Krimi-Check: So ist der "Tatort: Bausünden"

Kölner Veteranen-Treffen

Ein Jubiläums-"Tatort" mit unglücklichem Mix: Kritik zur WM in Katar, nostalgisch verpackt

2 Opfer, eine brisante Spur

Darum geht's:

Am Anfang steht eine harte Sexszene in der Dusche. Am Ende liegt die Frau leblos auf den Fließen, Blut fließt in den Abguss. Währenddessen werden die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) zu einem anderen Tatort gerufen: Die Rezeptionistin eines Hotels wurde vom Balkon gestürzt. In beiden Fällen führt die Spur zu Bauprojekten für die Fußball-WM 2022 in Katar.
 

Wie ein altes Ehepaar

Die Kommissare ...

... Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) verstehen sich blind wie ein altes Ehepaar. Und auch wortlos. Zum Leidwesen der Zuschauer. Miesepetrig sprechen sie nur das Nötigste – und auch nur dienstlich – miteinander. Schade, 20 gemeinsame Jahre hätten auch mal Anlass zu mehr als der obligatorischen gemeinsamen Currywurst am Ende sein können.

... Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) ist in dieser Folge zum letzten Mal dabei. Thematisiert wird das im Film nicht. Flop!
 

Nur Kulisse

Realitäts-Check:

Klaus J. Behrendt über die Thematik im "Tatort: Bausünden":

"Erst kürzlich warnte 'Human Rights Watch', die Lage auf den Baustellen für die WM in Katar sei immer noch desaströs. Ich denke, es ist schon eines unserer Markenzeichen, dass wir uns beim Kölner 'Tatort' immer wieder auch mit großen Themen beschäftigen. Dietmar und ich werden auch oft darauf angesprochen. Natürlich kann der 'Tatort' keine Lösungen zu den schwierigen Fragen unserer Zeit anbieten. Doch wenn wir, wie bei unserem Fall 'Minenspiel', bei einem Millionenpublikum Aufmerksamkeit schaffen können für ein wichtiges Thema wie Landminen, finde ich das sehr gut."

Da hat er recht! Und gerade deshalb ist es schade, dass die "Bausünden" bei der WM in Katar allenfalls als Kulisse für die Kölner-Jubiläumsparty dienen.
 

Veteranen-Treffen der Kölner "Tatort"-Macher

Einschalten oder abschalten?

Eigentlich ein Grund zum Feiern: Exakt 20 Jahre nach dem Dreh des ersten Kölner "Tatorts" traf sich die inzwischen angegraute Crew 2017, um wieder miteinander zu arbeiten. Die TV-Kommissare, Regisseur Kaspar Heidelbach und – richtig kultig – Komponist Klaus Doldinger, der die legendäre "Tatort"-Titelmelodie erfand. Das sind 4, die es können. Nicht nur ihren Job. Auch miteinander.

Ein Hauch von Nostalgie weht denn auch durch die gesamte "Tatort"-Folge. Nicht zuletzt, weil Doldingers Saxofon-satter Sound unverkennbar die Handlung untermalt. Ganz wie die typischen Ermittlerkrimis der 90er-Jahre ist die Folge als klassischer Who-Dunnit mit zahlreichen falschen Fährten gestrickt. Eigentlich die perfekte Vorlage für eine nette kleine Reise in die gemeinsame Vergangenheit der Kommissare. Stattdessen pfropft man der Folge ein brandaktuelles Thema auf, das ebenfalls einen würdigeren Platz verdient hätte: die Vergabe der Fußball-WM in Katar mitsamt ihrer fragwürdigen Bauvorhaben. Dazu noch ein traumatisierter Afghanistan-Veteran (wenn auch klasse gespielt von Hanno Kofler). Überfrachtet, überkonstruiert und vor allem überaus langweilig: Abschalten!

Erstausstrahlung: 21.1.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Bausünden"?

Autor: Stefanie Moissl

19.1.2018, 11.33 Uhr

Krimi-Check empfehlen