Krimi-Check: So wird der neue "Tatort: Wahre Lügen"

Die Wiener Ermittler Bibi Fellner und Moritz Eisner bekommen es in ihrem 20. gemeinsamen Auftritt mit einem wahren historischen Fall tun.

Darum geht’s:

Im Wolfgangsee wurde die Leiche einer Frau gefunden. Sie war erschossen und mit einem Auto im See versenkt worden. Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) finden heraus, dass es sich bei der Toten um eine als vermisst gemeldete deutsche Journalistin handelt. Sie hatte offenbar im Jahrzehnte zurückliegenden, ungeklärten Todesfall eines österreichischen Politikers recherchiert. Den Ermittlern wird schnell klar: "Wenn wir den Stein ins Rollen bringen, rollen da jede Menge hohe Köpfe hinterher. Oder unsere eigenen."

 

Die Kommissare:

… machen beruflich wieder mal so gar keine gute Figur.

Die Schauspieler dagegen haben durchaus etwas zu feiern – nämlich ein dreifaches "Tatort"-Jubiläum auserkoren zu haben: Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren gab Harald Krassnitzer seinen Einstand als Kommissar Moritz Eisner. Für Adele Neuhauser alias Bibi Fellner ist es Fall Nummer 20. Zudem wird die Schauspielerin am 17. Januar 60 Jahre alt.

 

Einschalten oder abschalten?

Zugegeben: Der letzte Fall der Wiener "Her mit der Marie" (2018) ist schwer zu toppen. Dass Inkosso-Heinzi, der alte Strizzi, in selbigem einen tragischen Abgang machte, hilft dem neuen Fall überhaupt nicht. Keiner da, der sich mit Bibi die Leberkäs-Semmel teilt. Und leider auch sonst niemand, der so richtig mit ihr frotzeln mag. Das vergeht angesichts des brisanten Falls nämlich sogar ihrem Partner Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Der typisch bärbeißige Humor, der die Wiener Fälle meist ausmacht, fehlt leider. Dafür hat es aber der Plot in sich. Denn der Fall Lütgendorf, zu dem die nun ermordete Journalistin recherchiert hatte, ist ein reales Ereignis der österreichischen Kriminalgeschichte und Innenpolitik.

Karl Lütgendorf war von 1971-77 Verteidigungsminister, musste zurücktreten und starb am 9. Oktober 1981 durch einen Revolverschuss in den Mund. Offiziell gilt sein Tod als Selbstmord. Doch halten sich hartnäckige Gerüchte, dass er auf einem Jagdausflug ermordet wurde.

Wie Regisseur Thomas Roth diesen realen alten und den fiktiven neuen Fall miteinander verwebt, ist nicht spektakulär. Zumal es naturgemäß kein rundes Ende geben kann. Dennoch: Ein Verschwörungskrimi mit authentischem Alpenrepublik-Aufreger als Grundidee - wahrlich kein "Tatort" von der Stange. Auch Dramaturgie und Besetzung sind top. Einschalten!

Erstausstrahlung: 13.1.2019, ARD

Autor: Stefanie Moissl

 

Wie brutal ist der "Tatort: Wahre Lügen"?

11.1.2019, 15.35 Uhr

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