Krimi-Check: So wird der neue "Tatort: Spieglein, Spieglein"

Frisch-frecher Klamauk aus Münster: Bei der Jagd auf einen Serienkiller sehen Thiel und Boerne doppelt.

Darum geht's:

Bei diesem Fall vergeht zeitweise sogar den Herren Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) das Lachen. Ein Serienmörder geht um, und seine Opfer ähneln frappierend Mitgliedern des Münsteraner Ermittlungsteams. So erwischt es zuerst eine Doppelgängerin von Staatsanwältin Klemm (Mechthild Grossmann). Fast noch schlimmer für Klemm ist aber jenes Foto auf der Titelseite der Tageszeitung: Wie konnte Frank Thiel (Prahl) sich nur lachend am Tatort fotografieren lassen? Kurze Zeit später landet auf Boernes Seziertisch eine kleinwüchsige, blonde Frau. Sie sieht nicht nur aus wie Silke "Alberich" Haller (ChrisTine Urspruch) – sie wurde auch noch mit jenem Schal erdrosselt, den Alberich seit einiger Zeit vermisst. Die Ermittler sind sicher: Ein Serienmörder geht um. Hat er es am Ende auch auf sie abgesehen?

 

Die Ermittler:

… sind völlig verwirrt.

 

Einschalten oder abschalten:

Frischer Wind bei den Münsteranern: Knackigere Dialoge und eine originelle Grundidee. Das komisch-unheimliche Spiel mit dem Doppelgängermotiv stammt aus der Feder von Drehbuchautor Benjamin Hessler, der schon mit "Rammbock" und dem Serienhit "4 Blocks" für preisgekrönte Überraschungen sorgte.

"Ich bin als Doppel-, bzw. Triplegänger aufgewach­sen, denn meine Brüder und ich sehen uns sehr ähnlich. Als häufig Verwechselter findet man sich irgendwann damit ab und entdeckt das komische Potenzial. Als Verwechselnder hingegen durchlebt man jedes Mal eine kurze, unangenehme Unschlüs­sigkeit, wer nun wirklich vor einem steht; einen unheimlichen Moment, in dem Identitäten zu ver­schwimmen scheinen. Dieses Gefühl machen sich Schauerliteratur und –film seit Jahrhunderten zunutze — und schwarzromantisch ist auch die Geschichte, in die Thiel und Boerne in ›Spieglein, Spieglein‹ verwickelt werden." (Drehbuchautor Benjamin Hessler über seinen "Tatort: Spieglein, Spieglein")

Von Tempo und Spannung ist beim vierten Münsteraner "Tatort" von Regie-Routinier Matthias Tiefenbacher kaum eine Spur. Das muss beim Selbstläufer "Münster" aber wohl nicht sein. Die Fans schalten ohnehin wegen der launigen Wortgefechte von Thiel und Boerne ein. Und dafür liefert das herrlich abstruse Verwirrspiel reichlich Gelegenheiten. Für alle anderen Zuschauer bietet der Klamauk gut gemachte Abwechslung zwischen den in letzter Zeit arg schwermütigen "Tatort"- Folgen. Auf jeden Fall Einschalten!

Erstausstrahlung: 17.3.2019, Das Erste

 

Autor: Stefanie Moissl

 

Wie brutal ist der "Tatort: Spieglein, Spieglein":

15.3.2019, 14.23 Uhr

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