Krimi-Check: So ist der neue "Tatort: Der höllische Heinz"

Wilder Ritt

An Neujahr brennen Nora Tschirner und Christian Ulmen ein fabelhaftes Gagfeuerwerk im Western-Stil ab.

Darum geht's:

In Weimar wird ein toter Indianer aus der Ilm gefischt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um Wolfgang Weber handelt, den Besitzer der Westernstadt "El Doroda". Lessing (Christian Ulmen) erfährt von Webers undurchsichtigem Geschäftsführer Heinz Knapps (Peter Kurth), dass der "Häuptling" seinen Pächtern kündigen wollte. Ein Mordmotiv? Schließlich ist die romantische Westernstadt für die dort lebenden "Hobbyisten" mehr als nur ein Arbeitsplatz. Außenseiter wie die ehemalige Politesse Judith Wörtche (Lina Wendel) und ihr Sohn Tom (Christoph Letkowski) sind auf dem Westernspielplatz zu Hause. Während Kira Dorn in "El Doroda" undercover als Cowgirl anheuert, untersucht Lessing Webers Verbindung zu der skrupellosen Tiefbauunternehmerin Ellen Kircher (Marie-Lou Sellem).
 

Die Kommissare ...

... ermitteln zwar getrennt, finden aber trotzdem ausreichend Zeit für Sticheleien. Als freches Cowgirl "Lotte" darf Dorn ihrem Partner Lessing sogar einen herzhaften Tritt verpassen.

Hauptkommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) reitet, singt und kalauert sich durch die 90 Minuten Film. "Pferd, Longhorn, Esel, Hirsch - ich reite alles, was ein Fell hat", erklärt sie Cowboy Tom breitbeinig. Privat hat sie weniger Spaß: Weil Lessings Mutter ihren Besuch angekündigt hat, schrubbt Dorn nächtelang die Wohnung.

Hauptkommissar Lessing (Christian Ulmen) hat in der Westernstadt durchaus auch seinen Spaß. Bei der Begegnung mit Kirchners Sohn, dem unterbelichteten Rocker Nick (Martin Baden), darf er sogar den Revolverhelden markieren.
 

Einschalten oder abschalten?

Von Dorn und Lessing erwartet der Zuschauer Wortwitz, absurde Figuren und Tempo. All das bietet auch ihr mittlerweile achter Einsatz. Inszeniert hat die launige Westernposse Jungregisseur Dustin Loose, der mit dem bewegenden Dresdner Fall "Déjà vu" (2018) über zehn Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte. In Weimar geht Loose mit einem prall gefüllten Kalauer-Arsenal (Buch: Murmel Clausen und Andreas Pflüger) zu Werke und liefert einen konsequenten Ritt durch die Konventionenprärie des Westerngenres ab. Das funktioniert wunderbar bis in die Kameraeinstellungen hinein. Etwa wenn "Lotte" die Stadt betritt und alle Augen auf sie gerichtet sind. Loose über die ungewöhnliche "Tatort"-Kulisse:

"Das zentrale Setting einer Westernstadt ist für mein Kreativteam und mich als Regisseur natürlich ein großer Abenteuerspielplatz voller Erinnerungen an die Westernfilme, mit denen wir aufgewachsen und die auch im kollektiven Gedächtnis verankert sind."

Und dann ist da ja auch noch der grandiose Peter Kurth, der als titelgebender "Höllischer Heinz" mit seinem gewichtigen Spiel als wohltuendes Gegengewicht zu den Paradiesvögeln Dorn und Lessing wirkt. So unterhaltsam kann das TV-Jahr 2019 gerne beginnen. Daher sollten nicht nur Western- und "Tatort: Weimar"-Fans unbedingt: Einschalten!

Erstausstrahlung: 1.1.2019, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Der höllische Heinz"?

Autor: Björn Sommersacher

28.12.2018, 16.00 Uhr

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