Ermittler "Auf einen Schlag" über die Schlagerbranche hofft, wird enttäuscht. Unübersehbar allerdings ist Husmanns Handschrift in den bitterbösen Dialogen. Vor Sarkasmus triefende Wortgefechte und ein klasse besetztes Ermittler-Trio - allen voran Martin Brambach als schräge Chef-Figur – machen den "Tatort: Auge um Auge" trotzdem zum Ausnahme-Krimi. Einschalten!

Erstausstrahlung: Sonntag, 12.11.2017, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Auge um Auge"?

Autor: Stefanie Moissl

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