Krimi-Check: Darum läuft am Sonntag nur eine "Tatort"-Wiederholung

Die deutsche Fußball-Elf tritt zur EM-Quali bei RTL an. Damit die Zuschauer sich nicht zwischen Sport und Krimi-Premiere entscheiden müssen, zeigt die ARD einen klasse Fall von 2017: "Der Tod ist unser ganzes Leben".

Der Messerstecher schlägt wieder zu

Darum geht’s:
Ein Jahr ist es her, dass der Familienvater Ben Schröder vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes erstochen wurde. Ein völlig sinnloser Mord ohne Motiv – Ben Schröder war ein Zufallsopfer. Aber wer war der Täter? Dass Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) die Ermittlungen erfolglos einstellen mussten, trieb die Kommissare an den Rand der Verzweiflung. Da geschieht ein Verbrechen, das Parallelen zum Fall Schröder aufweist. Das Opfer überlebt und kann Hinweise auf den Täter geben. Ein Verdächtiger wird gefasst. Doch während des Gefangenentransports kommt es zu einem blutigen Zwischenfall.

Polizeiarbeit – ein Albtraum!

Die Kommissare:

… leiden.

Unter den Verletzungen eines traumatischen Einsatzes, den Batic und Leitmayr nur mit viel Glück überleben. Vor allem aber unter ihrem Beruf, der "ein einziger Fehler" ist. Kollege Carlo Menzinger (ermittelte von 1993 bis 2007 im Münchner "Tatort", gespielt von Michael Fitz), der nach Thailand auswanderte, hat nun ein Leben. Aber Batic und Leitmayr? "Keine Frau und kein Leben. Nur Leichen. Der Tod ist unser ganzes Leben," philosophiert Batic.

Der "Isar-Mord" als Inspiration

Realitäts-Check:

Der Fall ist lose angelehnt an den "Isar-Mord", der 2013 nicht nur die Münchner erschütterte. Damals war der 31-jährige Domenico L. mit seiner Verlobten auf dem Radweg an der Isar unterwegs. Plötzlich wurde die Frau von einem Fremden bespuckt. Als Domenico den Mann zur Rede stellen wollte, zog der Täter ein Messer und erstach Domenico. Bis heute wurde der Mörder nicht gefasst.

Doch den "Tatort"-Machern ging es nicht in erster Linie um diesen Fall. Vielmehr wollte man eine Geschichte zeigen, die "die Schmerzhaftigkeit polizeilicher Ermittlungsarbeit auf die Spitze treibt." Denn auch im wahren Ermittler-Leben gelingt es schließlich nicht immer, die Täter zu überführen. Authentischer geht’s nicht. Top!

Einschalten oder abschalten?

Das gab‘s noch nie in einem Vierteljahrhundert Münchner "Tatort" mit Batic und Leitmayr: Der Täter in "Die Wahrheit" (ausgestrahlt im Herbst 2016) wurde nicht gefasst. Die Lösung wurde 2017 "Der Tod ist unser ganzes Leben" nachgeliefert. Schon damals war den Machern klar, dass es eine Fortsetzung geben würde. Der 75. Fall für die Münchner greift die Geschichte zwar auf, erzählt sie aber völlig eigenständig weiter. Man muss den ersten Teil also nicht kennen, um die Zusammenhänge zu verstehen. 

Das Ergebnis? Michael Polle, Produzent X Filme Creative Pool, bringt es auf den Punkt: "Mit 'Der Tod ist unser ganzes Leben' ist ein Tatort entstanden, der die Grenzen des Genres auslotet, gleichzeitig aber einen emotional spannenden und zutiefst ergreifenden Kriminalfall erzählt." 

Ein "Tatort", der an die Nieren geht. Manchmal arg schwermütig, aber packend und verstörend realistisch. Auch beim zweiten Mal lohnt das Einschalten

Autor: Stefanie Moissl

22.3.2019, 14.00 Uhr

News empfehlen