Krimi-Check: So wird der neue "Tatort: Für immer und Dich"

Liebe, Missbrauch, Tod: In ihrem dritten gemeinsamen Fall erhalten die Schwarzwald-Ermittler Tobler und Berg ihr "Reifezeugnis".

Darum geht’s:

"Ist das dein Vater?" Diese Frage hört die 15-jährige Emily (Meira Durand) oft. Das Mädchen ist gemeinsam mit dem Endvierziger Martin (Andreas Lust) auf einem Roadtrip. Vater und Tochter, das wird bald klar, sind die beiden keinesfalls. Und deshalb sind auch Martins Nerven bis zum Reißen gespannt. So gespannt, dass er einen jugendlichen Mopedfahrer, der ihm eine Tasche aus dem Wagen klaut, über die dunkle Landstraße und in den Tod hetzt.

Der Unfall ruft Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) auf den Plan. Kollegin Tobler (Eva Löbau) kümmert sich derweil um Bergs alten Fall: Vor 18 Monaten verschwand eine Teenagerin. Ihre Mutter glaubt nun, dass Mädchen gesehen zu haben. Ein Hirngespinst? Als Berg den Unfallwagen aufstöbert und darin die DNA der Vermissten gefunden wird, laufen die Fälle der beiden Schwarzwald-Ermittler zusammen.

 

Die Kommissare …

… stehen nicht im Zentrum der Geschichte.

Stattdessen geht es um ein ungewöhnliches Paar:

 

Einschalten oder abschalten?

Die fatale Beziehung eines älteren Mannes zu einem Mädchen fordert ein Todesopfer – wer sich bei dieser Konstellation an den "Tatort"-Klassiker "Reifezeugnis" erinnert fühlt, hat Recht: Regisseurin Julia von Heinz bezieht sich in "Für immer und Dich" auf Wolfgang Petersens Krimidrama von 1977. Wie beim Vorbild legt sie mehr Wert auf die Paarkonstellation, die im hier zwischen Missbrauch, Abhängigkeiten und "Bonny & Clyde"-Faszination schwankt:

"Tatsächlich hat mich in erster Linie die Beziehung zwischen Emily und Martin interessiert. Als Reifungsprozess, als Befreiungsschlag einer jungen Frau … Die Spannung entsteht aus der Frage: wie wird sich Emily aus der Beziehung lösen, kommt sie da heil heraus?"

Nach dem "Tatort: Damian" (Dezember 2018), in dem Eva Löbau mit Interimspartner Carlo Ljubek ein Netz aus Wahn und Wirklichkeit entwirren musste, bricht auch der dritte gemeinsame Fall mit Hans-Jochen Wagner mit dem üblichen Wo-waren-Sie-um-wieviel-Uhr?-Muster. Und dass ohne experimentell zu sein. So funktioniert "Für immer und Dich" (der Titel ist angelehnt an den Rio-Reiser-Song, der auch im Film zu hören ist) als Psychogramm einer schwer zu bewertenden Paarkonstellation. Schmerzhaft authentisch gespielt und elegisch erzählt. Die tragische Geschichte eines Missbrauchs, die übrigens noch besser ohne Krimihandlung ausgekommen wäre. Der Fall wird hier nämlich zur Nebensache. Wer dafür offen ist, sollte einschalten.

 

Erstausstrahlung, 10.3.2019, Das Erste

Autor: Martina Borgschulze

 

Wie brutal ist der "Tatort: Für immer und Dich"?

8.3.2019, 14.15 Uhr

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