Krimi-Check: So wird der neue "Tatort: Murot und das Murmeltier"

Tatsächlich … Kunst! Abgedreht, witzig, preisgekrönt: Im "Tatort: Murot und das Murmeltier" ist der Kommissar in einer Zeitschleife gefangen.

LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) und seine Kollegin Magda Wächter (Barbara Philipp)

Hommage an den Filmklassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier"

Darum geht’s:

7.30 Uhr. Das Telefon von LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) klingelt. Es ist seine Assistentin Magda Wächter, die ihm mitteilt, dass es eine Geiselnahme in einer Bank gibt und er sofort kommen muss. "Wer überfällt denn heute noch eine Bank?", murmelt Murot, und: "Wahrscheinlich wieder ein verzweifelter Amateur." Murot fährt zum Tatort und schafft es tatsächlich, den Geiselnehmer zur Aufgabe zu überreden. Doch im letzten Moment geht irgendetwas schief. Murot wird erschossen - und erwacht am nächsten Tag schweißgebadet um 7.30 Uhr. Fortan erlebt er den Tag immer wieder aufs Neue. Er beginnt mit Wächters Anruf und endet mit Murots Tod. Murot versucht verzweifelt, seinem Schicksal zu entkommen.

Der Kommissar…

… steckt in einer Zeitschleife fest.

Gerade noch hat sich LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) über die tägliche Routine beschwert. Nun muss er sterben. Wieder und wieder. Und das auch noch wegen eines Unsympathen wie dem schmierigen Geiselnehmer Gieseking (Christian Ehrich). Der hat sich bereits mit der Situation arrangiert: Wenn er alle Videos im Netz anschaue, reiche das für 78.000 Jahre, hat er ausgerechnet. Keine guten Aussichten für Murot.


Einschalten oder abschalten:

Bei dem Wort "Krimi-Experiment" verdrehen inzwischen selbst eingefleischte "Tatort"-Fans die Augen. Erst wurde "nur" im Dialekt improvisiert, zuletzt verspritzten "Vampire" literweise Filmblut. Nun also eine Hommage an den 90er-Jahre-Filmklassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier": Ulrich Tukur steckt - wie einst Bill Murray im Murmeltier-Kultklassiker - als LKA-Mann Felix Murot in einer Zeitschleife fest. Und erlebt seinen Tod täglich aufs Neue. Selten haben Wiederholungen so viel Spaß gemacht. Denn je mehr Murot versucht, sein Schicksal zu drehen, desto skurriler wird es. Allerdings nie so sehr, dass der Fall an Spannung verlieren oder gar in billigen Klamauk abdriften würde.

Stattdessen sehen wir fantasievolle Wendungen und einen Ulrich Tukur, der glaubhaft zwischen Hoffnung, Wahnsinn und resignierter Heiterkeit pendelt. Und sich irgendwann den vollen Kaffeebecher des Kollegen selbst über den Anzug kippt, anstatt zu warten, bis der es tut. Der es nur noch hinter sich bringen will. Herrlich kluger Unfug zu Klängen von James Last, Sonny & Cher und Dietrich Brüggemann ("Renn, wenn du kannst"). Letzterer steuert nicht nur eine dramatische, vom HR-Sinfonieorchester vertonte Eigenkomposition bei, sondern zeichnet auch für Buch und Regie verantwortlich.

Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen wurde „Tatort: Murot und das Murmeltier“ bereits vor der TV-Premiere ausgezeichnet. Die Jury sah in dem Film eine raffinierte Kritik des Krimi-Überangebots im TV. Ob mit oder ohne Botschaft – "Murot und das Murmeltier" lohnt sich. Auch Krimi-Experiment-Skeptiker sollten einschalten. Alle anderen "Tatort"-Fans sowieso.

Erstausstrahlung: 17.02.2019, Das Erste

 

Autor: Stefanie Moissl

Wie brutal ist der "Tatort: Murot und das Murmeltier"?

15.2.2019, 16.12 Uhr

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