Krimi-Check: So ist der neue "Tatort: Der Turm"

Art-House-Krimi

Die Frankfurter Ermittler Janneke und Brix bekommen es am 2. Weihnachtsfeiertag mit einen kafkaesken Fall aus der Welt der Finanzdienstleistungen zu tun.

Vor verschlossenen Türen: Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch)

Darum geht's:

Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) werden nachts zu einem Hochhaus in Frankfurt gerufen. Eine halbnackte junge Frau liegt tot auf dem Platz vor dem Gebäude. Janneke, die zuerst vor Ort ist, geht allein in den Turm und macht wie so oft Fotos. Als Brix endlich eintrifft, findet er seine Kollegin bewusstlos im Aufzug. Janneke kommt erst im Krankenhaus wieder zu Bewusstsein und kann sich nur noch undeutlich erinnern. Wer hat sie niedergeschlagen? Und wer hat das tote Mädchen vom Dach des Turms gestoßen?

Brix versucht zunächst alleine, an das Konglomerat aus Finanzdienstleistungsfirmen im Turm heranzukommen, wird jedoch von der undurchschaubaren Anwältin Dr. Rothmann (Katja Flint) auf Distanz gehalten. Als sich der junge Programmierer Bijan (Rauand Taleb) an Brix wendet, scheint endlich Bewegung in den Fall zu kommen.
 

Die Kommissare ...

... stehen vor verschlossenen Türen und fühlen sich machtlos.

Hauptkommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) kämpft aufgrund ihres Schädelhirntraumas mit einer anhaltenden Benommenheit und Wahrnehmungsstörungen. Vom Ermitteln lässt sich deswegen natürlich nicht abhalten.

Hauptkommissarin Paul Brix (Wolfram Koch) kümmert sich rührend um Kollegin Anna und vertraut sie der Obhut seiner Vermieterin Fanny (Zazie Paris) an. Die Unnahbarkeit der Strippenzieher im "Turm" frustriert ihn gewaltig. "Wieso sind wir so zahnlos?", fragt er den Kollegen Jonas (Isaak Dentler), an dem er seine Wut auslässt.
 

Einschalten oder abschalten?

Schon der Titel des Falls lässt an Franz Kafkas Roman "Das Schloss" denken: Der Held will hinein – kommt aber nicht weit. Genauso geht es Brix am Anfang mit dem "Turm". Betreten darf er ihn nicht, die Mitarbeiter verstecken sich hinter Verschwiegenheitsvereinbarungen und die Hintermänner entziehen sich seinem Zugriff. Was im Turm mit wessen Geld genau geschieht – die Firmen wickeln automatisierte Finanztransaktionen im Bereich von Nano-Kursschwankungen ab – bleibt schleierhaft.

Das Drehbuch stammt von Regisseur Lars Henning, der 2017 mit dem Kinofilm "Zwischen den Jahren" mit Peter Kurth und Karl Markovics in den Hauptrollen für Aufsehen sorgte. Mit dem achten gemeinsamen Fall des Frankfurter Teams liefert Henning einen Art-House-Streifen mit hintergründiger Spannung und kalkulierten Unschärfen ab. Eine insgesamt düstere Optik und immer wieder einzelne verschwommene Einstellungen bestimmen die Kamera-Arbeit. Am Ende bleiben mehr Fragen offen, als geklärt werden. Wer am zweiten Weihnachtsfeiertag genug vom üblichen, auf Harmonie gebürsteten TV-Programm hat, der kann an dem undurchsichtigen Fall aber durchaus seinen Spaß haben: Einschalten! Wer allerdings einen Krimi sehen will, bei dem am Ende Recht und Ordnung wiederhergestellt sind, sollte besser: Abschalten!

Erstausstrahlung: 26.12.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Der Turm"? 

Autor: Björn Sommersacher

24.12.2018, 9.57 Uhr

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