Krimi-Check: So ist der "Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren"

An der Nordsee ist der Teufel los

Unheilvolle Sagen, abergläubische Inselbewohner und eine sanfte Verführerin rauben Borowski in seinem 31. Fall fast den Verstand.

Mythen und ein Mord

Darum geht's:

Die nordfriesische Insel Suunholt bittet um Amtshilfe bei Mordermittlungen. Das Opfer ist ein "alter Bekannter" von Kommissar Borowski (Axel Milberg): Oliver Teuber war vor Jahren in einen Korruptionsskandal der Kieler Baubehörde verwickelt. Dann verschwand er spurlos. Offenbar hatte er seinen Tod vorgetäuscht und auf der verschlafenen Insel nahe Dänemark ein neues Leben begonnen. Die Nachbarn glauben, Teuber habe "den Teufel" auf die Insel gebracht. Und das hat nicht nur mit einer alten Sage zu tun, sondern auch mit Teubers teuflisch sinnlicher Geliebter Famke (Christiane Paul).
 

Der Kommissar ...

... ermittelt nach Sarah Brandts Weggang allein.

Aber er bleibt es nicht. Borowski begegnet auf seine alten Tage der Liebe: Famke (Christiane Paul), die Geliebte des ermordeten Oliver Teuber, ist ebenso rätselhaft wie verführerisch. Vor allem aber ist sie eine Seelenverwandte.

"Der einsame Wolf trifft auf eine Wölfin. Das war das Bild, das ich im Kopf hatte." Regisseur Sven Bohse ("Ku'damm 56")

Femme Fatale mit Strickmütze

Einschalten oder Abschalten?

Wenn auf einer Nordsee-Insel gemordet wird, dann braucht es viel Nebel, eine rätselhafte Frau und eine düstere, alte Sage, die wieder aufzuleben scheint. So will es das Gesetz des Fernsehkrimis, Dass auch der wie der aus der Zeit gefallene "Borowski", mit seiner Langsamkeit und Melancholie, auf diesen Zug aufspringt, überrascht erstmal. Ebenso wie die Besetzung der Schlüsselfigur, die praktisch 90 Minuten lang präsent ist. Entweder tatsächlich oder weil sie die Gedanken der anderen Inselbewohner beherrscht: Emmy-Preisträgerin Christiane Paul ("Unterm Radar") – bisher standhafte "Tatort"-Verweigerin – als Femme-Fatale mit Strickmütze und Borderline-Syndrom. Dass der sonst so kontrollierte Borowski mit dieser Frau im Bett landet, ist die nächste Überraschung in diesem Fall, in dem außerdem ein Bauer von seinen eigenen Schweinen gefressen wird und eine bigotte Kirchenfrau den Teufel beschwört.

Genau der ist los in diesem Krimi von Regisseur Sven Bohse. Und obwohl das Drehbuch einige Logiklöcher aufweist, wird der Zuschauer unversehens hineingezogen in diese seltsame Geschichte. Das liegt zum einen an den mystisch angehauchten Bildern von Kameramann Michael Schreitel. Zum anderen an dem faszinierenden Spiel von Christiane Paul. Sie gibt diese Famke in ihrer Widersprüchlichkeit derart eindringlich, dass sie noch lange im Gedächtnis bleibt: Eine zerbrechliche Seele, die sich nimmt, was sie will. Ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Auch die Männer – die dieser spröden Sinnlichkeit reihenweise verfallen. Überhaupt sind es die starken Figuren, die diesen Krimi sehenswert machen. So wie die klasse aufspielende Anna Schimrigk (2018 in "The Aftermath" mit Keira Knightley) als übereifrige Inselpolizistin. Um es mit der Schauspielerin zu sagen:

"Schön, wie es gelungen ist, einen speziellen, märchenhaften Kosmos zu schaffen, der sich aber doch in aller Abstrusität sehr real mit dem Thema Liebe auseinander setzt. Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer."

Wir auch. Einschalten!

Erstausstrahlung: 25.2.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren"

Autor: Stefanie Moissl

22.2.2018, 17.50 Uhr

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