Krimi-Check: So ist der "Tatort: Déjà-vu"

Fall Nr. 5 für Sieland, Gorniak und Schnabel

Der neue "Tatort" aus Dresden bringt nicht nur das Ermittler-Team, sondern auch die Zuschauer an ihre Grenzen. 

Die Dresdner Kommissarinnen am Limit

Darum geht's:

Ihr fünfter Fall geht den Dresdner Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) an die Nieren wie keiner zuvor: Der kleine Rico verschwindet spurlos. Bald darauf findet man seine Leiche in einer Tasche am Elbufer. Die Angst in der Bevölkerung wächst. Und die Medien bauen schier unerträglichen Druck auf die Ermittler auf. Der Verdacht fällt auf Ricos Schwimmtrainer.  Währenddessen kämpft der junge René (Banjamin Lillie) gegen seine dunklen Neigungen an. Seine Freundin, die Beamtin Jennifer Wolf (Alice Dwyer), kennt sein Geheimnis.

Die Kommissare ...

... sind am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Kommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels) muss sich beim Anblick des getöteten Jungen übergeben. Die Verzweiflung der Eltern, der Druck der Medien auf die Polizei ... All das macht es Henni unmöglich, einen klaren Kopf zu bewahren.

Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) lässt der Fall auch zu Hause nicht los. Zu schaffen macht ihr auch ihre Liebesaffäre mit Nachbar Nick, ihr Sohn Aaron soll davon nichts erfahren. Dass der sich nun mit Nick anzufreunden scheint, passt ihr gar nicht.

Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) ist tief erschüttert vom Tod des kleinen Jungen. Er hat nur noch ein Ziel: "Diesen! Mistkerl! Kriegen!" Doch die Kritik an der Polizeiarbeit will er nicht auf seinem Team sitzen lassen. Er hadert öffentlich mit Datenschutzgesetzen und eingeschränkten Befugnissen der Ermittlungsbehörden.
 

Gut, wichtig, neu

Realitäts-Check:

Erschreckend glaubhaft zeichnet der "Tatort: Déjà-vu" das Beziehungsumfeld des Täters nach. Regisseur Dustin Loose (Studenten-Oscar für "Erledigung einer Sache") über seinen Film:

"Dass der Film nicht versucht, das Psychogramm eines Pädophilen zu trivialisieren, sondern seinen Blick auf die Beziehung des Täters legt, finde ich als Perspektive außergewöhnlich und relevant. Die Rolle von Mitwissern bei Fällen von sexuellem Missbrauch gilt noch immer als Tabu und in den überwiegenden Fällen gehen diese Menschen straffrei aus, weil ihnen eben ihr ,Wissen‘ schwer nachzuweisen ist. Das gemeinsame Geheimnis und bewusste ,Wegsehen‘ lässt aus einer Mitwisserin eine Mittäterin werden. Obwohl der Täter vergleichsweise früh für den Zuschauer erkennbar ist, wollten wir mit dem Eintauchen in diese Strukturen sowie der empathischen Ermittlungsarbeit der Kommissare einen spannenden und atmosphärischen Krimi erzählen." Top!
 

Am Limit

Einschalten oder abschalten?

Kindesmissbrauch – ein Thema, dass keinen Raum für humoriges Geplänkel lässt. Folgerichtig ist der Tonfall der Dresdner diesmal auch ernsthafter als gewohnt. Sehenswert macht den Krimi nicht zuletzt die Perspektive:

"In unserer Geschichte geht es auch sehr stark um den Täter, um seine inneren Kämpfe, sein Ringen mit seiner Störung, der er sich durchaus bewusst ist. Auch geht es um das Abhängigkeitsverhältnis zu einer manipulativen, kontrollierenden Frau. Dieser Blick in eine durchaus liebevolle, aber auch kranke und gestörte Paarbeziehung, die den Täter lange Zeit vor der Entdeckung schützt, ist das eigentliche Neue an diesem Tatort", so die Drehbuchautoren.

Und auch das Erschütternde, zuweilen fast Unerträgliche – finden wir. Ein Fall, der nicht nur die Ermittler, sondern auch den Zuschauer ans Limit bringt. Einschalten!

Erstausstrahlung: 28.1.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Déjà-vu"?

Autor: Stefanie Moissl

26.1.2018, 12.04 Uhr

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