Zwei Volltreffer

Viel los beim „Tatort“: Das nächste neue Team startet, diesmal in Frankfurt. Margarita Broich und Wolfram Koch machen in „Kälter als der Tod“ Lust auf mehr

Große Erwartungen sind angebracht: Die Macher des mit Preisen überhäuften „Tatort“-Knallers „Im Schmerz geboren“ präsentieren ihren nächsten Streich. Diesmal dürfen Regisseur Florian Schwarz und Autor Michael Proehl die neuen Frankfurter Ermittler in Szene setzen: Margarita Broich und Wolfram Koch sind das neue Team. Und sie sind wirklich ein Team. Wie jüngst bei der Premiere des „Tatorts“ aus Franken setzen auch die Hessen auf gepflegte Harmonie statt auf ­demonstrativ schlechte Laune. Was nicht heißt, dass der Film harmlos wäre. Immerhin gilt es, die Morde an einer ganzen Familie aufzuklären. Fast einer ganzen Familie, denn die Tochter hat überlebt. ­Weitere Bluttaten folgen, über die man aber nicht allzu viel verraten sollte.

Mut zur Übertreibung

Zurück zu den Erwartungen: Den Premierenfall in Analogie zum ersten Film von Rainer Werner Fassbinder zu betiteln, zeugt von einer guten Portion Selbstbewusstsein. Und auch sonst scheuen sich die Macher nicht vor mutigen Schritten, um der alten Dame „Tatort“ ein weiteres Mal frischen Schwung zu geben: So folgen die Ermittler den Verdächtigen in die feinsten Verästelungen ­ihrer Seelenwelten, und diese Empathie wird in tagtraum­artige Bilder umgesetzt. Zeit und Raum verschwimmen immer wieder. ­Leider verschwimmt auch die Geschichte ein bisschen. „Im Schmerz geboren“ verwendete schwülstige Lebens­geschichten als cooles Stilmittel; in „Kälter als der Tod“ jedoch finden die drastischen Charakterzeichnungen und der wirklichkeits­nahe Grundton keine Einheit.

Feinfühlig und einprägsam

Aber guten „Tatort“-Teams verzeihen Fans auch schwächere Geschichten. Und mit den Hauptdarstellern haben die Verantwortlichen echte Volltreffer gelandet. Die geerdeten Theaterprofis Broich und Koch, die schon in vielen Kriminebenrollen Akzente setzen konnten, erzeugen mit ihrem feinfühligen, einprägsamen Spiel das Bedürfnis nach „mehr davon“. Dieses Bedürfnis wird relativ bald befriedigt: Der nächste Fall läuft im September, Nummer drei wird derzeit produziert.

30.11.-0001, 0.00 Uhr

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